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Das Jahr mit der :K

Man braucht nicht lange zu kramen, um das bestimmende Thema des Jahres zu finden: Digitalisierung zieht sich in vielen Facetten durch die Ausgaben 2018. Aber auch nebenher ist viel Spannendes zu entdecken.

13. November 2018
Das Jahr mit der :K
(Bild: K-Magazin)

von Michael Kleine

Der gesamte 2018er-Jahrgang der :K ist voll von Digitalisierung. Aber sie muss sich auch in konkreten Lösungen niederschlagen. Das hat Yaskawa beherzigt und auf der Hannover Messe sein Cockpit vorgestellt – ein sehr mächtiges, aber gleichzeitig intuitives Kontrollsystem für die Fertigung. »Wir sind klassisch stark darin, innovative Funktionen in unsere Produkte zu implementieren«, sagt Produktmanager Daniel Mendt.

Und Digitalisierung greift jetzt auch nach Greifern als einstmals simplen Maschinenelementen – wie die von Schunk. Und sie macht auch vor einer Messe wie der Motek nicht Halt. Es gibt dort viele Ansätze in diese Richtung, sogar die Druckluft steht kurz vor einer digitalen Revolution, da ist sich Werner Landhäußer von der Mader-Tochter Looxr sicher.

Gelebt im Alltag

Wenn es irgendwo richtig viel Digitalisierung zu sehen gibt, dann im Schwarzwald bei Dunkermotoren. Deren Antriebstechnik zielt voll darauf ab, was sich in einer neuen, firmenübergreifenden Plattform widerspiegelt. »Wir betreiben Integration auf allen Ebenen und das sehr konsequent«, sagt Marketingleiter Tobias Pfendler.

Und es gilt: »Software ist king«, wenn es um Digitalisierung geht, daran zweifelt wohl niemand mehr, wenn er den Beitrag in der Ausgabe 7 gelesen hat, der von Neuheiten auf der Fakuma erzählt.

Digitalisierung boomt, aber es gibt auch nachdenkliche Stimmen. In einer Sammlung von Statements offenbaren wichtige Vertreter der Branche, wo es hapert und welcher Handlungsbedarf besteht.

Außer konkreten Produkten gibt es auch eine Reihe von Initiativen. Eine davon ist das Netzwerk »Smart Engineering and Production 4.0« der Branchenriesen Rittal, Eplan und Phoenix Contact zur Digitalisierung im Schaltschrankbau. Ein »Freund« der Digitalisierung ist die Kommunikation, das wird in den Lösungen von HMS deutlich.

Der 3D-Druck nimmt Fahrt auf in der :K, Additive Manufacturing als Name unseres neuen 3D-Druck-Newsletters ist jetzt eine eigene Rubrik in der :K. Eine große Menge an Beiträgen im Posteingang untermauert diese Entscheidung. In einem Biergarteninterview mit gemütlich wirkendem Beweisfoto berichtet Wolfgang Kochan von Stratasys über Trends in der additiven Fertigung. Der Konstrukteur müsse halt von Anfang an additiv denken. 3D-Druck auf die edle Art sind hochwertige Titanstrukturen auf EOS-Maschinen für das Interieur einer Sonderedition des DS3.

Vielfalt der Themen

Antriebstechnik wird nie out werden in der :K. Und es gibt immer wieder überzeugende Anwendungen in großem Stil, wie der Titel der Ausgabe 5 eindrucksvoll vermittelt. Da sorgen Motoren von SEW für eine geordnete Abfüllung von Millionen Dosen Energiedrinks.

Im Bereich Sicherheitstechnik blüht das immer wichtiger werdende Pflänzchen der Security auf. In der ersten und letzten Ausgabe des Jahres ist jeweils Kaspersky mit an Bord. Die Experten überlegen zum Beispiel, wie es wäre, auf dem Mars eine völlig neue und sichere IT-Infrastruktur aufzubauen.

