Dauer-Läufer

<strong>Lager</strong> – Die Produktion von Profilen für den Trockenbau erzeugt große Mengen an Metallspänen und Staub. Bei einem Hersteller in Franken gewährleisten wartungsfreie Lager aus Kunststoff seit Jahren einen störungsfreien Betrieb auch unter fingerdickem Öl- und Staubbelag.

12. August 2008

Die Pro-Best Profilsysteme GmbH im unterfränkischen Rödelsee-Fröhstockheim ist ein führender Hersteller von maßgeschneiderten Profilen für den Trockenbau. Das Produktspektrum umfasst CW-, CD-, UW-, UD-, UA-Profile, Winkeloder Aluminiumeckputzprofile sowie verschiedenes Zubehör wie Kreuzverbinder oder Direktabhänger. Die Produkte für den Innenausbau in Ständerbauweise gehen ausschließlich in den Großhandel, erläutert Geschäftsführer Hans Bernreuther: »Wir fertigen nahezu jede Länge in den Normbreiten bis 150 Millimeter und liefern maßgeschneiderte Profile direkt auf die Baustelle. Der Besteller hat keinen Verschnitt und muss sie nicht auf die tatsächlichen Maße vor Ort nachbearbeiten.«

Harter Dauereinsatz

Die Profile bestehen aus verzinktem Stahlblech, die vor Ort gefertigt und zu Lagereinheiten zusammengefasst werden. Ein besonders komplexer Vorgang im Produktionsprozess ist die sogenannte Verschachtelung, um die Profile für den Transport möglichst raumsparend zu verpacken. Dazu werden die geschnittenen Profile üblicherweise vollständig händisch bewegt, gedreht und gewendet.

Um diese Abläufe zu vereinfachen hat das Unternehmen bereits vor sechs Jahren eine Verschachtelungsanlage konstruiert, die diesen Arbeitsschritt komplett übernimmt. Die Maschine ist im Dreischichtbetrieb an fünf Tagen in der Woche im Einsatz und verarbeitet einen Ausstoß von 20 Profilen pro Minute. Dabei fallen extrem viele Metallspäne an, erzählt Industriemeister Michael Bernreuther: »Öl und Staub lagern sich fingerdick ab.« Entsprechend unempfindlich müssen alle Maschinenelemente gegen den Schmutz sein.

Die Lagerung aller beweglichen Teile an mehr als 50 Stellen übernehmen dabei Polymer- Gleitlager des Kölner Kunststoffspezialisten Igus. Dieser Einsatz von schmiermittelfreien Kunststofflagern anstelle von konventionellen Wälzlagern aus Stahl stieß bei Pro-Best jedoch zunächst auf Zurückhaltung, erinnert sich Hans Bernreuther: »Als wir vor über sechs Jahren zum ersten Mal Polymerlager in einer Anlage eingesetzt haben, waren wir mehr als skeptisch, ob sie auf Dauer unserem hohen Schmutzanfall standhalten können.«

Testbetrieb überzeugt

Die Kunststofflager wurden deshalb zunächst probehalber in eine Anlage in der Produktion eingebunden und gleichzeitig nach einer passenden Anwendung gesucht, um sie im Dauerbetrieb zu testen. Bei der Konstruktion der Verschachtelungsanlage kamen dann beide Lagertypen gleichwertig zum Einsatz. Nach drei Jahren war die Skepsis überwunden, erzählt Hans Bernreuther: »Wir haben uns grundsätzlich entschieden, bei den Verschachtelungsanlagen komplett auf Kunststofflager zu setzen.«

Seit drei Jahren hat das Unternehmen zwei Anlagen in Betrieb. An allen Lagerstellen kommen ausschließlich die tribologisch optimierten Polymerlager von Igus zum Einsatz. In jeder Verpackungsanlage werden dabei etwa 50 Gelenklager der Baureihe Igubal verbaut, die Zug und Druck aufnehmen können. Dazu kommen Flansch- und Stehlager für schwenkende bzw. rotierende Bewegungen sowie zahlreiche schmierfreie Gleitlager der Iglidur-Serie.

