Der Notfallplan für die letzten Wochen

Rose+Krieger

CE-Kennzeichnung – Das Jahresende rückt in greifbare Nähe und damit auch die verbindliche Umsetzung der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Für diejenigen, die sich noch nicht gekümmert haben, wird es jetzt allerhöchste Zeit.

09. November 2009

Für Maschinenhersteller und Hersteller von unvollständigen Maschinen gilt die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben nach dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz. Der folgende Plan kann nicht alle Bereiche der MRL intensiv behandeln, soll aber in Kurzform einen möglichst umfassenden Überblick liefern. Nehmen Sie sich dazu 15 Minuten Auszeit vom Tagesgeschäft, denn nun folgt Ihr Vier-Punkte-Plan für die kommenden Wochen:

Punkt 1 – die Einstellung

Als Inhaber, Geschäftsführer oder als rechtliche Person beeinflussen Sie maßgeblich den Erfolg der kommenden sechs Wochen. Sorgen Sie für Klarheit bei den Mitarbeitern und legen Sie das Ziel fest. Etwa: »Wir werden unsere Maschinen ab dem 29.12.2009 nur noch nach der neuen MRL ausliefern«. Machen Sie weiterhin deutlich, dass Sie die hierfür notwendigen Bedingungen schaffen und die Umsetzung der Maßnahmen aufmerksam begleiten werden. Erklären Sie Ihrer Belegschaft weiter, dass die Umsetzung der MRL nicht auf Einzelpersonen übertragen werden kann. Es geht nur im Team, in dem jedes Mitglied eine Rolle spielt. Leisten Sie Überzeugungsarbeit, indem Sie Ihrer Mannschaft die nützlichen Aspekte und die Vorteile der MRL aufzeigen. Und dass Sie es als Ihre Pflicht sehen, sicher zu bedienende Maschinen nach dem Stand der Technik zu entwickeln, zu bauen und zu vertreiben. Die daraus resultierenden Standards gilt es nun konsequent zu dokumentieren und praktisch umzusetzen. Nichts anderes beschreibt die MRL nämlich.

Punkt 2 – die Kosten

Ganz ohne Geldmittel geht es nicht. Ein Großteil Ihrer Betriebs- und Montageanleitungen muss vermutlich neu geschrieben werden. Mindestens die Konformitäts- und Einbauerklärungen sind neu zu erstellen. Das gilt natürlich auch für die Übersetzungsarbeiten, denn Ihre Dokumente müssen in der jeweiligen Landessprache des Bedienpersonals verfügbar sein. Für diese Aufgaben ist ein Teil Ihrer Belegschaft freizustellen und kurzfristig zu schulen. Weiterhin sind externe Leistungen für Übersetzungsarbeiten, Beratung und Dokumentation einzuplanen. Je nach Art und Umfang Ihrer Produkte sollten Sie von einem hohen vierstelligen bis mäßig fünfstelligen Eurobetrag ausgehen.

Punkt 3 – die Organisation

Es geht nicht darum, kurz vor Toresschluss noch einmal die Kurve zu kriegen. Vielmehr sind Ihre Maßnahmen auf die Zukunft ausgerichtet. Was Sie in den nächsten sechs Wochen erreichen, ist dauerhaft anzuwenden. Sollte Ihr Unternehmen nach ISO 9001 zertifiziert sein, kommen Sie an der organisatorischen Neustrukturierung sowieso nicht vorbei, so denn das nächste Audit erfolgreich durchgeführt werden soll. Die sich aus Kapazitäts- und Kostengründen aufdrängende Idee, lediglich einen CE-Beauftragten als alleinigen Wissensträger zu installieren, führt ganz sicher in die Sackgasse. Schulen Sie eine entsprechende Anzahl Ihrer Mitarbeiter zu diesem Thema.

