"Das Produkt muss sich beweisen"

Maschinenelemente

Spindelhubgetriebe – Designpreise hängen manche Unternehmen hoch auf. Neff hat mit dem Spindelhubgetriebe Tubix den iF-Award gewonnen, konzentriert sich aber auf die Fähigkeiten des Produkts, wie Konstrukteur Stephan Steck und Geschäftsführer Hartmut Wandel betonen.

10. April 2018

Herr Wandel, Herr Steck, Ihr neues Spindelhubgetriebe Tubix hat den iF-Design-Award gewonnen. Gratulation. Warum haben Sie es entwickelt?

Steck: Eine Motivation lag darin, den Guss für das Getriebegehäuse einzusparen. Darum verwenden wir beim Tubix Rohre, die wir einfacher bearbeiten können und die platzsparender bauen. Ein weiteres Ziel war, flexibel zu werden in den Anschraubpunkten, um unseren Kunden bei der Adaption entgegenzukommen. Das gilt auch für das verwendete Material: Ein Stahlrohr macht gegenüber Edelstahlrohr keinen so großen Unterschied wie ein Standardgussgehäuse zu einem in Nichtstandardmaterial.

Welche Besonderheiten zeichnet das Produkt aus?

Steck: Ganz wichtig ist die Flexibilität in der Fertigung, also make by order. Wir haben das Rohr als Rohmaterial und je nach Kundenapplikation hinsichtlich Hub oder Ausführung lassen wir den einzelnen Auftrag durch die Fertigung laufen – entsprechend der Stückzahl. Damit können wir schnell auf die Bedürfnisse des Kunden reagieren. Wir können das Rohr in beide Richtungen fast beliebig verlängern und so günstiger werden. In der Leistungsfähigkeit ist das Tubix vergleichbar mit den anderen Neff-Getrieben. Wir verbauen ein Schneckengetriebe in Kombination mit einem Gewindetrieb. Der Vorteil liegt in der Möglichkeit, Applikationen kundenspezifisch zu gestalten – auch dort, wo wir es heute noch gar nicht erkennen können.

Also könnte das Tubix auch als Türöffner fungieren?

Wandel: Wir können zum Beispiel viel kostenattraktiver sein im nicht rostenden Bereich, sei es in der Medizin- und Nahrungsmitteltechnik oder im Outdoorbereich. Hier könnten antriebstechnische Problemstellungen zukünftig mit dem Tubix gelöst werden. Praktisch aus dem Standardbaukasten können elektrische Antriebe eingesetzt werden anstatt aufwendiger Sonderlösungen.

Warum ist das Design so wichtig? Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie und für das Produkt?

Wandel: Am Anfang vom Tubix stand die Idee, ein Schneckengetriebe in ein Rohr zu bringen und daraus Spindelhubgetriebe zu gestalten. Das haben wir nicht getan, weil wir einen Design-Award gewinnen wollten. Natürlich ist die Freude über den IF-Design-Award groß; das Design folgt aber der Funktion. Darum haben wir alles weggelassen, was wir nicht brauchen. Wir nehmen zwei Rohre, bearbeiten sie so, wie es notwendig ist, und fügen sie wieder zusammen, wie es der Funktion dient. Dem ist – durch die zwei gekreuzten Rohre – ein einzigartiges Design entsprungen. Das hat Ästhetik und auch Potenzial. Das Neff-Grün kultivieren wir schon seit Jahren. Es spiegelt unsere Unternehmenskultur wider, das Fröhliche, Frische, Positive. Das zeichnet uns aus.

In erster Linie freut uns der Preis einfach. Es ist eine Auszeichnung für das Team, die Entwickler, das gesamte Unternehmen. Wir freuen uns, wahrgenommen zu werden. Was der Award im Markt für eine Reaktion auslöst, bleibt abzuwarten. Irgendwann flacht die Bedeutung des Preises ab und dann muss sich das Produkt beweisen.

Es gilt der Wettbewerb…

Wandel: Das ist richtig. Darum konzentrieren wir uns produktseitig auf die Herstellung von Gewindespindeln und Kugelgewindespindeln. Das ist unser Kernprodukt, darauf bauen wir und das können wir. Und um für den Kunden größtmögliche Flexibilität herzustellen, ist bei den Spindelhubgetrieben die neue Baureihe der Tubix-Getriebe als Ergänzung hinzugekommen. In der Reihenfolge bieten wir also kubische Ausführungen als Standard, dann die MH-Baureihe mit höherer Performance und Schnellhubgetriebe mit Kegelradverzahnung für hohe Dynamiken und zuletzt den Tubix mit seiner hohen Flexibilität. Generell sehen wir uns als Unternehmen, das technische Lösungen erarbeitet oder in Zusammenarbeit mit dem Kunden Problemfälle löst.

Wir gestalten Features wie Teleskopgewindetriebe oder eine sich selbst ausgleichende Lagerstelle in mehreren Freiheitsgraden. Danach werden die anwendungsbezogenen Lösungen zu Standards weiterentwickelt.

Also auch Systemanbieter?

Wandel: Selbstverständlich liefern wir komplette Hubsysteme. Diese bestehen meist aus mehreren Spindelhubgetrieben, die dann verbunden mit Gelenkwellen synchron zusammenarbeiten. Weiter geht es mit Motoren und Sensoren – komplette Systeme eben.

Welchen Stellenwert haben dabei Werkstoffe?

Wandel: Bei den wesentlichen Produkten setzen wir so weit wie möglich Standardwerkstoffe ein, können aber häufig alternativ auch einen nicht rostenden Werkstoff anbieten. Vor allem bei Trapezgewinden werden für die Trapezgewindemuttern immer wieder Kunststoffe als Werkstoff nachgefragt, sodass Schmierung größtenteils entfallen kann. Das wird gerne gesehen in der Nahrungsmittelindustrie. Hier haben wir auch spielfreie Gleitgewinde aus Kunststoff entwickelt, die sich selbst nachstellen. Hinsichtlich des Rohmaterials ist es zurzeit so, dass die Situation zur Beschaffung von Material zunehmend angespannt ist. Sechs bis neun Monate Lieferzeit ist schon recht lang.

Was kommt als Nächstes?

Wandel: Ideen haben wir noch viele. Aber wir wollen uns zunächst darauf konzentrieren, die vielen neuen Produkte der vergangenen Jahre wie den S-TEG-Synchron-Teleskopgewindetrieb, den Kreuz-Kardan-Adapter KKA oder jetzt das Tubix im Markt zu etablieren. In der Antriebstechnik geht in der heutigen Zeit vieles in Richtung Industrie 4.0 und Digitalisierung. Sowohl bei den Kugelgewindetrieben als auch in Spindelhubgetrieben lässt sich viel über Sensoren erfassen. So ist es möglich, Schwingungen oder Geräusche aufzunehmen und auszuwerten.

Kann sich Neff durch das Tubix besser im Markt behaupten?

Wandel: Ein einzelnes Produkt wird es nicht ausmachen. Wir sehen uns als starke Gesamtorganisation, mit Mitarbeitern, Produktportfolio und Partnern. Die Firma Neff wird wie schon in der Vergangenheit auch in Zukunft nicht nur Produkte verkaufen, sondern als Problemlöser auftreten. Als hohes Gut kann es sich zudem erweisen, dass wir als ein Familienunternehmen sind und unseren Mitarbeitern und Kunden verlässliche Partner sein wollen. Wir sehen uns gut aufgestellt und haben keine Zukunftsängste.

Erschienen in Ausgabe: 03/2018

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