Das sichere Auge

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Kamerasystem - Wie wird eine Kamera zum Publikumsmagneten auf der SPS/IPC/DRIVES? Vielleicht weil SafetyEye Sicherheitsaufgaben ohne große Umstände löst. Horst-Dieter Kraus von Pilz sagt, welche Perspektiven das neue System eröffnet.

11. Februar 2007

Worin liegt der Reiz eine Kamera zu entwickeln, die viele andere Sicherheitslösungen in den Ruhestand schickt?

Horst- Dieter Kraus: Unsere Entwicklungsingenieure und Produktmanager sehen an vorderster Front, wo es etwas zu optimieren gibt. Für Schutzräume eine wie auch immer geartete sichere Kamera zu entwickeln, liegt dann nahe, wenn man sich die Grenzen herkömmlicher Schutzeinrichtungen vor Augen führt. Beispiel Roboterarbeitsstation: Mit optoelektronischen Schutzeinrichtungen beispielsweise lassen sich keine Räume, sondern allenfalls Ebenen überwachen. Fehlt zudem eine freie Sichtverbindung, muss die Arbeitsstation zusätzlich mit Trittmatten abgesichert werden. Damit ist eine lückenlose Überwachung des Aktionsradius eines Roboters entweder gar nicht oder nur mit großem technischen Aufwand machbar.

Beginnt mit SafetyEye für Pilz und für den Markt jetzt ein neues Kapitel der Sicherheitstechnik?

Wir sind sehr angetan von der Resonanz auf der Messe und sind sicher, dass ein neues Zeitalter in der Sicherheitstechnik anbricht. Eine Roboterstation bspw. Kann künftig völlig offen sein. Eine solch ›gefährliche‹ Maschine ohne sichtbare Schutzeinrichtung - das wäre früher unvorstellbar gewesen. Mit SafetyEye wird das möglich.

Am Schutzzaun kann man sich orientieren. Unabsichtliches Betreten des Schutzraums bewirkt Maschinenstillstand?

Natürlich könnte man mit optischen Markierungen beispielsweise auf dem Boden arbeiten, um auf den Gefahrenbereich hinzuweisen. Weiterhin lässt sich aber auch mit der Technologie´von SafetyEye ein Warnraum definieren, so dass eine Schutzraumverletzung nicht automatisch zum Not-Stopp führt. Wird der virtuelle Warnraum an einer Stelle verletzt, sprich z. B. von einem Mitarbeiter betreten, die der Roboter erst nach mehreren Sekunden erreichen würde, sorgt die Steuerungstechnik dafür, dass der Roboter sich mit extrem reduzierter Geschwindigkeit weiter bewegt. Tritt der Mitarbeiter, alarmiert durch ein Warnsignal, wieder zurück, arbeitet der Roboter mit normaler Geschwindigkeit weiter. Erst wenn der Schutzraum betreten wird, muss der Roboter definitiv zum Stillstand kommen. Das ist ein deutlicher Vorteil im Vergleich zu herkömmlichen Schutzeinrichtungen, die im Gefahrfall einen sofortigen Stillstand auslösen.

Seit wann arbeiten Sie an der Entwicklung der sicheren Kamera?

Wir entwickeln das System seit 2002 gemeinsam mit DaimlerChrysler. Daimler Chrysler hat die entsprechenden Algorithmen zur dreidimensionalen Bildauswertung geliefert und Pilz hat diese industrietauglich gemacht, das System entwickelt und wird es auch fertigen.

Können Sie diese Lösung auch anderen Kunden aus der Autoindustrie anbieten?

Wir haben klare Terminabsprachen. Denn DaimlerChrysler will seinen Wettbewerbsvorsprung nutzen. SafetyEYE wird von Pilz vermarktet, und ab Januar 2009 können wir das System auch anderen Automobilherstellern anbieten. In allen anderen Branchen beginnt jetzt die Vermarktung.

