"Das Ohr an der Branche"

Branchentreff

MT-Connect/Medtech summit – Mit den Erfahrungswerten der Premiere gehen die Medizintechnikmesse MT-Connect und der MedTech Summit in Nürnberg in die zweite Runde. Die Verantwortlichen Alexander Stein und Dr. Matthias Schier erzählen über Erwartungen, Pläne, Inhalte.

14. März 2018

Herr Stein, Dr. Schier, wie ist die MT-Connect im letzten Jahr gestartet?

Stein: Wir konnten auf der Premiere beachtliche 189 Aussteller und knapp 1.900 Besucher begrüßen, dementsprechend sind unsere Erwartungen erfüllt worden. Es geht zwar immer besser, aber für uns war es wichtig, ein Gefühl für die Branche zu bekommen. Wenn man ein paar Jahre auf die Messe hinarbeitet, ist die Spannung groß, wohin sie sich entwickelt. Wir haben versucht, ein sehr breites Feld abzudecken und die Herstellungsprozesse in der Medizintechnik darzustellen, und waren gespannt, was konkret passiert.

Wir sehen uns mehr als Plattform und wollen den führenden Event für die Branche veranstalten. Es ist für die MT-Connect ein Highlight, dass uns viele kompetente Branchenvertreter unterstützen. Wir haben zur Messe einen Expertenbeirat ins Leben gerufen und konnten tragende Größen wie Verbände zur Mitarbeit gewinnen. Ziel ist, das Ohr an der Branche zu haben und die Veranstaltung nach ihr auszurichten.

Und was konnten Sie daraus lernen?

Stein: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und einiges angepasst. Das begann beim Termin für die Messe. Anfangs war er parallel zur Hannover Messe anberaumt, aber viele potenzielle Teilnehmer hatten damit Probleme. Darum wurde sie auf den jetzigen Termin vom 11. bis 12. April vorgezogen – was natürlich mit Aufregung und viel Organisation verbunden war. Aber als junges Pflänzlein müssen wir auf die Aussteller hören, und wir müssen noch mehr den Schwerpunkt darauf legen, die richtigen Aussteller und richtigen Besucher auf die Messe zu locken.

Wie verhielt es sich mit den Inhalten, die Sie vermittelt haben?

Schier: Wir hatten den Eindruck, dass unser inhaltlicher Ansatz grundsätzlich sehr gut ankommt. In der Medizintechnikbranche stehen die Unternehmen großen Herausforderungen gegenüber, wie verschärfte Zulassungsvoraussetzungen, Kostenerstattung oder Digitalisierung. Das kann der typische Mittelständler oder Medizinzulieferer gar nicht mehr überblicken.

Deswegen wollen wir eine Gesamtplattform bieten, auf der sich die verschiedenen Akteursgruppen miteinander vernetzen können, wo sie ihre spezifische Expertise zeigen können, und wahrnehmen, dass sie keine Einzelkämpfer sind. Dieses Bewusstsein muss noch mehr in die Köpfe der Marktteilnehmer kommen.

Welche Höhepunkte kennzeichnen die diesjährigen Veranstaltungen?

Stein: Wir sind vor allem angespornt, die Qualität weiter zu steigern. Wir wollen die richtigen Personen zusammenbekommen und den Austausch intensivieren. Denn das Besondere und Highlight ist das Zusammenspiel von klassischer Messe mit Sonderbereichen, Kongress und Partnering zu einer eng zugeschnittenen Plattform für die Branche. Die Messe dient klassischerweise zur Präsentation von Produkten, Unternehmen und Lösungen. Der Kongress ist eine wichtige Stütze und die Teilnehmer haben ausreichend Zeit, um die Messe zu besuchen.

Schier: Das Partnering, das im MedTech Summit Ticket enthalten ist, lief schon 2017 sehr erfolgreich und ist im Prinzip eine Art Matchmaking oder Speeddating. Die Teilnehmer können sich schon im Vorfeld der Veranstaltung mit anderen verabreden. 2017 hatten wir fast 500 Gespräche mit 1.000 wirklichen Personen. Das ist eines der großen Highlights des MedTech Summit und der MT-Connect.

Stein: Wir wollen zukünftig vor allem schauen, wohin die Trends gehen. Wie wird die Zukunft aussehen? Das diskutieren wir sehr kontrovers im Messeforum als Plattform in der Halle, das diskutieren wir im Kongress und das zeigen wir auch über junge Unternehmen. Hierzu bieten wir wir Start-ups, wissenschaftlichen Gruppen, Dienstleistern und Beratern eine Plattform. Wir werden unseren Innovation Marketplace ausweiten.

