Der Name ist Programm

Antriebssysteme - Moderne Antriebstechnik erfordert mehr als Motoren, Getriebe und Regler: Mit einer neuen umfassenden Lösungsstrategie verspricht Lenze seinen Kunden einen deutlichen Gewinn an Produktivität und Bedienungsfreundlichkeit.

05. Juli 2005

Ein wichtiges Thema für Hersteller und Anwender von Antriebs- und Automatisierungstechnik ist die einfache Bedienbarkeit aller Produkte, schließlich bieten moderne Lösungen immer mehr Funktionalitäten und werden damit zunehmend komplexer. Zunehmende Bedeutung gewinnt deshalb die sogenannte ›Usability‹. Dieser Begriff umfaßt alle Aspekte, die über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes hinweg beim Anwender zu einer erhöhten Produktivität führen: So reduziert eine gute ›Usability‹ beispielsweise den Schulungs- und Supportaufwand ebenso wie die Stillstandzeiten, ermöglicht insgesamt ein effektiveres und effizienteres Arbeiten und erleichtert zudem den Zugang zu innovativen Technologien. Dem Anbieter der Lösung erleichtert eine möglichst einfache Bedienbarkeit zudem die weltweite Vermarktung von Maschinen.

Eine entscheidende Rolle spielt ›Usability‹ bei der jüngsten Generation der Antriebs- und Automatisierungstechnik von Lenze.

Plattformen statt Komponenten

Unter der Programmbezeichnung L-Force bieten die Niedersachsen ein durchgängiges Programm aus mechanischen, elektromechanischen und elektronischen Komponenten sowie der passenden Runtime-Software und einem funktionalen Engineering. Dazu kommen Lösungen für spezielle Anwendungen sowie ein darauf abgestimmtes Angebot an Dienstleistungen.

Lenze hatte bereits Mitte der 90er Jahre seinen ersten intelligenten Servo-Antrieb vorgestellt und damit die antriebsbasierte Automation begründet. In dem neuen Programm sieht der Vorstandsvorsitzende Dr. Erhard Tellbüscher dessen konsequente Weiterentwicklung: »L-Force ist unser Programm für die Zukunft; es bestätigt unseren Wandel vom Denken in Produkten und Baureihen hin zum Denken in Modulen und Plattformen.« Als sichtbares Zeichen für diesen Wandel entwickeln die Niedersachsen künftig nicht mehr irgendwann eine neue Getriebebaureihe und irgendwann eine neue Umrichterbaureihe: Statt dessen entstehen alle zusammenhängenden Produkte parallel. Tellbüscher erwartet deshalb, daß eingeführte Begriffe wie Servo- und Umrichtertechnik bald miteinander verschmelzen werden und prophezeit: »Künftig haben wir nur noch Drives.«

Ein erstes Element des Programms sind die Servo-Umrichter der Baureihe L-force Drive 9400 für Motoren mit 0,37 bis 400 Kilowatt. Die Trennung der Antriebselektronik von der Installations-Backplane erleichtert die Installation im Schaltschrank. Weiter reduziert wird der Installationsaufwand durch integrierte Netzfilter im Antriebsregler. Die steckbaren Signalanschlüsse erlauben es zudem, die Leitungen vorzukonfektionieren. Die Antriebsregler selbst lassen sich mit einem Handgriff schnell entnehmen und wieder einsetzen und ersparen so nicht nur im Servicefall Zeit und Kosten. Zudem ermöglicht das Konzept eine einheitliche Gerätetechnik bei der Ansteuerung von einer oder mehreren Achsen, optional auch für Netze ohne Mittelpunktsleiter.

Flexibel durch Module

Der Aufbau des Reglers aus steckbaren Modulen ermöglicht es, individuelle Funktionen entsprechend dem Bedarf zusammenzustellen. Ein Sicherheitsmodul beispielsweise verringert die Anzahl der verbauten Komponenten, da kein zweiter Schaltkreis für die Not-Aus-Funktion gebraucht wird. Die sichere Kommunikation erfolgt dabei über Profisafe; Module für andere Systeme sind in Vorbereitung. Besonders flexibel einsetzbar werden die Umrichter auch durch Speichermodule, die sich unabhängig vom Regler programmieren lassen, beispielsweise im Büro. Ein integriertes elektronisches Typenschild der Lenze-Motoren ermöglicht dabei ein echtes ›Plug-and-drive‹, ohne den Regler zuvor auf die jeweiligen Motordaten abzustimmen. Bei einem Gerätetausch erlauben die Module zudem eine Parameterübertragung ohne erneute Programmierung. Für die komplette vertikale Integration besitzen die Umrichter zwei Ethernet-Schnittstellen. Damit lassen sich einerseits Programme oder Parametersätze komfortabel vom Firmennetz aus auf den Antriebsregler laden, zudem steht mit dem echtzeitfähigen Ethernet-Powerlink ein leistungsstarker Motion-Bus zur Verfügung.

Neben Lösungen zur antriebsbasierten Automation bietet Lenze künftig auch PC-basierte Produkte. Eine zentrale Komponente im L-Force-Programm ist deshalb eine eigenständige, von der Hardware unabhängige Runtime-Software mit Funktionen für die Bewegungs- und Ablaufsteuerung. Solche hybriden Lösungen aus PC und intelligenten Antrieben benötigen keine SPS, für kleine Anwendungen genügt allein der Regler.

Ein wichtiges Element des Konzepts ist die neue Bedien- und Programmiersoftware Engineer. Die Software unterstützt den Anwender in allen Phasen des Engineerings mit einer gemeinsamen Datenhaltung über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine hinweg, von der Planung über die Inbetriebnahme bis zur Diagnose im laufenden Betrieb. Dabei ermöglichen es integrierte Bibliotheken, einmal entwickelte Lösungen wieder zu verwenden. Die Software bietet eine übersichtliche Darstellung des gesamten Automatisierungsprojekts. Die Baumstruktur der Bedienoberfläche gestattet eine schnelle Navigation zu den verschiedenen Geräten einer Maschine und deren Funktionen bzw. Kommunikationsschnittstellen. Die Bedienung des Programms folgt der gängigen Arbeitsweise eines Projekts: Zuerst werden die Geräte einer Anlage angelegt, danach definiert der Konstrukteur die Kommunikation zwischen den Geräten, programmiert oder parametriert schließlich die Funktionalität der Geräte und nimmt zuletzt die Anlage in Betrieb. Danach bietet die Software permanente Diagnosemöglichkeiten.

Das Paket umfaßt jedoch mehr als Produkte: Unter dem Begriff ›Solutions‹ bietet L-Force außerdem komplette Lösungspakete aus Hard- und Software sowie Dienstleistungen für bestimmte Marktsegmente wie beispielsweise Hubwerke, Fahrantriebe oder Regalbediengeräte. Die Niedersachsen versprechen ihren Kunden damit eine vorgefertigte Lösung, zugeschnitten auf ihren jeweiligen Bedarf. Für Lenze-Vorstandschef Tellbüscher bringt das neue Konzept Vorteile für alle Beteiligten: »Das durchgängig modulare Konzept vereinfacht uns den Zugang zu unseren Kunden und bietet ihnen andererseits hohe Investitionssicherheit, da L-force mitwächst und erweiterbar ist.«

bt

Erschienen in Ausgabe: 06/2004