Auch die klassische Sicherheitstechnik floriert immer noch. Ein wichtiger Ansatzpunkt sind dabei die Steuerungen, wie sie Wieland mit der Samos pro Compact plus anbietet, die etliche Applikationsmodule bereits integriert hat. Eine Zuhaltung von Schmersal sorgt in großen Maschinen zur Verarbeitung von Titanlegierungen dafür, dass die Bediener nicht auch mit verarbeitet werden.

Die absoluten Abräumer in der Industrieelektronik sind seit Jahren die Steckverbinder. Dabei ist es erstaunlich, wie viele Unternehmen diese Bauteile anbieten. Sogar Sensorspezialist Turck hat ein riesiges Programm. Sie sind besonders gefordert in Windanlagen. Harting baut darum speziell angepasste Varianten inklusive Schleifringkupplung. In der Industrieelektronik schaute die Welt im Frühjahr staunend nach Herborn, denn Rittal hat nach jahrelanger Entwicklungszeit den neuen Superschaltschrank VX25 vorgestellt und in Hannover präsentiert. Wir berichteten zielgerichtet aus Sicht der Konstrukteure.

Kabel sind als Thema immer noch vorhanden, aber in der Häufigkeit etwas defensiver. Nichtsdestotrotz sind zum Beispiel Hybridleitungen von Helukabel hochaktuell und spannend in ihren Möglichkeiten.

Anbieter TKD Kabel aus Nettetal schafft sich ein Alleinstellungsmerkmal durch die geschickte Auswahl der Werkstoffe und ein riesiges Arsenal für die optimale Mantelmischung. »Es ist erstaunlich, was man mit der äußeren Hülle eines Kabels alles machen kann«, kommentiert Sven Seibert, Leiter Produktmanagement bei TKD.

Eine tolle Geschichte dank Edelgemüse ist die eines Comp-Mall-Box-PC in einer Spargelsortieranlage. Sie sorgte vor allem dank des appetitanregenden Aufmacherbildes für Aufsehen.

Messtechnik dringt stärker in die Berichterstattung der :K, kein Wunder bei der Vielfalt der Anwendungen. Für Werkstoffe beispielsweise bietet Zwick Roell aus Ulm eine universelle Härteprüfmaschine. Messtechnik kommt auch in der Robotik zum Tragen. Darum setzt Weidmüller bei der Vermessung ihrer Elektroden auf eine robotergestützte Lösung von GOM.

Sensorik muss sein in der :K, aber es gab Jahre mit mehr Action auf diesem Gebiet. Sensortechnik ist vor allem zur Sensor + Test immer dick vertreten, wobei die Messtechnik große Anteile an der Berichterstattung hat. Im Spezial in der Ausgabe 5 findet sich darum ein bunter Mix an Themen wie Druckmesstechnik, Wegmessung oder Drehgeber – Letzteres aufgearbeitet in einem schönen Beispiel von TWK, denn die sind in einer Gondelbahn vertreten.

Predicitive Maintenance ist überall und jetzt sogar schon in Kugelgewindetrieben möglich, die eigentlich ziemlich analog sind. Aber Steinmeyer hat ein System geschaffen, das die Lebensdauer dieser Bauteile recht genau abschätzen kann.

Immer wieder gerne

Was wäre eine Fachzeitschrift ohne ihre Klassiker? Bei der Sichtung der Inhalte sind vier Themen aufgefallen: Lineartechnik offenbart immer wieder neue Aspekte, ist nicht »totzukriegen«. Ein Beispiel sind die Kugelgewindetriebe von Rodriguez, die jede Bewegung mitmachen oder Aktuatoren von Thomson mit nie da gewesenen Hublängen und Lebensdauern.

