Das Jahr mit der K

Branchenreport

Branche – Es lohnt sich, die Ausgaben eines Jahres noch einmal durchzublättern. So ergibt sich ein Relief aus Highlight-Beiträgen, besonderen Formaten, bemerkenswerten Technologien und Menschen mit Leidenschaft für die Welt der Komponenten. von Michael Kleine

06. November 2017

Was ist besser, als einen Überblick mit dem wichtigsten Thema zu beginnen. Anfang des Jahres war in der ersten Ausgabe allerdings noch kaum etwas zu spüren von der Digitalisierung. Ab der Hannover Messe und in der zweiten Jahreshälfte geht es mit ihr dann massiv aufwärts.

In einem Interview mit Dr. Wolfgang Heuring von Siemens treffen wir einen großen Fan der Bewegung. Der Leiter der Siemens Business Unit Motion Control sieht die Dinge übergeordnet und ist mittendrin in den Zukunftsthemen. Gesicht der Digitalisierung ist der Digitale Zwilling, also das simulierte Abbild einer Komponente, Anlage oder Produktionslinie, in allen Schritten von der Planung bis zum Service. Siemens ist hier sehr aktiv in der Kommunikation, auch alle großen Player im Bereich CAD CAM bieten Lösungen an. In Ausgabe 8 wird der Digitale Zwilling sogar das bestimmende Thema in einem Beitrag von Ansys sein. Ursprung der Digitalisierung ist die Industrie 4.0, die immer noch häufig genannt wird.

Ausdruck hat das auch in den Messen des Jahres gefunden. Die Hannover Messe hat wieder an Bedeutung gewonnen, darum war unser Spezial randvoll. Ein interessantes Instrument der Messe ist der Preview: Viele Aussteller gaben spannende Vorauseinblicke auf Exponate und Themen, die sich in einer Strecke in Ausgabe 2 wiederfanden.

Auch die Sensor + Test ist jetzt digital ausgerichtet – Wachstum ist spürbar. Auf der Motek ist der Nimbus vergangener Jahre nicht mehr so zu spüren, darum bemüht sich der Veranstalter um digitale Impulse. Allerdings erwächst der Messe Konkurrenz durch Automatica und SPS. Die Themen wachsen zusammen unter der gemeinsamen Klammer Digitalisierung. Im Zuge dessen wirft die SPS ihre Schatten voraus. Es herrscht weiterhin ein enormer Hype – viele Neuheiten sind angekündigt, darunter Weltpremieren wie die zur individualisierten Massenfertigung von B&R.

Angesagt sind heute spezialisierte und eng zugeschnittene Nischenmessen wie die neue MT-Connect für Medizintechnik. Sie erhalten Zulauf wegen einer spitzen Themenauswahl und der Möglichkeit zu sehr tiefen Fachgesprächen.

2017 war wieder EMO-Zeit. Es gab riesiges Interesse seitens der Komponentenhersteller und einen großen Extrateil in Ausgabe 6. Auch das Interview mit Dr. Martin Voll von Schaeffler ging in Richtung der Werkzeugmaschinen. »Wir ermöglichen per Schmierung eine 20-fache Steigerung der Gebrauchsdauer«, sagt der Leiter Anwendungstechnik. Einen neuen Push gab auch die Erfahrung des neuen Chefredakteurs Hajo Stotz, denn es hat intern eine Stabübergabe gegeben. Ich selbst arbeite weiterhin an redaktionellen Inhalten. Gemeinsam bilden wir ein schlagkräftiges Team für eine fundierte Berichterstattung. Dazu gab es ein beachtetes Doppel-Editorial in der Ausgabe 5.

Mit Hajo Stotz hat sich auch einer der Trends 2017 in der :K verankert: Man agiert agil. Dr. Kurt Schmalz ist sich in der 7/17 sicher, dass Konstruktion agiler werden muss. »Klassische Methoden der Entwicklung reichen nicht mehr aus.«

Ein anderer Trend ist die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK), die das Momentum von der Automatica 2016 mitgenommen hat. Schunk präsentiert sich als Vorreiter und Aktivist, vor allem mit dem intelligenten Greifer JL 1. Im Titel der 4/17 ist Schunks Entwicklungsleiter Dr. Markus Klaiber sehr begeistert von dem Produkt: »Der JL 1 ermöglicht Effizienz, Praxistauglichkeit und Akzeptanz.«

Komponenten und Lösungen werden immer häufiger in Kontext zu möglichen Anwendungen gestellt. Anpassung und Flexibilität sind gefragte Eigenschaften. Verwandt damit ist die Ausrichtung auf Systeme. Es geht immer mehr um die Lösung aus einer Hand. Zimmer zeigt das in der 4/17 mit einer Roboterlösung für Zinkdruckguss. Bei Schneider Electric äußert sich der Systemgedanke in ihrer Eco-Struxure, die jetzt für Maschinen adaptiert wurde. Der Transfer von Daten spielt dabei eine große Rolle.