Punkt 4 – die Information

Für Sie ist möglicherweise nur ein Teil der neuen Maschinenrichtlinie relevant. Wenn Sie etwa unter die sogenannten C-Normen fallen, ist der Aufwand am geringsten. Informiert sein bedeutet deshalb effektiv sein. Besonders vor dem Hintergrund der verbleibenden Zeitspanne ein wichtiges Instrument. Verschaffen Sie sich rasch einen Überblick, mit welchen Normen Ihre Mitarbeiter generell arbeiten. Prüfen Sie die Gültigkeiten und aktualisieren Sie diese umgehend. Normen, die Ihr Konstruktionsbüro zwar vorhält, jedoch für die neue MRL irrelevant sind, werden am besten für die nächsten Wochen weggeschlossen. So vermeiden Sie von vornherein zeitraubende Verwirrungen. Eine Menge Arbeit liegt nun vor Ihnen. Sie werden aber im Laufe der Projektarbeit feststellen, dass sich Ihr Unternehmen deutlich weiterentwickelt. Ihr Kompetenzzuwachs ist beachtlich und das motiviert zusätzlich.

Michael Amon, Rose+Krieger/aru

Checkliste:

- Machen Sie den Stellenwert der neuen Maschinenrichtlinie unmissverständlich deutlich.

- Stellen Sie klar, dass die Umsetzung der MRL kein notweniges Übel ist, sondern für den Fortbestand des Unternehmenserfolgs elementar wichtig sein kann.

- Alle Verantwortlichen müssen umgehend geschult werden. Für das erste Check-up genügen zwei Tage. Einige Ihrer Zulieferer bieten solche Veranstaltungen an. Denn die Kompetenz in der neuen MRL gilt zunehmend als Marketinginstrument. (Adressauswahl: RK Rose+Krieger, Safeexpert etc.)

Alternativ können Sie die Schulungsangebote von TÜV und Berufsgenossenschaften nutzen. Hier sollten Sie schnellstens Kontakt aufnehmen, da kurzfristige Termine möglicherweise schwer zu bekommen sind.

- Das gesammelte Wissen nutzen Sie für die Strukturierung Ihres Produktsortimentes nach den Anhängen der MRL. So erhalten Sie rasch einen Überblick, in welchen Produktbereichen der größte Handlungsbedarf entsteht.

- Legen Sie Verantwortlichkeiten fest und fertigen Sie den Fahrplan für die CE-Kennzeichnung an. Integrieren Sie diese Punkte in Ihr Management-Handbuch.

- Legen Sie die Grenzen Ihrer Maschinen fest, die Sie in Verkehr bringen möchten. Bilden Sie hierzu ein oder mehrere kleine Teams aus Technik und Vertrieb. Sind die Grenzen bestimmt, haben Sie gleichzeitig die Basis für die Risikobeurteilung und für die Performance-Level gelegt.

- Erwerben Sie ein Softwareprodukt zur Unterstützung. Die gängigen Produkte begleiten Sie durch die diversen Fragestellungen und verfügen standardmäßig bereits über die aktuellen Normungen. Nach etwa einem Tag Einarbeitung können Sie bereits effizient damit arbeiten.

- Fertigen Sie eine individuelle Normenliste an. Beinhalten Ihre Produkte etwa sicherheitsrelevante Steuerungen, haben Sie sich mit der EN ISO 13849 auseinanderzusetzen. Hier ist eine gezielte Schulung dringend angeraten. Erstellen Sie Vorlagen für jede Produktgruppe. In der Praxis hat sich die Bildung von Zweier-Teams hierfür bewährt. Speziell als Sondermaschinenbauer kommen Sie so rasch zu Ergebnissen.

- Setzen Sie Ihre Lieferanten schriftlich davon in Kenntnis, dass Sie ab dem 29.12.2009 nur noch Lieferungen und Dokumentationen nach der neuen MRL erwarten. Einen Rechtsanspruch auf Lieferungen nach neuer MRL vor dem Stichtag haben Sie nicht. Übergangszeiten werden Sie zu akzeptieren haben. Mein persönlicher Rat: Bitten Sie die BG um die Abnahme Ihrer Maschinen. Das Projektteam von RK Rose+Krieger hat die Erfahrung gemacht, dass Sie es mit sehr gut ausgebildeten Praktikern zu tun haben, die Ihren Fragen mit uneingeschränkter Offenheit gegenüberstehen.

Erschienen in Ausgabe: 08/2009