Mit DaimlerChrysler ist die Autoindustrie der Pionier in der Anwendung. Welche Anwendungen gibt es im klassischen Maschinenbau?

SafetyEye hat überall dort seinen Platz, wo Schutzräume definiert werden. Also dort wo zum Beispiel Lichtschranken oder Scanner eingesetzt werden. Geeignet ist das sichere Kamerasystem für die unterschiedlichsten Branchen: von Bearbeitungszentren über die Reifen- und Verpackungsindustrie bis hin zu Hochregallagern und automatischen Parkhäusern.

Ab wann ist das System eigentlich am Markt verfügbar?

Als Termin ist der April 2007 vorgesehen. Der eigentliche Serienstart soll im September sein. Muster und Testinstallationen sind allerdings schon vorher möglich.

Wie aufwendig ist das System zu installieren und zu konfigurieren?

Die drei Kameras, sprich die Sensoreinheit, sieht aus wie eine Deckenlampe. Sie wird in eine mechanische Vorrichtung eingesetzt und mit einem Hebel arretiert. Über eine Konfigurationssoftware werden dann die dreidimensionalen Schutz- und Warnräume intuitiv und schnell am PC definiert. Die Installation und die Konfiguration sind sehr einfach. Schutz- und Warnräume lassen sich zu komplexen Raumordnungen zusammenfassen. Sind für verschiedene Betriebsarten einer Maschine unterschiedliche Raumordnungen notwendig, können diese während des Arbeitszyklus der Maschine dynamisch über das sichere Bussystem SafetyBUS p oder die digitalen Eingänge der Auswerteeinheit umgeschaltet werden. Anwender bleiben flexibel, denn einmal definierte Schutzräume lassen sich per Mausklick im SafetyEye Konfigurator anpassen.

Wie waren die bisherigen Reaktionen der Kunden?

Die Resonanz ist überwältigend. In Sachen Sicherheit war SafetyEye auf der Messe das beherrschende Thema. Unsere Feedbacks sind sehr positiv und die Begeisterung ist natürlich groß.

Was macht ein Kunde, wenn er sich dafür interessiert?

Einfach anrufen. Wir reden dann mit ihm und klären wann und in welcher Form er das System einsetzen möchte. Also wenn er in Eile ist und das früh haben will, dann stehen auch Demogeräte zur Verfügung.

Kameras herstellen ist nicht die Kernkompetenz von Pilz. Woraus besteht SafetyEye?

Das System besteht eben aus der Sensoreinheit - also den drei hoch dynamischen Kameras - und einer Auswerteeinheit. Mit Ausnahme der Algorithmen zur Bildverarbeitung basiert das System auf Know-how von Pilz.

Peter Schäfer

Fakten:

¦ Das Kamerasystem SafetyEye sichert eine Anlage aus der Vogelperspektive. Die zu beobachtende Zone wird durch eine Hüllkurve definiert, die von Warn- und Schutzräumen umgeben wird.

¦ Befindet sich ein Objekt im Warnraum, werden Prozesse verlangsamt. Nur im engsten Schutzraum löst das System den Not-Stopp-Befehl aus.

¦ Mit dem Kamerasystem SafetyEye können beliebig definierbare dreidimensionale Schutzräume an einer Roboter-Arbeitsstation errichtet werden.

¦ Wofür heute noch viele Sensoren notwendig sind, umgibt bei SafetyEYE ein dreidimensionaler, maßgeschneiderter Schutzkokon den Gefahrbereich.

¦ Schutzräume lassen sich flexibel und schnell am PC konfigurieren - das aufwändige Verdrahten entfällt

¦ Das Kamerasystem ermöglicht Schützen, Steuern und Überwachen.

¦ Es ist das erste System, das gefahrbringende Arbeitsprozesse zum Schutz von Mensch und Maschine sicher überwacht und steuert (Safety) - das aber auch Objekte vor unbefugtem Zugriff schützt

Erschienen in Ausgabe: 01/2007