Das Jahr mit der :K

Branchenreport

Branche – Es lohnt sich, die Ausgaben eines Jahres noch einmal durchzublättern. So ergibt sich ein Relief aus Highlight-Beiträgen, bemerkenswerten Technologien und Menschen mit Leidenschaft für die Welt der Komponenten. von Michael Kleine

03. November 2016

Wer gedacht hat, 2016 würde es ruhiger um Industrie 4.0, täuscht sich. Zahlreiche Beiträge in der :K drehen sich um das Megathema dieser Epoche. Niemand kann die Augen davor verschließen und es gibt immer neue Aspekte zu entdecken. In einem Beitrag von Helukabel geht es um die Anforderungen in der Welt der Leitungen. Produktmanager Horst Messerer beschreibt deren Stellenwert: »In Funktion und Bedeutung sind Kabel in der Automatisierung wichtige A-Teile.«

Ohne Sensoren läuft nichts in der Industrie 4.0. Darum kann ein Hersteller wie Pepperl + Fuchs selbstbewusst sein Portfolio zeigen. Der Schwerpunktauftakt in Ausgabe 3 macht zudem deutlich, dass auch einfache und günstige Maßnahmen zu einer leistungsstärkenden Optimierung führen können.

Generell bewegt sich Industrie 4.0 konstant weiter von den Grundlagen immer mehr hin zu konkreten Lösungen. Das ist das Credo des Sammelartikels in Ausgabe 3. Rückenwind erhält diese Einschätzung von Philip Harting: »Das Thema Industrie 4.0 hat innerhalb von zwei Jahren rasant an Fahrt aufgenommen.« Als Treiber der vernetzten und digitalisierten Fertigung versteht sich die Hannover Messe schon seit jeher. Recht neu ist die Cloud zur Speicherung und Verarbeitung der anfallenden riesigen Datenmengen. Angst macht die Sicherheit. Darum titelt das Editorial recht plakativ: »Wenn jemand die Cloud klaut ...«

Im Internet der Dinge ist Kommunikation ein wichtiger Enabler. Aber ein komplettes Sortiment für die Kommunikation zwischen allen Schichten der Pyramide gibt es nur von wenigen Herstellern wie Hilscher. »Die neuen Strukturen müssen sich in unseren Geräten niederschlagen«, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Hilscher.

Embedded- und Kommunikationslösungen tummeln sich in Ausgabe 1. Sie sind mit der Industrie 4.0 im Aufwind. Das besagt sogar der Titel des Editorials. Deutlich wurde das auch an der aktiven Bewerbung der Messe, die in den letzten Jahren eher ein verhaltenes Dasein führte. Im Titelbeitrag geht es dann auch gleich folgerichtig in die Vollen. Für die Steuerungswelt von Siemens durfte HMS ein CANopen-Modul entwickeln, das Steuerungen und CANopen-Geräte miteinander verbindet. Geschäftsführer Michael Volz: »Der Netzwerkstandard ist nach wie vor beliebt, weil er geringe Anschalt- und Verkabelungskosten verursacht.«

Kein anderes Thema im CAD-CAM-Bereich schlug 2016 so hohe Wellen wie die Simulation. Sie wird immer mehr zur Königsdisziplin in der digitalen Konstruktion. Fachleute betonen die vielfältigen Möglichkeiten, Prozesse zu verkürzen und die Qualität zu steigern. Bei Spritzgussteilen sind die Franzosen Transvalor sehr aktiv. Deren neue Software bietet mehr Präzision und Wirklichkeitstreue. Solidthinking Inspire von Altair strebt nichts anderes an als eine neue Stufe der Simulation und möchte laut Marketingleiter Mirko Bromberger alle Fäden zusammenfügen. Gelingen könnte das mit der neuen Polynurbs-Funktion, mit der der Anwender seine Topologieoptimierung mit Geometrien umhüllen kann. Klingt schwierig, scheint aber viele Vorteile zu bringen.

Eine große Palette an Tools für die Elektrotechnik bietet Dassault an. Senior Director Sales Uwe Burk geht es dabei vor allem darum, Konstruktion und Simulation miteinander zu verbinden, und stellt dazu assoziative Werkzeuge in den Vordergrund.

