Den Bogen raus ...

Schwerpunkt

Rohrsysteme – Im lippischen Augustdorf betreibt Parker Hannifin ein Zentrum für komplette Rohrleitungslösungen. Zusammen mit weiteren »Complete Piping Solutions« weltweit kann das Unternehmen einen einzigartigen Service bieten.

19. März 2014

Kaum eine Tendenz ist in der Industrie so unverkennbar wie der Drang zum Systemgeschäft. Im Bereich der Fluidtechnik hatte der US-Konzern Parker eine recht außergewöhnliche Idee, nämlich die sogenannten Complete Piping Solutions Center (CPS). In Deutschland gibt es ein solches seit einem Jahr und zwar in Augustdorf in der Nähe von Bielefeld. 20 Mitarbeiter sind dort damit beschäftigt, Kunden aus vielen Industriebranchen bei der Realisierung aufwendiger Rohrsysteme zu unterstützen.

Aber welches Ziel genau verfolgt Parker mit den CPS? Sehr vertraut mit der Materie ist Thomas Rüdiger, seit 18 Jahren bei Parker, zuerst als Werkzeugkonstrukteur und seit 2002 im Produktmanagement. »Dort habe ich das schweißlose Flanschsystem F 37 verantwortlich eingeführt, parallel erfolgte der Aufbau des ersten CPS in Norwegen«, berichtet er. Diese Erfahrungen konnte er auch in das Augustdorfer CPS mit einbringen, für das er als Leiter der Product Unit Flansche, Rohre, Schellen aktiv tätig ist. »Wir sind die Schnittstelle zwischen den Sales Companies und der Fertigung und Beschaffung.«

Rüdiger skizziert die Idee: »Mit den CPS wollen wir den Kunden mit Value Added Services versorgen, über die reinen Produkte wie Flansche, Rohre und Rohrschellen hinaus. Weg vom reinen Komponentenverkauf bieten wir als Dienstleistung ein montagefertiges Produkt an. Durch diese Wertschöpfung erhält der Kunde einen Zusatznutzen und wir ein neues Geschäftsfeld.«

Bestandteile der Dienstleistungen sind verschiedene Arten und Größen von Rohren. Danach richtet sich, welche Verbindungselemente eingesetzt werden. »Bis zu einem Außendurchmesser von 42 Millimetern kommen normalerweise Fittingsysteme von Parker zum Einsatz. Für alles darüber hinaus verwendet man schweißlose Flanschsysteme«, erklärt Thomas Rüdiger.

Projektierung als Mehrwert

Klar wird die Vorgehensweise eines CPS durch ein konkretes Projekt, das ein Interessent an Parker heranträgt. Zu einem großen Teil kommt dieser aus dem Bereich Marine und Offshore, der einen Schwerpunkt im Kundenstamm bildet. Thomas Rüdiger: »Auf einem Schiff ist ein Hydraulikaggregat mit den verschiedenen Verbrauchern wie Kranen oder Winden verbunden. Um die Leistung zu transferieren, ist ein zum Teil komplexes System von Rohrleitungen notwendig. Dessen individuelle Dimension ist vom benötigten Druck und Volumenstrom abhängig und wird im Engineering bestimmt und entworfen.«

Nicht jeder Anwender hält sich bei der Verbindung an die 42-Millimeter-Regel. »Viele Kunden setzen den Schnitt aber schon bei 30 Millimeter ab und bevorzugen Flansche, wenn es darüber hinausgeht.«

Parker bietet seine Flansche und Fittings auch separat an, und der Anwender kann diese eigenständig verbauen. Wirklich spannend wird es aber erst, wenn er das komplette System vom CPS bezieht. »Früher hat der Konstrukteur seine Leitungen selbst berechnet, die Rohre wurden vor Ort per Zollstock ausgemessen und in Handarbeit hergestellt«, sagt Thomas Rüdiger. »Dies wollen wir ihm abnehmen. Das Engineering läuft bei uns mit Hilfe modernster Technologien und in 3D, darauf folgt die Prefabrication, also das individuelle Biegen der Rohrleitungen. Die erforderlichen Maschinen dafür stehen in unserer Halle und sind State of the Art. Das Credo lautet, nicht zu schweißen, sowohl am Rohrende als auch bei den Rohren selbst. Dieses Kaltbiegen erfolgt CNC-gesteuert und reproduzierbar ohne Wärmeeinfluss. Ergänzend dazu wählen wir die passenden Verbindungselemente aus dem großen Parker-Sortiment aus.« Der Trick sei, den Bedarf des Kunden zu ermitteln und ihm ein Paket zu erstellen.

Im letzten Schritt übernimmt Parker auf Wunsch auch die Installation. »Dazu beauftragen wir Vertragspartner vor Ort, unterstützt von einem Parker-Supervisor. So können sich Werften auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, nämlich das Konstruieren von Schiffen.« Am Ende könnte Parker die gesamte Wertschöpfungskette vom Engineering über die Herstellung bis zur Installation abbilden. »Das wäre dann die maximale und auch angestrebte Ausprägung der Complete Piping Solutions – und wenn gewünscht, liefert Parker auch das Hydraulikaggregat gleich mit.«

Global aufgestellt

Im globalen Wettbewerb reicht ein CPS aber nicht aus, darum gibt es neben denen in Norwegen und Deutschland auch noch Werke in Südkorea, Singapur, USA, China, Polen und Brasilien. Durch dieses Netzwerk kann Parker seine Kunden weltweit schnell bedienen. »Ein Zentrum kann dabei für ein anderes einspringen und so als Puffer dienen«, sagt Rüdiger. »Das ist problemlos möglich, denn alle sind nach denselben Lean-Gesichtspunkten aufgebaut, der Maschinenpark ist identisch. Ein bei uns entwickeltes Rohr lässt sich exakt gleich in Korea fertigen.«

Neben dem Schiffbau ist Parker mit dem CPS auch in der Industrie aktiv. »Vor allem in Pressen und Windanlagen, im Tunnelbau oder in Stahlwerken – also überall, wo es um große Rohrdurchmesser sowie hohe Ölvolumina bei großen Drücken geht – können wir den Kunden zeigen, dass Parker einen ganz speziellen und einmaligen Service bieten kann«, freut sich der Produktmanager. Insgesamt sieht er Parker mit den Complete Piping Solutions auf Wachstumskurs.

Auf einen Blick

Complete Piping Solutions

- Derzeit insgesamt acht Center weltweit.

- Engineering – Prefabrication – Installation.

- Erstellung kundenspezifischer Pakete.

- Kaltbiegen individueller Rohrleitungen inklusive Bestückung mit Flanschen und Fittings.

- Neues Center in Augustdorf seit Herbst 2012.

Erschienen in Ausgabe: 02/2014