Mensch im Mittelpunkt

Schon immer lebt Technik von den Menschen, die sie begleiten. Darum sind Interviews ein Eckpfeiler der :K. Tobias Vogel von Igus ist jetzt Prokurist für Gleitlager und Kunststoffe. Die :K freut sich mit ihm! Er hat uns erzählt, was er in seiner neuen Position alles vorhat. Gunther Schulz von Rodriguez ist ein faszinierender, aber bodenständiger Geschäftsmann mit einer großen Ausstrahlung und vielen Visionen. Er sprach über sein Unternehmen, den Systemgedanken oder Value-Added-Products. Michael Stadler, Inhaber von MS-Graessner hat fast nur über die Zukunft gesprochen und in seinem Unternehmen hochstehende Getriebelösungen frisch auf den Markt gebracht.

Beim Blick über die Formate fällt das Produkt im Detail immer wieder ins Auge. Der Charme des Formats verfliegt nicht. Drei schöne Beispiele sind ein Wälzlager von Franke, das Getriebe TorusGear von MS-Graessner und eine Kabine von Fritzmeier.

Bleibt noch ein Ritt durch die Rubriken: Worüber haben wir berichtet, welche Strömungen sind uns aufgefallen? Die Sensorik stand 2017 gefühlt nicht so im Vordergrund wie in den letzten Jahren, dabei ist sie unverzichtbar für Industrie 4.0 und Digitalisierung. Dimitri Pritzkau ist »Vater« des Kit-Encoders von Posital, einem intelligenten Produkt, das er mit Verve vertritt und präsentiert. »Wir wollen ein einfaches und sehr kompaktes System anbieten und etablieren.« Dazu wendet sich Posital direkt an die Motorhersteller.

Trotz etwas weniger Beiträgen ist das Thema Lineartechnik weiterhin aktiv und nimmt traditionsgemäß einen wichtigen Raum in der :K. Der Schwerpunkt in der 3/17 zeigt, welche hohen technischen Anforderungen etwa an Rollon-Komponenten in Schneidanlagen von Perndorfer gestellt werden und wie der Hersteller diese erfüllt. Inhaber Andreas Perndorfer: »Mit Rollon kann man technische Dinge auf Augenhöhe diskutieren.« Gleit- und Wälzlager sind immer mit dabei, auch hier spielt erkennbar nicht mehr der technische Aufbau, sondern vor allem die Anwendung die Hauptrolle. Exemplarisch steht bei Rodriguez die Vielfalt der Anwendungen. Von Industrie bis Weltraum sind die Dünnringlager überall vertreten – das vorhandene Spezialwissen kommt da sehr gelegen.

Weiterhin die Königsdisziplin ist die Antriebstechnik. In 2017 ist in der :K vermehrt von Baukastensystemen zu lesen, wie es Heidrive bei seinen Servomotoren oder Engel Elektroantriebe für Synchronmotoren vorstellt. Dunkermotoren versucht, Modernität und Tradition in Verbindung zu bringen. Ergebnis ist der »echte« Dunkermotor BG 95 dpro mit radikal erneuerter Elektronikplattform. Ein starker Fokus in der Anwendung liegt auf Geschwindigkeit. Danfoss hat das beherzigt und kann mit seinen Frequenzumrichtern bei Heineken 44.000 Flaschen in der Stunde zuverlässig abfüllen. Antriebstechnik und Automatisierung kommen sich heute sehr nahe. Das offenbart der Titel von Ausgabe 4, in dem SEW-Eurodrive sein neues Baukastensystem Movi-C vorstellt.

Sicherheitstechnik ist eher Alltag geworden, aber trotzdem oft vertreten. Auch hier ist die Anwendung bestimmend, wie in der 1/17 bei Fiessler mit einer Lichtschrankenlösung für die Verpackungsindustrie. Sicherheit ist auch eines der bestimmenden Themen auf dem Automatisierungstreff geworden, wie es ein Workshop von Bihl + Wiedemann beweist. Pilz treibt die Entwicklung immer noch mit Komponenten wie dem Not-Aus-Schalter in der 2 voran, ansonsten bewegt sich das Unternehmen trendgemäß in Richtung Systeme. Auch der Schwerpunkt Steuerungstechnik in der 6 wurde gekapert, es gibt fast nur Sicherheitssteuerungen.

Obwohl eher »old school«, taucht der Bereich Spanntechnik überraschend oft auf. Ein gutes Beispiel gibt AMF mit einer Komplettlösung für Kipper von Meiller. Schunk zeigt seine kompakten Kraftpakete Tandem plus, die Präzision und Flexibilität mitbringen. Röhm zeigt die modernere Ausprägung, Spanntechnik per Weg zu konfigurieren. »Althergebrachte Produkte erhalten so eine zeitgemäße Technologie«, freut sich Marketingleiter Patrick Eitel.

