Dicht bei Wind und Wetter

Spezial Windkraft

Dichtungstechnik – Windkraftanlagen besitzen konstruktionsbedingte Öffnungen an Gondel, Turm und Rotorwelle. Innovative Dichtungstechnik auf Basis von Bürsten verhindert zuverlässig das Eindringen von Feuchtigkeit und die Entstehung von Kondensationswasser.

18. Februar 2013

Ein wesentliches Element einer wirtschaftlichen Nutzung der Windenergie neben einem möglichst geringen Turmkopfgewicht, effizienten Antrieben, verbesserten Fundamenten und der kostengünstigen Installation der Windkraftanlagen ist ein störungsfreier Betrieb über einen möglichst langen Zeitraum. Probleme bereitet dabei vor allem in Offshore-Anlagen die hohe Luftfeuchtigkeit in Turm und Gondel durch das Seewasserklima. Dabei setzt sich einerseits an den vergleichsweise kalten Außenwänden Kondensationsfeuchtigkeit ab, die zu Korrosion und Kurzschlüssen der elektrischen Anlagen führt. Zum anderen können durch die Öffnungen an der Gondel Nebel, Regen und allgemein die Außenluft eindringen und die Feuchtigkeit im Inneren erhöhen. Der hohe Salzgehalt der Luft beschleunigt die Korrosion zusätzlich.

Lindern lässt sich diese Problematik zum Beispiel durch ein ungewöhnliches Abdichtungskonzept, das der Bürstenspezialist Mink mit Sitz in Göppingen-Jebenhausen entwickelt hat. Der wesentliche Unterschied des Systems mit der Bezeichnung Mink Flex zu vergleichbaren Dichtungslösungen aus Werkstoffen wie Gummi oder Schaumstoff ist die große mechanische Anpassungsfähigkeit durch die zahlreichen punktuell kontaktierenden Fasern. Eine solche Bürsten-Dichtung schirmt so einerseits seeklimatische Einflüsse zuverlässig ab und erlaubt gleichzeitig einen Austritt der Kondensationsfeuchte. Dies ermöglicht vielfältige Abdichtlösungen, etwa bei Übergängen von Dachelementen zur Seitenwand, von der Seitenwand zu den Bodenelementen sowie bei allen konstruktionsbedingten Öffnungen, wie zum Beispiel zwischen Gondel, Turm und Rotorwelle oder an den Revisionsöffnungen.

Flexibel bei großen Toleranzen

So lässt sich zum Beispiel die Pitchverstellung der Rotorblätter mit Bürstendichtungen gegen korrosive Medien von außen sowie gegen austretendes Fett von innen abdichten. Die Anpassungsfähigkeit der Fasern an die unterschiedlichsten Gegebenheiten erlaubt dabei einen Einsatz bei beliebigen Zahnradgrößen und bei Spalten mit hohen Maßtoleranzen. Der ausschließlich punktuelle Kontakt verhindert einen Farbabrieb an den kontaktierten Bauteilen sowie das Festfrieren der Faserbündel.

Als weitere Schutzmaßnahme gegen Korrosion ermöglicht das System zudem mit Hilfe eines Lufttrockners und eines Gebläses den Aufbau eines Luftpolsters aus trockener Luft in dem Zwischenraum zweier Bürstenreihen, was die Anlage gegen feuchte und salzhaltige Luft abschirmt. Damit wird auch bei ungünstiger Windlage und Schräganströmung ein Eindringen von Regen und Schnee verhindert. Als nützlich erweisen sich die Bürsten außerdem im Bereich des Blitzschutzes. Hier ermöglicht der Einsatz von leitfähigen Bürsten die Ableitung der Blitzspannung von der Rotornabe hin zum Haupt-Erdungskabel.

Das Mink-Flex-System besteht aus einem Bürstenkörper aus einem hochflexiblen, UV- und ozonbeständigen, hitzebeständigen und strapazierfähigen Kautschuk der Brandschutzklasse UL94 HB und gebündelten Polyesterfasern, die eine geringe Wasseraufnahme mit einer hohen mechanischen Beanspruchbarkeit und hoher Eigensteifigkeit verbinden.

Auf einen Blick

-Die 1845 gegründete August Mink KG mit Sitz in Göppingen ist der Weltmarktführer im Bereich der Faser- und Bürstentechnologie für industrielle Anwendungen.

-Das Produktportfolio umfasst zahlreiche Leisten-, Teller-, Walzen-, Rund-, Streck- und Schutzbürsten für die Anwendungsfelder Oberflächenbearbeitung, Abdichten, Transportieren und Breitstrecken sowie für die Innenarchitektur.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013