Der Akku vom Laptop ist schon wieder leer

Kommentar

Elektromobilität – Alle sprechen von Elektromobilität auf der Straße, bei mobilen Elektrogeräten jedoch ist eine stabile Stromversorgung dringender vonnöten. Bei der Bahn funktioniert‘s...

16. Februar 2012

Nach vorherrschender Meinung soll in der Elektromobilität die Zukunft liegen. Verstehe ich nicht: Wenn ich mit dem Zug fahre, bin ich bereits elektrisch mobil – und das schon seit vielen Jahren. Auf Schienen funktioniert die Elektromobilität höchst zuverlässig, wie eben auch bei S-, U- und Straßenbahnen (okay lassen wir Berlin mal außen vor).

Während ich dann aber mit meiner Bahncard 100 auf »Flatrate« fahre, werde ich mit den Feinheiten der Stromspeicherung für mobile Applikationen konfrontiert. Dann arbeite ich nämlich mit meinem zwei Jahre alten Laptop, dessen Akkulaufzeit mit sechs Stunden angegeben ist, und nach einer halben Stunde bekomme ich die erste Warnung: »Nur noch 15 Prozent Akkukapazität.«

Gefühlte sieben Minuten später schaltet das Gerät auf Standby. Die Bahn kennt das: Sie hat in den letzten Jahren – ganz kundenorientiert – Steckdosen in den Zügen eingebaut, um das Leiden der Reisenden zu lindern. (Seine Triebwagen betreibt das Transportunternehmen übrigens ebenfalls nicht mit Akkus.

Letztens erzählte mir ein Mitreisender mal wieder, dass man jetzt Mini-Brennstoffzellen entwickle, mit denen sich ein Laptop dann wirklich mobil nutzen ließe. Apple wäre auch an der Entwicklung dran, um Geräte mit fast unbegrenzter Laufzeit zu versehen. Zum Aufladen brauche es dann nur eine kleine Flasche Feuerzeuggas. Ich musste dabei wieder an die Visionen der Politiker in Sachen Elektroautos denken.

Ein Laptop benötigt für wenige Watt Leistung einen schweren Akku: Entnimmt man ihn, hat der Laptop sofort sein Idealgewicht erreicht. Um die Kapazität und die Haltbarkeit von Akkus zu erhöhen, forschen nun schon seit Jahren ganze Konzerne mit Hochdruck – mit magerem Ergebnis! Aber die Politiker versprechen, dass dies bei Autos anders werde: Hier sei es nur eine Frage der Stückzahl, die Forschung würde sich lohnen.

Da sei mir die Gegenfrage gestattet, welche lächerliche Stückzahl Autos im Vergleich mit portablen Elektrogeräten darstellen. Ganz abgesehen davon sollten wir auch noch einmal ernsthaft nach dem Nutzen der ganzen Übung fragen. Eine Minderheit von teuren Elektroautos mit miserablen Gesamtwirkungsgrad (von der Erzeugung bis zur zurückgelegten Strecke mit dem Auto) soll unsere Umwelt retten?!

Aber wieso macht die Autoindustrie da mit? Antwort: Wenn es eine Nachfrage dafür gibt, wird halt jedes Auto gebaut. So brauchen die allerwenigsten Menschen in Deutschland ernsthaft einen Geländewagen – trotzdem fahren Unmengen davon auf unseren Straßen spazieren.

Und ich denke, die Autoindustrie lässt sich nach Kräften mit Forschungsgeldern unterstützen, um die elektrische Antriebstechnik fürs Auto voranzutreiben. Ob die Energie dann aus einer Brennstoffzelle oder aus einem Akku kommt, sehen wir dann schon noch. Vielleicht wird mancher Leser einwenden, dass es bei Fahrrädern ja auch einen Elektro-Bike-Hype gibt. Ja das stimmt.

Die Fahrräder bieten aber auch lediglich eine Leistungsunterstützung – die meiste Leistung bringt der Fahrradfahrer als Bio-Motor ein. Ich fahre weiter mit der Bahn. Und kaufe mir jetzt ein Elektrobike – man wird halt älter. Wenn ich aber nach der Zukunft des Elektroautos gefragt werde, zitiere ich einfach unseren Altkanzler Helmut Schmidt: »Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.«

Ihr

Rüdiger Eikmeier

PS: Mich interessiert Ihre Meinung dazu, schreiben Sie sie mir doch einfach an:

Erschienen in Ausgabe: 01/2012