Siemens PLM hat einem Hersteller von Behältern und Flaschen aus Plastik bei der Validierung ihrer Produkte geholfen. Mit neuen Funktionen in zahlreichen Software-Produkten sinkt die Simulationszeit um 75 Prozent. Auch in dieser Ausgabe geht es um Simulation, aus der Sicht eines ausgewiesenen Experten von Technia Transcat. Peter Straetemans plaudert aus 20 Jahren Umgang mit dem Thema und gibt dabei ungewohnt intime Einsichten in diesen spannenden Bereich der digitalen Entwicklung.

Lineartechnik immer in Bewegung

Lineartechnik ist eines der erklärten Lieblingsthemen des Chefredakteurs und es entwickelt sich trotz aller Tradition permanent weiter. In der Elektronik betätigt hat sich in einem Beispiel in Ausgabe 2 der Linearspezialist Rollon. In einem Automat von IC-Automation beschleunigen sie die Produktion von Baugruppen. Und Konstrukteur Andreas Friesenecker findet weitere Gründe: »Die Achsen von Rollon sind flexibel einsetzbar und bauen sehr kompakt.«

Kennzeichnend in der Lineartechnik ist der aufkommende »Kampf« zwischen Elektrik und Pneumatik als Antriebsprinzip. In diese Kerbe schlägt auch Wittenstein und präsentiert seine elektrischen Servo-Linearaktuatoren, die in einer spannenden Anwendung dafür sorgen, dass Maschinen zum Glasblasen zuverlässig, präzise und sicher laufen. Befeuernd wirkt in diesem Bereich die fortschreitende Automatisierung, zudem stehen Komplettlösungen seit geraumer Zeit im Fokus. LTK ergänzt sein Portfolio fortwährend, um alle Anforderungen aus einer Hand abzudecken.

Der dreidimensionale Druck von Gegenständen verbreitet sich rasant und ist fest in der Industrie angekommen. Immer mehr Unternehmen fertigen ihre Prototypen und verstärken auch ihre Produkte auf diese Weise. Die Angebotsvielfalt potenziert sich jedes Jahr. Eines der führenden 3D-Druck-Unternehmen ist Stratasys. Logischerweise gibt es immer wieder neue Produkte zu sehen und wie im Beitrag aus Ausgabe 5 auch in der praktischen Anwendung bei Unilever. Selten haben zwei Bilder einer Form für Klosteine solch eine Reaktion ausgelöst …

Das Kommunikationsmodell IO-Link ist zwar schon einige Jahre alt, kommt aber immer mehr in Fahrt. Fast alle Sensorhersteller haben sich dem Standard angeschlossen. Vor allem Balluff war ein Vertreter der ersten Stunde und das Unternehmen ist weiterhin höchst aktiv, IO-Link auszubauen. Das bekräftigt auch Dr. Elmar Büchler in unserem Interview in Ausgabe 1: »Wir wollen die gesamte Intelligenz des Systems nutzen, entscheidend ist aber der Benefit für den Kunden.«

Erstaunlich regelmäßig übers Jahr verteilt blitzte 2016 die Medizintechnik als Anwendungsbranche für diverse Komponenten auf. Recht unbescheiden widmet sich Schaeffler der Thematik mit seinen komplexen und voluminösen Gantrys für Computertomografen von Siemens. Das Vorhaben hat alle Parteien stark gefordert, »aber wir haben das Know-how für solche großen Projekte«, ist sich Ralf Moseberg, Geschäftsführer Lineartechnik in Bad Homburg, sicher. Profitieren tun die Patienten, denn die Behandlung etwa von Schlaganfällen geht schneller und komfortabler vonstatten und die Genesungschancen steigen.