Schier: Beim Kongress laufen diesmal zwei Sessions jeweils parallel. Auf der einen Seite finden sich eher Technologiethemen und medizinische Anwendungen. Digitalisierung wird dabei wieder einer der großen Schwerpunkte sein. Parallel dazu werden Themen des Innovationsprozesses diskutiert wie etwa Zulassung oder Kostenerstattung. Ein neues Highlight sind frugale Innovationen. Durch starke Reduktion der technischen Komplexität oder der Produktionskosten können neue Produkte oder Verfahren viel mehr Menschen zugutekommen. Hier sehen wir die Medizinwelt als guten Nährboden und uns als Vorreiter.

Warum sollten auch Konstrukteure zu Ihnen kommen?

Stein: Innerhalb der Aussteller befinden sich viele Unternehmen, die den gesamten Prozess bis zum fertigen Produkt gut abbilden können. Auch unsere Beiträge zum Thema Forschung werden die Konstrukteure mit Sicherheit interessieren.

Schier: Im Forum MedTech Pharma mit fast 600 Mitgliedern kommen immer mehr Unternehmen dazu, die selbst keine Medizintechnikhersteller sind, sondern Technologiepartner, Zulieferer, Auftragsentwickler oder Produzenten. Kein Unternehmen kann alle seine Geräte oder Produkte komplett alleine auf die Beine stellen. Da ist die Zusammenarbeit mit Konstrukteuren, Herstellern von Fertigungstechnologien oder Auftragsproduzenten ein wichtiger Baustein für seinen Erfolg.

Welchen Stellenwert hat die Sensorik?

Schier: Die Sensorik ist aktuell in der Medizintechnik ein Riesenthema, da tut sich ja sehr viel. Immer stärker geht dieser Trend in ernsthafte medizinische Anwendungen über. Gerade wenn ich den Transfer von dem Consumerbereich in den wirklichen medizinischen Bereich vollziehe, benötige ich die bestmögliche Sensorqualität, um kritische Situationen frühzeitig zu erkennen.

Inwieweit ist Rapid und Additive Manufacturing anzutreffen?

Schier: In der Zwischenzeit ist 3D-Druck zum gängigen Modell geworden, Chargen von 500 Stück oder auch Werkzeuge per 3D-Druck sind fast alltäglich. Die Prototypenerstellung rückt aber in den Hintergrund. Ein sehr wichtiges Thema sind Implantate. Diese werden zunehmend additiv hergestellt, sodass sie sich für einen Menschen individuell anfertigen lassen. Ähnlich gelagert ist es in Richtung chirurgische Hilfsmittel oder Werkzeuge. Spannend ist auch die Kombination aus 3D-Druck und Digitalisierung, von der diagnostischen medizinischen Bildgebung lassen sich die Daten in den Konstruktionsplan für den 3D-Druck überführen und anpassen. Wir legen Wert darauf, dass entsprechende Anbieter auch auf der MT-Connect vertreten sind.

Wo sehen Sie die Trends??

Stein: Was uns weiter umtreiben wird, ist die Medical Device Regulation (MDR); die Umsetzung rückt näher. So wie sich die MT-Connect aufgestellt hat, wird es weitergehen. 2019 ganz sicher zu finden sein werden Themen wie vor allem Digitalisierung, aber auch Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sowie IT-Sicherheit. Es gibt einen extremen Umbruch im Markt, wie man mit Prozessen umgeht und sich aufeinander abstimmt. Der Datenfluss muss sicher und qualitativ hochwertig ablaufen, auch über das Krankenhaus hinaus. Die Medizintechnik muss das auch in Produkten darstellen.

Schier: Als Folge der Digitalisierung sehe ich eine Dezentralisierung der Gesundheitsversorgung. Das Smartphone nimmt dabei zunehmend eine Schlüsselrolle ein. Darum brauchen wir die Peripherie mit Sensorik, Netzwerken und IoT. Auch Telemedizin entwickelt sich gerade sehr vielversprechend.

Die Medizintechnik ist auf der einen Seite sehr herausfordernd, aber gleichzeitig eine äußerst interessante Branche mit tollem Zukunftspotenzial und spannenden Entwicklungen. Wir wollen der gesamten Community umfassende Unterstützung anbieten. Genau daraufhin haben wir unser gesamtes Paket ausgerichtet.

Auf einen Blick

MT-Connect und MedTech Summit finden vom 11. bis 12. April 2018 im Messezentrum Nürnberg statt. Das Forum MedTech Pharma ist der ideelle Träger für Kongress, Partnering und Messe und bringt Know-how, Netzwerk, Hintergrund und Kompetenz ein. Formaler Veranstalter für den Kongress ist das Bayrische Wirtschaftsministerium. Derjenige, der ihn organisiert, konzipiert und durchführt, ist die Bayern Innovativ, das ausfüh-rende Organ die Nürnberg Messe.

Erschienen in Ausgabe: 02/2018