»Der Markt bleibt bunt«

<strong>6. Forum Mechatronik</strong> – Komponenten, Module und Systeme in der Mechatronik waren ein Thema, das zwei Arbeitsgruppen im Open Space des 6. Forums diskutiert haben.

11. September 2008

»Welche Anforderungen werden angesichts der Mechatronik an die Komponentenhersteller gerichtet?«, so lautete das Thema der zweiten Open-Space-Gruppe. Tobias Vogel von Igus, Köln, gehört der Mechatronik Allianz an, der Veranstalterin des 6. Forums. In seinem Bericht bedauert er, dass in seiner Arbeitsgruppe die eigentlichen Betroffenen der Mechatronik – die Maschinenhersteller – nicht vertreten waren. »Als Mitglied der Mechatronik Allianz war es für mich interessant in die Gruppe ›Anforderungen an die Komponentenhersteller‹ zu gehen. Was wir vermisst haben, waren die Maschinenbauer, von denen wir vielleicht mehr erfahren hätten. Unsere Ergebnisse sind dennoch sehr vielfältig und interessant.«

Mehr Infos gewünscht

Grundsätzlich wurde der Wunsch nach mehr Information vom Maschinenbauer zu einem früheren Zeitpunkt geäußert. So könnten sich Komponentenhersteller frühzeitig auf mechatronische Lösungen einstellen und dies dann auch gezielt anbieten. Dies könne gegebenenfalls gekoppelt werden an Software-Tools, die die Komponentenhersteller dem Maschinenbau zur Auslegung oder auch zur Visualisierung zur Verfügung stellen. »Wir können uns hier der Argumentation im Referat von Herrn Hillebrand von Bosch Packaging anschließen: letztendlich liegt das A und O in der Dokumentation«, stellt Tobias Vogel fest. Schließlich sei es wichtig für den Maschinenbauer, dass er weiß, was er bekommt. Umgekehrt sei es natürlich entscheidend für den Komponentenhersteller, dass klar definiert ist, was er an mechatronischen Produkten liefert und was zum Leistungsumfang gehört.

Eine weitere Frage war, ob Maschinenbauer, die selbst mechatronisch arbeiten, die Mess latte der Mechatronik auch an den Komponentenhersteller anlegen – also mechatronisch entwickelte Komponenten fordern. Umgekehrt seien nicht alle Unternehmen, die komplexe Systeme ? wie zum Beispiel eine komplett konfektionierte Energiekette oder Antriebe für Verpackungsmaschinen kaufen, selbst mechatronisch weiterentwickelt. »Diese Erfahrungen haben viele Komponentenanbieter in der Arbeitsgruppe bestätigt.«

In dieser Open-Space-Gruppe ist die Idee entstanden, eine Allianz der Komponentenhersteller zu gründen. »Dort soll ein Austausch möglich sein und dort können auch gemeinschaftliche Lösungen transparenter präsentiert werden«, erklärt Tobias Vogel. Für einen Komponentenhersteller sei es wichtig, sich auf die Maschinenbaubranche zu konzentrieren. Denn um die Prozesse richtig zu verstehen, müsse er sich entsprechend auf die Branche des Maschinenbauers zu spezialisieren. »Erst dann ist es möglich, abgestimmte mechatronische Lösungen anzubieten «, schließt Tobias Vogel seinen Bericht aus der Open-Space-Gruppe.

Mehr als Komponenten?

Mit der Abgrenzung zwischen Komponenten-, Modul- und Systemlieferant beschäftigte sich die dritte Arbeitsgruppe beim Open Space des 6. Forums Mechatronik im Maschinenbau. »Welche Wünsche haben die Anlagenbauer an die Lieferanten? Diese Frage wurde auch in unserer Gruppe diskutiert «, sagt Jürgen Bretschneider von SEW Eurodrive bei der Vorstellung der Open- Space-Ergebnisse. Dabei war es insbesondere die ›Gretchenfrage‹, die alle interessierte: Was favorisieren die Maschinen- und Anlagenbauer eigentlich und wollen sie tatsächlich mehr als nur Komponenten?«

Allerdings stelle es auch keinen Widerspruch dar, als Komponentenhersteller auch größere Einheiten, größere Module oder auch Systeme zu verkaufen. Mit skalierbaren Lösungen gehe heute jeder auf den Markt, und »die Kunden lassen sich dafür auch begeistern «, sagt Bretschneider im Namen seiner Open-Space- Gruppe. »Das Problem liegt eher in der Integration «, stellte die Arbeitsgruppe fest. Je nachdem, wie weit die Integration reicht, die ein Lieferant anbietet, reagieren Kunden irritiert.

»Dem Maschinen- oder Anlagenbau wird damit ein gehöriger Anteil seiner Wertschöpfung genommen. Wenn er diese Leistungen zukauft und nicht mehr selber erbringt, kann das durchaus mit seinen strategischen Zielen kollidieren«, beschreibt Bretschneider das Problem der Systemanbieter.

Zielkonflikte

Deshalb empfiehlt die Arbeitsgruppe solche Mehrleistungen rechtzeitig mit den Kunden abzustimmen. »Es muss geklärt werden, ob und inwieweit eine Integration, also eine Lösung, gewünscht wird«. Hier habe der Vertrieb die sensible Aufgabe, solche Lösungen möglichst genau zu spezifizieren und zu definieren.

»Wir gehen aber davon aus, dass integrierte Lösungen zunehmend nachgefragt werden. Der Markt entwickelt sich langsam in diese Richtung.« Allerdings sei das nur ein Trend. »Nicht alle Kunden nehmen die zunehmende Integration gelassen hin. Und der Markt bleibt bunt«, schließt Jürgen Bretschneider seine Zusammenfassung der Diskussion seiner Open-Space-Gruppe.

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 06/2008