Eher auf dem Rückzug in der :K ist die Fluidtechnik. Könnte das am Vormarsch elektrischer Alternativen liegen? War sonst wenig zu finden, glänzt die Ausgabe 7 mit zwei schönen Beiträgen über Verschraubungen von Schwer und Anschlüssen von Eisele. Aber letztere übertragen jetzt auch schon elektrische Signale …

Wenig, aber dafür gut

Mobile Power als einstiges Top-Thema lässt sukzessive nach. Die Komponenten und beteiligten Unternehmen wiederholen sich oft. Zudem sind mobile Arbeitsmaschinen kein sensationell neues Betätigungsfeld mehr. Trotzdem ist es uns gelungen, eine tolle Anwendung auf die Titelseite der Ausgabe 6 zu bringen. Dort geht es um Gleitlager von Igus mit inkorporiertem Schmierstoff in speziellen Futtermischwagen. Diese Lösung bringt einen ruhigen Lauf sowohl auf schlechten Wegen als auch auf der Straße.

Dauerbrenner

Was wäre eine Fachzeitschrift für Konstruktion ohne Dauerbrenner wie die Maschinenelemente. Prominent sind hier immer wieder Energieführungsketten. Die Rollenketten von Kabelschlepp mildern bei großen Verfahrwegen den Verschleiß. Produktmanager Peter Pütz ist vor allem stolz auf die nagelneue Testanlage hinterm Haus: »Jedes Produkt wird vor der Freigabe strengsten Versuchsreihen unterzogen.«

Über 20 Seiten stark war das Spezial ›Maschinenelemente zur Motek‹. Der Bereich ist wahrlich nicht totzukriegen mit seinen Millionen Varianten und Ausprägungen. Themen waren Sicherheit, Lager, Greifer, Rollen, Signaltechnik, Führungen, Lineartechnik, komplexe Verstelleinheiten, einfache Normteile, Spannelemente oder Schläuche. Was für eine Bandbreite!

Unser ewiger Begleiter – die Antriebstechnik – offenbart ab und an auch wirkliche Neuerungen wie den MultiServo von AMK. Das System vereint vier Wechselrichter samt Einspeisung und Motion Control. Udo Huneke, Leiter Marketing und Produktmanagement bei AMK: »Unser Mehrachsgerät beschleunigt dank eingebundener Apps die Arbeit der Konstrukteure.«

In einem Beitrag zu einer Kupplung von Reich tritt mit einer neuen Gummimischung auch ein Werkstoff als weiterer wichtiger Aspekt in den Vordergrund. Eine solche Synergie zweier Rubriken freut den Redakteur immer ganz ungemein. Eine weitere gelungene Kombination bildet der Motion Drive von Uhing. Er besteht aus Rollringgetriebe und Steuerung. Hauptargument ist hier eine selten hohe Flexibilität. Dieses Stichwort zieht sich übrigens durch die meisten Rubriken und ist ein gern gesehener Gast in den Beiträgen.

Sehr engagiert war die Kampagne von Faulhaber zu ihrem neuen Motion Controller. Wir haben diese gern mit der Titelgeschichte unterstützt, denn das Modul weist konsequent in Richtung Vernetzung von intelligenten Antriebssystemen sowie Modularität und schnelle Inbetriebnahme.

Ein ganz neues Thema tat sich im Innentitel zur Hannover Messe auf: Umweltschutz. Pionier Denios schildert darin den richtigen Umgang mit Schadstoffen, die in den meisten Unternehmen anfallen, und die Verpflichtung zum Umweltschutz auch in der produzierenden Industrie. Die Geschichte mit zahlreichen Produkten und Lösungen ist gekennzeichnet durch eine schöne, intensive und eindringliche Bilderwelt. Hier wird es sicher noch einiges zu berichten geben.

Immer wieder

Taktgeber einer Zeitschrift sind auch die Stammformate. Lieblingstitel des Autors in diesem Jahr ist die Ausgabe 3 von und mit AHP Merkle, kraftvoll in sattschwarz, der den Auftakt bildete für ein ganz neues Geschäftsfeld der Gottenheimer, nämlich der Dämpfungstechnik. Technisch ein Meilenstein, aber auch in der Gestaltung außergewöhnlich und spannend.