Die Serie Igubal der Kölner Lagerspezialisten umfasst ein komplettes System selbst einstellender Lagerelemente. Die Produktpalette umfasst Gelenkköpfe, Gabelköpfe und Flansch-, Gelenk- und Stehlager. Die Lager lassen sich einfach montieren, passen sich allen Winkelabweichungen an und ersetzen zudem in zahlreichen Fällen spezielle Gehäuse. Die hierbei verwendeten Hochleistungskunststoffe haben sehr gute schwingungsdämpfende Eigenschaften und sind technisch trocken einsetzbar. Zudem sind die kompakten Lagerelemente komplett wartungsfrei und unempfindlich gegen Schmutz. Zusätzlich können sie in Flüssigkeiten und zahlreichen Chemikalien laufen und sind völlig korrosionsbeständig.

In der Verschachtelungsanlage für die Profile kommen für die Führungsbewegung auf der Förderstrecke Zweiloch-Flanschlager zum Einsatz, die vorrangig für die Lagerung von Wellenenden oder Wellendurchführungen entwickelt wurden. Sie bestehen aus einem schlagfesten Gehäuse aus sowie einer Kalotte aus den tribologisch optimierten Kunststoffen Iglidur J oder Iglidur W300, abhängig von der Maßreihe. Diese Lagerwerkstoffe zeichnen sich durch niedrige Reibwerte im Trockenlauf sowie eine geringe Stick-Slip-Neigung aus. Je nach Bauart sind die Flanschlager für die Befestigung mit zwei oder vier Schrauben ausgelegt. Ein exaktes Ausrichten der Lagergehäuse ist nicht erforderlich, da das Flanschlager Fluchtungsfehler selbstständig ausgleicht.

Parallel kommen in der Anlage einfach zu montierende Stehlager zum Einsatz, die ebenfalls Fluchtungsfehler ausgleichen und Kantenpressungen vermeiden. Die wartungsfreien Gelenkköpfe können bei normalen Umgebungstemperaturen hohe Kräfte aufnehmen, bieten sehr gute Dämpfungseigenschaften und wiegen dabei nur ein Fünftel herkömmlicher metallischer Lagergehäuse.

Einbauen und vergessen

Bei Pro-Best bewähren sich die Polymerlager in der ersten Verpackungsanlage unter den rauen Bedingungen inzwischen seit über sechs Jahren, in der zweiten Anlage seit mehr als drei Jahren, eine dritte wird derzeit gebaut. Geschäftsführer Hans Bernreuther ist zufrieden: »Alle Kunststofflager, die wir bis jetzt eingebaut haben, laufen und laufen und laufen – nach dem Einbau kann ich sie komplett vergessen.«

Lager im Dauertest

Diese enorme Robustheit der Kunststoff-Gleitlager hat ihren Grund, erklärt Tobias Vogel, Vertriebsleiter für Kunststoff-Gleitlager bei Igus: »Pro Jahr führen wir über 7.000 Versuche im eigenen Labor durch, um beispielsweise Reibwerte oder Verschleiß zu testen und anschließend unseren Kunden verlässliche Angaben über die Lebensdauer der Lager zu machen.«

Die Daten gehen in eine Datenbank ein und können jederzeit abgerufen werden.

Mittlerweile ist Michael Bernreuther von den Vorteilen der wartungs- und schmiermittelfreien Polymerlager so sehr überzeugt, dass er immer wieder über weitere Einsatzmöglichkeiten in seinen Maschinen und Anlagen nachdenkt: »Wenn sich der Aufwand lohnt, versuchen wir bei jeder Reparatur Polymerlager einzusetzen«, erläutert der Industriemeister. »Hier hindern uns allerdings manchmal die Abmaße, die nicht zu den Steh- oder Flanschlagern passen.«

Abhilfe schaffen in solchen Fällen Adapter, die die Bauhöhe ausgleichen. »Aus diesem Grund führen wir auch Adapter im Programm «, erklärt dazu Dirk Lanuschni, technischer Verkaufberater im Büro Bayern von Igus. »Damit können die Bauhöhe und die Anschlussmaße adaptiert werden, um auf die geforderte Wellenhöhe zu kommen.«

bt

Erschienen in Ausgabe: 05/2008