Der jüngste Trend: »Copy a Company«

Kommentar

Markenimitationen – Das Problem der Produktpiraterie ärgert seriöse Industrieunternehmen seit Jahrzehnten. Inzwischen kopieren manche ausländische Firmen gleich den gesamten Marktauftritt renommierter Unternehmen.

22. Juli 2013

Kennen Sie das auch? Als hart arbeitender Produktpirat möchten Sie Ihre Produkte so günstig wie möglich vermarkten, haben aber Sorge, dafür vielleicht doch einmal eins auf die Finger zu bekommen? Kein Problem dank des neuen Trends, der aus (Klein-)Asien jetzt endlich auch zu uns kommt:

Mit der Lean-Marketing-Methode, unter erfolgreichen Raubkopierern auch als »Copy a Company« bekannt, vermeiden Sie nicht nur die teure Entwicklung eines Produkts, sondern vermeiden auch Aufwand und unerfreuliche Kosten für die individuelle Werbegestaltung. Und wie geht das? Ganz einfach: Sie kopieren nicht nur das Produkt, sondern setzen Ihr Piraterieunternehmen gleich komplett unter dem Namen und dem Corporate Design eines renommierten, aber ehrlichen Herstellers ins rechte (bzw. linke) Licht.

Das spart zum einen Kosten für die Grafik- und Werbedesigner – Sie brauchen nur einen Kopierer. Und zum anderen profitieren Sie von dem guten Ruf des von Ihnen parasitierten Unternehmens, weshalb Sie lästige Ausgaben für Qualität und Werbung vermeiden können. Sie müssen nur noch Kunden finden, denen die Täuschung nicht sofort auffällt.

Aber ist das nicht verboten? Hm … kein ganz abwegiger Einwand. Dann ändern Sie doch einfach den Namen des von Ihnen kopierten Unternehmens ein ganz klein bisschen – oder verändern Sie das geklaute Firmenlogo geringfügig.

Wenn Sie sich (als Leser dieses Branchenkommentars) jetzt fragen, ob dem Autor dieser Zeilen irgendetwas nicht gut bekommen ist, liegen Sie richtig: Es sind die oben beschriebenen Praktiken, mit denen unlängst mehrere meiner Kunden konfrontiert wurden (siehe Bild). Und an dieser Stelle werde ich nun mit dem »Spaß« aufhören.

Während uns Produktimitate ärgerlicherweise schon seit Längerem bekannt sind, scheinen Pseudo-Imitate der Unternehmenslogos (jedenfalls in meiner Wahrnehmung und der meiner Kunden) eine neue Masche – und ein neues Übel – zu sein. Sicher, aus den China-Blogs Fernost-erfahrener Reisender waren mir schon die kruden Nachahmungen amerikanischer Fastfood-Ketten bekannt.

Dass nun aber – wie im Fall eines Kunden – gleich mehrere türkische Unternehmen versuchen, sich mit fremden Federn (immerhin notdürftig verfremdet) zu schmücken, scheint mir ein neues Kapitel in dieser unseligen Geschichte. Und wo bereits die Produktpiraterie immensen Schaden anrichten kann und anrichtet (in einem der gravierendsten Fälle der letzten Jahre war Kugelfischer betroffen), zielt die Methode »Copy a Company« mit ihren Kopien von Logo, Corporate Design und sogar der Gestaltung von Website und Katalogen direkt auf den guten Ruf der Originale. Mitunter entdeckt man die plagiierenden Firmen nur durch Zufall auf Messen. Wenn Sie selbst betroffen sind, dann zögern Sie nicht, umgehend Ihre Kunden und Verbände über den Nachahmer zu informieren – und wenn Ihnen dreiste Plagiatoren anderer Unternehmen auffallen, verständigen Sie die Original-Unternehmen.

Ihr

Rüdiger Eikmeier

PS: Mich interessiert Ihre Meinung dazu, schreiben Sie sie mir doch einfach an: r_eikmeier@gii.de

Erschienen in Ausgabe: 05/2013