»Das Know-how steckt im Profil«

Maschinenelemente

BAhr Modultechnik – Seit 25 Jahren entwickelt und fertigt Bahr Modultechnik modular aufgebaute Positioniersysteme für Kunden aus unterschiedlichen Branchen. Gründer und Geschäftsführer Frank Bahr sowie Konstruktionsleiter Dirk Bahr verraten das Erfolgsrezept des mittelständischen Unternehmens.

17. September 2015

Wenn Sie auf die Anfänge zurückblicken, was war ausschlaggebend für den Erfolg Ihres Unternehmens?

Frank Bahr: Prinzipiell hatten wir zur richtigen Zeit die richtige Idee und auch das entsprechende Know-how – und die Bereitschaft, sehr viel Arbeit zu investieren. Als ich Anfang der 90er-Jahre das Unternehmen gründete, geschah dies in einer Zeit, in der Steuerungselektronik bei steigender Leistungsfähigkeit immer preisgünstiger wurde und sich damit viele neue Anwendungsmöglichkeiten ergaben – auch hinsichtlich unserer Positionierachsen. Allerdings steckt unser zentrales Know-how in patentierten Aluprofilen, in der Metallbearbeitung und Fertigung, weniger in der Elektronik, die wir zukaufen. Zugleich wuchs mit der Entwicklung die Nachfrage nach hochgenauen Positioniersystemen.

Dirk Bahr: Der Erfolg unseres Konzepts hat sich bereits bei unserer ersten Messepräsenz auf der HMI 1991 abgezeichnet. Unsere Produktpalette hat gleich Handelsvertretungen aus Singapur und Italien angesprochen. Damit war der Durchbruch geschafft. Heute macht der Export 50 Prozent unseres Umsatzes aus.

Wie hat sich Ihr Unternehmen nach diesem Durchbruch weiterentwickelt?

Frank Bahr: Nach dem Erfolg auf der HMI konnten wir unsere Kapazitäten an unserem damaligen Firmensitz regelmäßig erweitern, bis wir aus Platzgründen an unseren heutigen Standort in Luhden umgezogen sind und dort unsere Lagerkapazitäten beträchtlich vergrößert haben. Ein Ausbau unserer Fertigung und Bürogebäude folgte, eine Zerspanungsabteilung kam hinzu, und zuletzt haben wir vor zwei Jahren unser Bürogebäude aufgestockt. In diesem Zeitraum ist unser Unternehmen von anfänglich drei Mitarbeitern – mir, meinem Bruder und meiner Frau Karola – auf heute 65 Mitarbeiter gewachsen.

Aber Sie waren nicht die einzigen Anbieter. Was zeichnet Ihre Produkte besonders aus?

Frank Bahr: Wir haben unsere Achsen und Systeme von Beginn an modular konzipiert und damit nicht nur sichergestellt, dass sie weitreichende Anpassungs- und Konfigurationsmöglichkeiten für unterschiedlichste Einsatzzwecke bieten, sondern auch darauf geachtet, nur standardisierte Komponenten zu verwenden, die weltweit verfügbar sind. Unsere Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass sich unsere Positioniereinheiten in alle Fertigungsstraßen integrieren lassen und ihre Wirtschaftlichkeit sowohl beim flächendeckenden Einsatz als auch für Kleinserien und in speziellen Anwendungen unter Beweis stellen. Dabei legen wir größten Wert auf die individuelle Beratung, um gemeinsam mit dem Kunden die jeweils ideale Lösung zu finden. Aus diesen Gründen haben wir sehr viele Kunden aus dem Sondermaschinenbau gewonnen. Umgekehrt entwickelt sich unser Unternehmen mit jedem neuen Kunden und jeder kundenspezifischen Auslegung unserer Produkte weiter.

Wodurch ist das modulare Konzept ihrer Produkte gekennzeichnet?

Frank Bahr: Unserem Geschäftsmodell liegt das Konzept zugrunde, aus einem großen Spektrum unterschiedlicher Profile und jederzeit verfügbarer Standardkomponenten Positioniersysteme für fast alle denkbaren Anforderungen aufzubauen – von einfachen Zuführachsen bis zum fünfachsigen Roboter. Die Achsen statten wir je nach Kundenanforderungen mit gängigen Antriebsarten oder auch mit kundenspezifizierten Antriebskonzepten aus. Da wir unsere Positioniertechnik als Baugruppen für den Maschinenbau liefern, sind absolut berechenbare Standards erforderlich. Die Aluminiumprofile unserer Positionierachsen verfügen über T-Nuten als genormte Anschlussprofile für einen einfachen Aufbau mehrachsiger Positioniereinheiten. Da praktisch alles mit allem kombinierbar ist, können wir für fast jeden Kunden in kurzer Zeit die passende Lösung konfigurieren.