Die Industrieelektronik erfährt eine Befeuerung durch die Boomthemen Industrie 4.0 und Digitalisierung, und ist zahlreich vertreten. Wie eh und je befinden sich Steckverbinder an vorderster Front, die Produkte nähern sich den speziellen Anforderungen an. Phoenix Contact setzt dabei zudem auf schnelle Konfektionierbarkeit – Data, Signal und Power lassen sich mit einem Steckverbinder übertragen. Als Adern der Digitalisierung und Datenautobahnen sind Kabel stärker im Fokus denn je. Metrofunk sieht dies in der 1 bestätigt. TKD hat sich mit seiner Kinematics-3D-Serie voll und ganz auf die Robotik eingelassen. »Roboter brauchen hochspezielle Kabellösungen«, sagt dazu Produktmanager Sven Seibert. Ganz neu auf dem Tableau sind Leitungen für Gleichstromanwendungen. Lapp will hier als Marktführer Vorreiter sein, sagt Guido Ege, Leiter Produktmanagement. Die Herausforderungen sind groß.

Effektiver Ansatz

Werkstoffe waren früher mal ein heißes Thema, sie sind in der Häufigkeit der Beiträge aber zurückgetreten. Bei Schaeffler tritt die Bedeutung von Werkstoffen oder Veredelungsmethoden aber mit X-Life eindrucksvoll zutage. Wälzlager dieser Kategorie bieten eine sehr hohe Performance und sind viel langlebiger. Ziehl-Abegg arbeitet schon lange mit bionischen Werkstoffen. Neue nachhaltige Varianten zeigen dabei eklatante Fähigkeiten: »Die Lebensdauer steigt, die CO2-Bilanz ist wesentlich besser«, erklärt Vorstandsvorsitzender Peter Fenkl. 2017 ist in der :K das Jahr des Edelstahls! Der Werkstoff wird immer unverzichtbarer und setzt seinen Siegeszug in immer mehr Bereichen fort, auch wegen der hohen Anforderungen und überragenden Eigenschaften. Voll »en vogue« ist der Werkstoff als Kabelverschraubung von Hummel in Kombination mit einem speziellen Dichtkonzept.

Wichtige Produkte

Normteile stehen beim Deutschen Normteile Award im Blitzlicht. Die :K haben immer wieder die Wichtigkeit dieser Produktgruppe betont. Ausdruck findet das auch in der Beharrlichkeit, mit der Normteile immer wieder auftauchen. In der 3/17 berichten wir darüber, wie das große Lagersortiment von Norelem die Konstruktion verkürzt und den Anwender schneller produzieren lässt. Ganter hat sich des »Hygienic Designs« angenommen und ein ganzes Sortiment dazu auf die Beine gestellt. »Unsere angepassten HD-Stellfüße sind einzigartig unter den Normteilen«, sagt Produktmanager Uwe Klotz.

Obwohl sich Federn der Digitalisierung widersetzen, sind sie in der :K häufig vertreten. Aber diese kleinen Bauteile haben wichtige Funktionen in Komponenten und Maschinen, und sind darum lebendig in der Wahrnehmung. Hersteller Gutekunst zeigt sich in der 3 als Partner für jedwede Anwendung und gibt in der 6 einen hilfreichen Überblick.

Einen seltenen Höhepunkt in der Fluidtechnik bildet der Titel von AHP Merkle in Ausgabe 7. Das Unternehmen stellt hier gleich vier Neuheiten vor, wie immer etwas anders in der Aufmachung, mit massiver Informationsflut, garniert mit Statements der jeweiligen Entwickler. Dabei wird deutlich: Auch die Hydraulik wird digitaler.

Wie immer ist CAD CAM in jeder Ausgabe vertreten. Die Simulation landet hier auch 2017 auf dem vorderen Rang – ohne sie ist Digitalisierung kaum durchführbar. In der 7/17 schildert Peter Straetemans von Technia Transcat, wie Simulation die additive Fertigung näher an die Realität heranbringt. »Der Einsatz wird gezielt und effizient gefördert.« 3D-Druck nimmt bei CAD CAM sowieso einen großen Raum ein. Auch Komponentenlieferanten wie Igus profitieren davon und statten etwa den Bildungsdrucker von Fabmaker mit Gleitlagern und Energieketten aus. Igus ist zudem schon lange mit seinen Filamenten im 3D-Druck aktiv. Wie sich durch 3D-Druck defekte Teile schneller und günstiger ersetzen lassen, zeigt der AB von Stratasys in Ulm.

Trotz anderer Deklarierung im Themenplan firmieren Komponenten speziell für mobile Arbeitsmaschinen in Ausgabe 6 immer noch unter Mobile Power. Das Format lebt. Höhepunkt ist ein spannender Anwenderbericht von STW-Produkten in Feuerwehrfahrzeugen von Magirus. Darüber hinaus wirft die Agritechnica ihre Schatten voraus und Landtechnik ist in den meisten Beiträgen vorherrschend.

Erschienen in Ausgabe: 08/2017