Der Mehrwert entscheidet

Anlagen/Systeme - Wer als Maschinen- und Anlagenbauer künftig im Wettbewerb bestehen will, muss seinen Kunden nicht nur technisch ausgereifte Lösungen bieten, sondern auch Prozess-Know-how für verschiedenste Fertigungs- und Prüfverfahren.

11. Dezember 2007

Um konzeptionelle und technologische (Weiter-) Entwicklungen in der Montageautomatisierung darzustellen, muss man sich die Markt- und Wettbewerbssituation ? branchenübergreifend ? vergegenwärtigen, denn daraus resultieren jene Kundenwünsche, deren Umsetzung bei jedem Projekt echten Erfindergeist erfordert: Steigender Kostendruck belastet sowohl die Margen der Herstellerbetriebe selbst, wie auch den Spielraum der Maschinen- und Anlagenbauer. Dass auf ein und derselben Maschine mehrere Typen eines Produktes gefertigt werden sollen, ist nicht nur mit höherem Kostendruck zu begründen, sondern auch damit, dass eine größere Zahl dieser Produkttypen benötigt wird, da die Angebotspaletten der Hersteller ? den Kundenwünschen folgend ? viel umfangreicher geworden ist.

Neu ist aber, dass sogar unterschiedliche Produkte mit höchst unterschiedlichen Stückzahlen auf ein und derselben Maschine montiert werden sollen ? bei minimalem Umrüstaufwand. Das bringt ganz neue Anforderungen mit sich, die nur durch eine angepasste Flexibilisierung der Anlagen lösbar sind.

Die Automation Tooling Systems Munich GmbH & Co. KG beispielsweise verfügt über eine Palette an Produkten, die für diese Zwecke hervorragend geeignet sind und zuverlässig funktionieren. Das Unternehmen ist die deutsche Niederlassung des großen kanadischen Konzerns für automatische Produktionsanlagen. Gegründet 1985 und seit 1999 dem Konzern ATS zugehörig, hat das Unternehmen die eigenen Kompetenzen ausgebaut; beispielsweise hinsichtlich mit Prüftechnik überwachter Montageprozesse. Aufgrund der Zugehörigkeit zu einem global agierenden Konzern profitiert die ATS Munich aber auch von den Errungenschaften und Produkten des Stammhauses.

Ein Beispiel dafür ist der Supertrak, ein auf dem Linearantrieb basierendes Werkstück-Transportsystem für die unterschiedlichsten Anwendungen. Das System ist modular aufgebaut, fast beliebig erweiterbar, gut wiederverwendbar, schnell, leise, präzise und sauber. Die Verwendung im Reinraum für Anwendungen in der Medizintechnik ist problemlos möglich.

Diese Eigenentwicklung aus Kanada erfreut sich auch in Deutschland und darüber hinaus in Europa zunehmender Beliebtheit, die Erfahrungen sind durchweg positiv. Doch ATS bietet noch weitere Systeme, mit denen die eigenen Maschinen flexibel für unterschiedliche Zwecke gemacht werden können, sowohl hard- als auch softwareseitig.

Überhaupt ist Internationalisierung ein ganz wichtiger Aspekt, mit dem im Zuge der Globalisierung Maschinen- und Anlagenbauer immer öfter konfrontiert werden. Dazu gehört auch der intensive Gedanken- und Ideenaustausch mit den Kollegen in den regionalen Märkten und das Ausschöpfen von Synergien, um Projekte schnell, effektiv und praktikabel umzusetzen. Die Praxis zeigt nämlich, dass sich branchenspezifisch viele Aufgabenstellungen gleichen. Über alle Ländergrenzen hinweg.

Dennoch ist es ein Irrtum, anzunehmen, dass sich deshalb alle automatischen Produktionsanlagen im Grunde gleichen würden. Das zeigt schon ein Blick in die Montagehalle von ATS Munich: hier ein Laserschweißsystem für sehr groß dimensionierte Teile im Solarbereich, dort eine hoch komplexe, vollautomatische und kameraüberwachte Montage- und Prüfanlage mit Roboter, Laserbeschrifter und so weiter für Bauteile von Antiblockiersystemen für Pkw ? reinraumtauglich mit einer Taktzeit unter drei Sekunden ?, da eine Anlage für die Produktion von Elektromotoren im Consumer-Bereich (Weiße Ware), ebenfalls mit integrierten Prüfprozessen, sowie ein vollautomatisches Montagesystem für Teststreifenspender, die in Blutzuckermessgeräte eingesetzt werden. In all diesen Anlagen kommen Systemkomponenten von ATS zum Einsatz. Hardwareseitig sind dies beispielsweise der bereits erwähnte Supertrak, der Cleanroom Conveyor ATS 800, der Superbot (ein einfaches Handhabungssystem), die ATS Stufenförderer für die Materialzuführung und der Tray Handler, ein standardisiertes Palettiersystem.

Auf der Softwareseite sind es unter anderem das PC-basierte SmartVision, ein Programm für die ATS-eigenen Kamerasysteme, Production stATS, eine umfassende Software zur Prozessdatenerfassung mit der Funktionalität eines BDE-Systems, und MACS, ein von ATS entwickeltes PC-basiertes System für die Maschinensteuerung.

Doch es sind längst nicht mehr nur technische Aspekte, die bei der Auftragsvergabe für ein Automatisierungsprojekt entscheiden, sondern es ist der Mehrwert, den jeder Kunde für seine Investitionen erwartet. Hier ist vor allem ein Trend unverkennbar: Maschinen- und Anlagenbauer müssen sich Prozess-Know-how jenseits ihrer Kernkompetenzen aneignen. Bei ATS Munich ist dieses add on die automatisierte Prüftechnik. So wurden beispielsweise im Bereich Automotive schon mehrere Anlagen realisiert, mit denen hochsensible Bauteile für Pkw-Bremsen in vielen Einzelschritten zusammengefügt, lasergeschweißt, wärmebehandelt und abschließend einem Funktionstest unterzogen werden. Die vom Kunden geforderte Typenvielfalt war insbesondere in puncto der mit Prüftechnologie überwachten Produktionsschritte eine Herausforderung. So mussten zum Beispiel Kraft-Weg-überwachte Einpressvorgänge auf unkonventionelle Weise konzipiert werden. Eine andere Herausforderung war, dass die große Menge an Prozessdaten, die an den vielen Bearbeitungsstationen der Anlage erzeugt werden, an zentraler Stelle zusammenlaufen, verarbeitet und aus Gründen der Rückverfolgbarkeit archiviert werden müssen.

Für die verschiedenen Funktions- und Dichtheitsprüfungen an den Teilen selbst, ist ein modulares Konzept entwickelt worden: Ganze Schubladen, in denen fast die gesamte Prüf- und Auswertetechnik enthalten ist, werden nach Bedarf ? sprich nach aktuellem Typen ? eingesetzt und eingeschoben und verrichten dann ihren Dienst. Muss ein anderer Typ gefertigt werden, wird die Schublade einfach gegen eine andere getauscht. Die gesamte Anlage ist stark modularisiert, bei Bedarf können einzelne Bearbeitungsstationen erweitert oder andere hinzugefügt werden, ohne dass die gesamten Prozesse geändert werden müssen.

Alexander Sedlak, ATS Munich

Erschienen in Ausgabe: Wer macht was?/2008