Dirk Bahr: Wo immer es möglich ist, setzen wir auf deutsche Qualitätsprodukte. Außerdem gilt bei uns die Devise, dass wir dem Kunden genau das liefern, was er braucht, solange die Lösung dadurch nicht verschleißanfällig und wartungsintensiv wird oder von den Industriestandards abweicht. Durch diese Devise sind wir gemeinsam mit den Anforderungen unserer Kunden gewachsen – in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht: Zum einen haben wir unsere Fertigung immer weiter vertieft und zum anderen spezielle Fertigungsverfahren entwickelt.

Was sind das für spezielle Fertigungstechniken?

Frank Bahr: Beispielsweise haben wir für den Einsatz unserer Achsen in der Lebensmittelindustrie und Medizintechnik ein patentiertes Verfahren entwickelt, um die Profile mit einer Edelstahlverkleidung zu ummanteln. In dieser Hinsicht sind wir derzeit marktweit die einzigen Anbieter. Außerdem montieren wir auf Basis unserer 200 verschiedenen, patentierten Alu-Profile, die wir bedarfsgerecht zuschneiden können, Positionierachsen in fast beliebiger Länge nach dem Bedarf der Kunden. Wir können Positionierachsen bis zu 60 Meter Länge konfigurieren, womit wir weltweit ebenfalls die Einzigen sind. Für uns gilt: Alles ist machbar, solange es mit unserem System zusammenpasst, sich standardisieren lässt und nicht zu kostenaufwendig oder wartungsintensiv ist.

Dirk Bahr: Die genormten Anschlussprofile gewährleisten zudem auch den schnellen und unkomplizierten Aufbau von Portalachsen in jeder Abmessung. Das reicht weit über übliche Standardanwendungen heraus, wie z.B. unsere Positioniersysteme für die Waferstrukturierung oder unser Cine Slider zeigen: ein Kamera-Verfahrsystem für die Film- und Fotoproduktion, das wir mit unserer Zahnriemenachse LLZ 60 realisiert haben.

Sie blicken auf eine 25-jährige Erfolgsgeschichte zurück, aber die Märkte ändern sich. Mit welcher Strategie wollen Sie sich zukünftig auf dem stärker umkämpften Markt behaupten?

Frank Bahr: Wie schon erwähnt: Viele der Hersteller vertreiben vorkonfektionierte Systeme in abgestuften Abmessungen. Der Kunde erhält damit oft nicht genau das, was er braucht, und oft mehr, als für seine Anwendung notwendig ist. Als Hersteller erreichen Sie Ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Produktqualität, die Lieferzeiten, den Preis und über den Service, bzw. dadurch, wie präzise Sie Ihre Produkte und den Service an den Bedarf Ihrer Kunden anpassen können. Statt eines Katalogangebots setzen wir konsequent auf intensive individuelle Beratung und nehmen unseren Kunden darüber hinaus große Teile des Projektierungs- und Konstruktionsaufwands ab. Dabei sehen wir uns nicht als reinen Produktlieferanten, sondern eher als ein Dienstleister, der seinen Kunden auf Ingenieurebene zur maßgeschneiderten Positionierlösung verhilft. Damit treffen wir einen Bedarf, der nach wie vor wächst – und ich denke, auf dieser Grundlage stehen Bahr Moduktechnik noch viele gute Jahre bevor.bt

Auf einen Blick

Die Bahr Modultechnik GmbH mit Sitz im nieder-sächsischen Luhden entwickelt, produziert und vertreibt modulare Positioniersysteme aus selbsttragenden, verschleißfreien Aluminiumprofilen. Das Baukastensystem mit unterschiedlichsten Führungs- und Antriebskonzepten umfasst Module mit Zahnriemen, Kugelrollen- und Trapezgewindespindeln, Zahnstangen- und Linearmotoren, die je nach geforderter Dynamik, Verfahrwegen, Positioniergeschwindigkeit und Genauigkeit aufeinander abgestimmt werden. Neben Standardlösungen liefert das Unternehmen auch kundenspezifische Sonderanfertigungen.

Motek: Halle 4, Stand 4232

Erschienen in Ausgabe: 07/2015