Nicht in jeder Ausgabe, aber immer wieder anschaulich und informativ, zieht unser Produkt im Detail die Leser in seinen Bann. Quer durchs Bild läuft der neue Power-Rundsteckverbinder von Hummel. Bei so viel Dynamik kommen auch die Details wie Verschraubung und Schirmung gut zur Geltung. Auf völlig neues Terrain wagt sich das Produkt im Detail in Ausgabe 7. Dort geht es um Roboterzellen zum Laminieren von Lacom. Sehr interessant, was diese Automaten alles leisten können und wie variabel sie sind. Gleich zwei gibt es in dieser Ausgabe.

Weil der Leser neben der reinen Technik auch etwas über die Unternehmen selbst erfahren möchte, finden sich in der :K so oft wie möglich Firmenporträts. So durfte der Autor die Zentrale von Finder in Italien besuchen und war einerseits beeindruckt vom riesigen Maschinenpark für die Relaisbausteine und der hohen Fertigungstiefe, aber auch von der lieblichen Landschaft des Piemont, in der die berühmten Kirschen wachsen.

Schön ist es auch in Aalen, vor allem war dort der Erfinder des Drahtwälzlägers zu Hause. Die Nachkommen von Erich Franke verwalten dieses Erbe gut und kommen mit immer neuen Produkten auf den Markt, wie Lagern mit Karbonanteil oder auch intelligenter Lineartechnik.

Ergreifend war die Geschichte des Gründers von BCT, der zusammen mit zwei leitenden Angestellten bei 9/11 ums Leben gekommen ist. In diesem Gedenken haben die Nachfolger das Unternehmen zu einem der führenden Anbieter für PLM und CAD ausgebaut, zusammen mit dem starken Partner Siemens PLM.

In einem »Peoples Business« wie dem Maschinenbau prägen Persönlichkeiten die Branche. Diese über Interviews ins Heft zu bringen, ist eine hehre Pflicht und eine schöne Aufgabe. Zur Hannover Messe ist uns das mit Anton S. Huber gelungen, dem CEO der Siemens-Division Digital Factory. Naturgemäß drehte sich das Interview hauptsächlich um die Möglichkeiten der Industrie 4.0 und wie sein Unternehmen diese umsetzt – zum Nutzen des Kunden.

Sehr spannend und live im Trubel der Hannover Messe geführt, war auch das Gespräch mit Martin Thiel, der bei Cenit den Geschäftsbereich 3DS-PLM verantwortet. Auch bei ihm steht Industrie 4.0 ganz oben auf der Hitliste und sein Unternehmen steuert dazu eigene PLM-Software bei, vertreibt aber auch diejenige des Branchenriesen Dassault. »Es geht dabei um Globalisierung und darum, große Datenflüsse beherrschbar zu machen.«

Ich hatte zudem die Möglichkeit, in Lohr mit Steffen Haack zusammenzutreffen, dem Vorstand für Industrieanwendungen bei Bosch Rexroth. Aufgrund der Größe des Unternehmens und des Portfolio interessierte zuvorderst, wie man das alles handhabt und strukturiert und welche konkreten Produkte und Anwendungen dabei herauskommen. Seine Lösung: Die Megatrends im Blick haben und die Märkte genau analysieren.

Messen im Fokus

Immer stärker definieren sich Fachzeitschriften über die Berichterstattung zu Messen. Eine Premiere stellte das Spezial zur Bauma in Ausgabe 2 dar. Es ist erstaunlich, wer uns alles eine Meldung zu dieser größten Messe der Welt zukommen ließ. Letztendlich entstand ein bunter Strauß aus Drehgebern von Kübler, Motoren von Bosch Rexroth, Sensoren und Bedienelementen von IFM, Kabinen von Fritzmeier und Großlagern von Rodriguez. Wie von der Bauma, soll es hier auch eine kurze Zusammenfassung des Spezials zur Automatica geben. Die Messe beherbergt immer mehr Komponenten. Neben der Titelstory mit Schutzrollos von Arno Arnold schmückte ein Baukasten von Schunk das Heft, gab es Highlights zur Industrie 4.0 in der Automatisierung zu lesen, Lösungen von Kuka, Schmersal oder Universal Robots, Igus in der Robotik und einen Blick auf die Anlagen, in denen die Komponenten zum Einsatz kommen.

Erschienen in Ausgabe: 08/2016