Auch Wälzlager sind ein stabiles Thema über die Jahre. Die Aktualität verdeutlicht sich in einer tollen maritimen Anwendung mit SKF, in der aus Meeresströmung Energie gewonnen wird. Offensichtlich geht der Bedarf 2018 in Richtung Dünnringlager, auf jeden Fall mischt Findling neben anderen Herstellern in diesem lukrativen Bereich mit. Der Anbieter verspricht hohe Qualität – egal ob beim Standard oder der Premiumausführung.

Der dritte Evergreen sind die Normteile, die enorm wichtig sind für den Maschinenbau. Norelem ist hier äußerst aktiv, mit einem Showmobil auch in Richtung Schulungen. In Ausgabe 7 gibt es mit einem Mehrgelenkscharnier von Ganter eine etwas kompliziertere Ausführung.

Seit Jahren nicht wegzudenken ist das Thema IO-Link. Redakteur Kleine war Teilnehmer der offiziellen Eröffnungspressekonferenz vor mehr als zehn Jahren, bis heute hat sich der Kommunikationsstandard rasant verbreitet und ist Grundlage mehrerer Beiträge mit Anbietern wie Pepperl + Fuchs, Balluff oder Baumer.

Auf der anderen Seite gibt es die seltenen Juwelen. Ein Beispiel sind Nachhaltigkeit und Wiederverwertung. Unter dem schönen Titel »Blaues Gewissen« stellten wir in der Hannover-Ausgabe die Initiative Pöppelmann blue für Kunststoffteile vor. »Damit nehmen wir die Herausforderung für intensives Recycling an«, sagt Verkaufsleiter Thorsten Koldehoff. Ein anderes ist die Mobilfunkverbindung im Maschinen- und Anlagenbau. Aber nachdem immer mehr Einheiten von Apps gesteuert werden, landet es in den Köpfen der Konstrukteure. Hier bietet vor allem der neue Standard 5G Anlass für Diskussionen, wie die Statement-Sammlung in Ausgabe 4 zeigt.

Automatisierungstechnik hat sich zur wichtigsten Anwendungsplattform für die Berichterstattung der :K gemausert. Wo sollte das sichtbarer werden als auf der Automatica, die deutlich erstarkt ist und 2018 laut Augenzeugen besonders viele technische Highlights geboten hat? Beim flexiblen Transportsystem Acopos Trak mit Hochgeschwindigkeitsweiche nimmt der »Wahnsinn seinen Lauf«, es ist laut Hersteller B&R schon kurz nach Markteinführung ein Erfolgsmodell. In Ausgabe 3 wird die Präsentation konkretisiert.

Eng damit ist die Individualisierung und die Fertigung in Losgröße 1. Sie ist überall auf dem Vormarsch, von der Stange gibt es fast gar nichts mehr. Wie gut, wenn man wie SPN Standardteile einfach bearbeiten und anpassen kann. Dann bekommt der Kunde ganz schnell seine optimale Lösung.

Geballter Auftritt

In der zweiten Jahreshälfte ploppten erstaunlicherweise auf einmal Profile als beliebtes Thema in Beiträgen auf. Minitec hat zusammen mit dem Fraunhofer-Institut AGP einen höchst ergonomischen Arbeitstisch entwickelt, der auf deren Profilen basiert. Item lieferte die Profile für ein spezielles Wohnzimmer für Rotalgen und Rose + Krieger als einer der größten Anbieter baut aus seinen Aluprofilen die Basis für eine Stranggussanlage.

CAD-CAM-Anwendung = Fahrrad. Diese Formel trifft 2018 ganz sicher zu, scheinbar lässt sich in diesem Bereich Software sehr dankbar und erfolgreich einsetzen. Und Chefredakteur Hajo Stotz als Mountainbiker hat sicher auch seinen Anteil daran… In Ausgabe 5 stehen gleich zwei verwandte Beiträge hintereinander – herrührend von den Boomthemen Simulation und 3D-Druck.

