Design und Vision

CAD - New Orleans in Karnevalslaune. Noch knapp eine Woche bis zum Mardi Gras war es, als SolidWorks seine Kunden, Händler und Anwender in New Orleans versammelte. Mehr als 3.500 Experten haben dort über neue Konstruktionssoftware gesprochen.

30. März 2007

In den Läden des French Quarters lagen Halsketten in den Farben der Stadt und schrill bunte Federmasken. The Big Easy will zwei Jahre nach dem Hurrikan Katrina wieder zur gewohnten Leichtigkeit finden.

Signale für New Orleans

Doch es fällt schwer. Die Touristenzahlen stimmen noch nicht ganz. »Viele glauben, auch, das French Quarter sei zerstört und bleiben zu Hause«, sagt ein Tourismusexperte der Stadt. Für New Orleans war es ein gutes Zeichen, als SolidWorks Signale wie dieses Treff en setzte. Auch praktische Signale, denn die neuen Dämme werden auf Basis von SolidWorks-CAD aufgebaut. Hier zeigt sich das Engineering mit 3D-CAD von seiner besten Seite: Design für die Menschen in einer wunderbaren Stadt. »Design with Vision«, so titelte das weltweit größte 3D-CAD Ereignis.

Die Frage, wie es ein 600-Leute-Unternehmen geschaff t hat 3.500 Besucher auf der Konferenz zu begrüßen, ist schnell beantwortet: »Highlights für Konstrukteure wie neue Features in 3D, eine angenehme Konferenz-Atmosphäre und eine Traumstadt«, zählt ein Besucher aus Deutschland auf, warum er die weite und teure Reise auf sich genommen hat. Viele Besucher des Events folgen schon seit 10 Jahren dem Ruf von SolidWorks zum großen Anwendertreff en. Klingende Namen wie Orlando, Las Vegas und jetzt New Orleans sprechen für Flair in der Welt der CAD-Anwender. Doch das Flair der Stadt erklärt nicht alles.

Neugier und Kreativität

Wenn sich 3.500 Anwender treffen, geht es zuerst um Arbeitserleichterung - und zwar um mehr als marginale Verbesserungen der Software, mit der Konstrukteure Tag für Tag neue Produkte entwickeln. Die kreativen Köpfe um SolidWorks-Entwicklungschef Austin O’Mally haben sich einiges einfallen lassen. Der Kunde gibt dabei die Richtung vor: »90 Prozent unserer Entwicklungen sind kundengetrieben. Die Anstöße für unsere Ideen kommen aus dem Alltag der Konstrukteure«, beschreibt Austin O’Mally die Strategie.

Interaktion ohne Hürden

Passend zum Treff en der Kreativen hat Apple-Gründer Steve Wozniak geschildert, wie Neugier hilft, bislang ungenutzte Technologien zu erforschen. »Die Beziehung zwischen Computer und Benutzer ist symbiotisch: Computer können in einer Sekunde Millionen Dinge tun, der Mensch schaff t in einer Sekunde höchstens eine Sache. Um Computer effizient zu machen, sind Algorithmen und intelligente Lösungsansätze gefragt. Nur die Interaktion zwischen Mensch und Computer bewegt etwas.« Die Interaktion soll ohne Hürden verlaufen, also intuitives Konstruieren mit einem CAD-Programm ermöglichen, das »unbemerkt « im Hintergrund arbeitet. »Wir haben das Ziel vor Augen: Unsere Kunden sollen ein Werkzeug an der Hand haben, um bessere Produkte schneller als andere entwickeln zu können«, sagt Rick Chin. Er gilt als einer der produktivsten Vordenker in Sachen 3D-CAD-Software. Unter seiner Regie ist Swift entstanden - das Programm für erweiterte Oberflächengestaltung und Baugruppenmechanismen. Um solch ein Programm zu entwickeln, müssen CADEntwickler die richtigen Fragen stellen: Was sind die größten Herausforderungen, das bessere Produkt zu entwickeln? »Wir schauen genau hin, um zu sehen, wo beim Konstruieren die meiste Zeit verschwendet wird«, sagt Rick Chin. »So entdecken wir Features, die das Arbeiten erleichtern und komplexe Probleme in einfache Schritte zerlegen.«

Wissen, wo der Schuh drückt

Auf der Suche nach den Kundenproblemen hilft der enge Kontakt zu den Partnern. Ein Großteil der Besucher des Treffens in New Orleans war Partner von SolidWorks. »Die Partner wissen, wo der Schuh drückt«, findet Rainer Gawlick. Er koordiniert weltweit das Marketing für SolidWorks. Die Tage in Louisiana haben auch dazu beigetragen, aktuelle Trends zu besprechen, wie sie nur die Kunden selbst und die Partner kennen, die sie direkt vor Ort in Sachen CAD beraten. »Die Partner sind ein Echo-System für kommende Trends in der Konstruktion«, sagt Rainer Gawlick. Einer dieser Trends ist zum Beispiel das größere Gewicht der Design-Konzeption, wie sie bei SolidWorks 2008 hinterlegt ist. »Unsere Kunden haben uns dazu ein eindeutiges Feedback gegeben«, sagt Austin O’Mally. Die Visualisierung wurde verbessert, Motion ist tiefer integriert, die Elektromechanik ist über Schnittstellen integriert - und überhaupt: »Die neue Version ist viel leichter und intuitiver zu handhaben«, verspricht Rick Chin.

Weniger Zeit für CAD

Dass das Bessere der Feind des Guten ist, zeigt sich an Swift. Rick Chins Entwickler haben auch hier angepackt: »In Sachen Swift-System hat sich einiges getan. Ähnliches gilt für die neue CAD-Version. Noch beansprucht das CAD-System zu viel Zeit, fanden einige Kunden. Wir haben die Komplexität reduziert und zum Beispiel die so genannten Feature-Trees herausgenommen. Sie haben das System unnötig verkompliziert.« Für Rick Chin sollte CAD kein Eigenleben führen: »Wir reden heute über Engineering-Konzepte. CAD ist ein Werkzeug - genauso wie ein Hammer. Das Zentrum ist die Konstruktionsidee. Wir wollen dem Kunden ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem er Technologien entwickeln und testen kann, bevor sie marktreif sind.« Analysen sollen deshalb sehr früh in den Designprozess integriert werden. Selbst Konstrukteure, die mit Analysefunktionen wenig vertraut sind, sollen mit dem System zurechtkommen. So können sie Konstruktionsänderungen rechtzeitig einplanen.

SolidWorks Lab lädt 3D-Modelle aus sämtlichen CAD-Systemen. Damit kann man Analysen definieren, und die Resultate werden per E-Mail zusgesendet. Das System braucht nicht installiert zu werden, denn es ist Web-basiert. Rainer Gawlick erklärt die Idee von Solid-Works Lab: »Wir haben eine Plattform, um Ideen auszutesten, können Web-based analysieren und schnell reagieren. SolidWorks Lab ist kein Produkt, sondern ein Service für unsere Kunden, den wir praktisch jede Woche aktualisieren können, da er nicht auf den Computern installiert ist.« Die Antwort auf die Frage, wo die CAD-Reise hin geht, ist für Rainer Gawlick klar: »Wenn das CAD-System so intuitiv ist, dass unsere Kunden es nicht mehr wahrnehmen, dann haben wir unser Ziel erreicht.«

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 02/2007