Wie jedes Jahr bei der Bestandsaufnahme gibt es auch Verlierer: Die Verbindungstechnik schleppt sich so durch. Massiert tritt sie mit gleich drei Beiträgen in der Ausgabe 4 auf, in denen Optimas und Atlas Copco Konstrukteuren von Elektrofahrzeugen unter die Arme greifen und Deprag ihr neues Eindrücksystem vorstellt. Auch Mobile Power lässt weiter nach. Ein seltenes Exemplar eines solchen Beitrags ist der der Aktuatoren von Thomson in einer Hightech-Erntemaschine. Aus Sicht von Conec-Steckverbindern gibt es in Ausgabe 7 eine Annäherung an die mobilen Arbeitsmaschinen und damit an den ehemaligen Dauerbrenner.

Kluge Köpfe an Bord

Rückgrat der :K sind die wiederkehrenden Formate, ganz zuvorderst die großen Interviews. Hier kamen auch 2018 wieder bedeutende Köpfe zu Wort: Dr. Peter Reichelt penetriert mit seinen Produkten den Markt und hat Erfolg damit. Martin Johannsmann, Deutschlandchef von SKF, unterstreicht die Bedeutung von Lagertechnik und gibt Ausblick auf die Trends, die die Branche demnächst bewegen werden. Und Frank Blase ist ein gern gesehener Gast in der :K. Er gibt tiefe Einblicke in die Strategie und Ausrichtung seines Unternehmens Igus und streift dabei immer wieder interessante Aspekte wie Lieferfähigkeit oder die Gründe, warum es manchmal nicht so schnell vorwärtsgeht wie gewünscht. Ein schönes Doppelinterview haben wir von der Hanser Konstruktion geerbt: Die starken Männer von Eichenberger, Hansruedi Hager und Kurt Husistein, schildern darin sehr offen, wie das Unternehmen dazu geworden ist, was es heute darstellt, und wie es sich entwickeln soll. Husistein ist sich sicher: »Eichenberger wird als führender Spindelhersteller auch weiterhin sehr gute Chancen am Markt haben.«

Höhepunkt im Heft

Die Doppelseite des Produkts im Detail ist immer wieder ein Hingucker. Gleich zweimal stellte sich MS-Graessner so da, mit zwei sehr eindrucksvollen Getrieben in 2018 gleich zweimal vertreten, einem Hypoid-Kegelgetriebe und einer sehr leistungsfähigen Miniaturausführung. Ein weiteres schönes Beispiel für das Produkt im Detail ist der Servoregler b maXX 3300, nicht nur weil er klein, aber präzise und stark ist, sondern auch weil es schön ist, wieder mit dem Hersteller Baumüller zusammenzuarbeiten.

Es ist immer noch spannend für den Leser, im Rahmen unserer Porträts hinter die Kulissen von Unternehmen zu blicken. Ein besonderes Merkmal bei Antriebsspezialist Uhing ist die Konzentration auf Marktnischen seit der Firmengründung. Und Fraba Posital ist anders. Das merkt man nicht nur an den blütenweißen Geschäftsräumen mitten in der Kölner Innenstadt. Auch die Produkte sowie die Art der Zusammenarbeit unterscheiden sich vom Mainstream. Nach einer Reise in die italienische Zentrale von Rollon entstand zusammen mit Mathis Bayerdörfer von Robotik + Produktion ein vierseitiger Bericht über die Pläne des Unternehmens, das aktuell von Timken übernommen wurde.

In der aktuellen Ausgabe beleuchten wir den 3D-Druck aus Sicht der Sensoren von Micro-Epsilon, sprechen mit Entwicklungsleiter Guido Ege von Lapp über die Zukunft von Kabeln oder nehmen im Produkt im Detail eine nagelneue Kamera von Sensopart unter die Lupe. Das soll auch den Auftakt zur Belebung des Themas Bildverarbeitung in der :K bilden.

Erschienen in Ausgabe: 08/2018