Dichter Kanal

Technik

Clinchen – Luftkanäle sind so etwas wie die Königsdisziplin für Verbindungstechniker. Die Anforderungen an die Dichtheit sind hoch. Ein neues Clinchwerkzeug kann’s und hat das sogar schriftlich.

18. April 2011

Eine etablierte Alternative zum Schweißen als Fügeverfahren in der Blechverarbeitung sind umformende Verfahren wie das Clinchen. Dabei werden zwei- oder mehrlagige Verbindungen durch eine druckknopfähnliche Kaltumformung form- und kraftschlüssig fest miteinander verbunden.

In der Fachwelt kursiert eine Reihe von Prädikaten für diese Technik: Sie benötige keine zusätzlichen Verbindungselemente, arbeitete energiesparend, verlange nur geringe Investitionskosten, erfordere weder Vor- noch Nachbearbeitung der Materialien, sei einfach zu handhaben und ermögliche schnelle Fertigungszeiten.

Darum sollen umformende Verfahren wie das Clinchen heute zu den ausgereiften Verbindungstechniken gehören und einen hohen Standard in puncto Wirtschaftlichkeit, Prozesssicherheit und Einsatzmöglichkeiten erreichen.

Ein kritisches Einsatzgebiet umformender Verfahren ist der Luftkanalbau. Dabei ist jeder tagtäglich damit konfrontiert, denn Luftkanäle aus Blechprofilen sorgen für gute Luft und somit für eine verbesserte Lebensqualität. Allerdings stoßen die bisherigen Verbindungstechniken hier an ihre Grenzen, denn egal ob Warmluft, Kaltluft oder Abluft – wichtigstes Qualitätskriterium für Luftleitsysteme ist deren Dichtheit.

Eine Anforderung, die in der Vergangenheit vorzugsweise durch Verschweißen der eingesetzten Bleche erreicht werden konnte. Doch das Verfahren ist vergleichsweise aufwendig, wenig umweltfreundlich, energieintensiv und mit hohen Kosten für die Nachbehandlung von Materialien verbunden.

Bisher kamen bei den dort eingesetzten, zum Teil nicht rostenden Materialien Clinchwerkzeuge für Rechteckpunkte zum Einsatz, bei denen die Verbindung an zwei Seiten eingeschnitten wird. Aus diesem Grund gilt der Punkt – im Gegensatz zur Rundpunktgeometrie – als nicht gasdicht.

Als erster und bisher einziger deutscher Hersteller hat jetzt das Bielefelder Familienunternehmen Böllhoff das TÜV-Zertifikat für absolut dichte rechteckige Clinchpunkte erhalten, alle vier Dichtheitsklassen A bis D werden erfüllt. Mit dem vom TÜV Nord zertifizierten System Rivclinch 0404 IP Aero ist es erstmals gelungen, Luftkanäle so dicht zu bauen, wie es die Branche benötigt. Mit einem speziell konzipierten Werkzeugsatz für das Clinchen eröffnet Böllhoff seinen Anwendern aus dem Luftkanalbau eine wirtschaftliche Technologie und damit mehr Möglichkeiten.

»Wir stellen hohe Anforderungen an die Dichtheit unserer Luftkanäle«, berichtet zum Beispiel Norbert Lange von der Robert Geiger Technische Bauteile GmbH aus Ichenhausen, einem Hersteller von lüftungstechnischen Komponenten. »Mit dem TÜV-Zertifikat für die Dichtigkeit von rechteckigen Clinchpunkten bekommen wir von Böllhoff eine branchenorientierte, neuartige Lösung. Damit wird das Fügen nun auch bei uns im Luftkanalbau zu einer Alternative zum Schweißen.«

Modulares System

Unter dem Markennamen Rivclinch bietet das Bielefelder Unternehmen ein umfassendes Sortiment für ein großes Einsatzspektrum. Basis dafür ist ein breites Programm aus Handzangen, modular konfigurierbaren Baukastensystemen und Werkzeugsätzen. Damit lassen sich neben Stahl- und Edelstahlwerkstoffen auch Aluminium und andere Nichteisenwerkstoffe sowie vorlackierte Bleche rationell und umweltfreundlich miteinander verbinden.

Das pneumatisch betriebene Handgerät Rivclinch 0404 IP Aero besitzt ein robustes Gehäuse mit einem geringen Gewicht von 4,5 Kilogramm, es ermöglicht schnelle Fügevorgänge von etwa 0,5 Sekunden und bietet dem Anwender eine hohe Flexibilität. Mit einer Fügekraft von 35 Kilonewton bei 6 bar verbindet es unterschiedliche Materialien wie Stahl, Edelstahl oder Aluminium problemlos.

Eine spezielle Ausladung verschafft hohe Zugänglichkeit auch an schwer erreichbaren Verbindungsstellen des Luftkanals. Zusätzlich kann die Fügerichtung je nach Bedarf einfach gedreht werden. Die Matrize ist komplett geschützt und an das Luftkanalprofil angepasst. Aufgrund des rein pneumatischen Antriebes sind weder ein Druckübersetzer noch hydraulische Komponenten erforderlich. Der angepasste Werkzeugsatz rundet die Ausstattung des Geräts ab.

Mit der aktuellen Zertifizierung kann Böllhoff seine Kompetenz beim Fügen untermauern: »Die konsequente Orientierung an den Anforderungen von Branchen und Kunden ist für unser Haus Dreh- und Angelpunkt bei der Erarbeitung optimaler Lösungen«, betont Horst Wittop, Teamleiter Systemvertrieb bei Böllhoff. Mit dieser Ausrichtung hat sich Böllhoff nach eigenen Angaben weltweit zum führenden Anbieter von Verbindungselementen, Montagetechnik und Verarbeitungssystemen entwickelt. So will das Unternehmen ideale Voraussetzungen schaffen für beste Verbindungsqualität und die Clinchtechnologie im Luftkanalbau weiter optimieren.

Auf einen Blick

Der Rivclinch 0404 IP Aero

- Verbindungswerkzeug für absolut dichte rechteckige Clinchpunkte im Luftkanalbau

- Dichtigkeit zertifiziert vom TÜV Nord

- Robustes Gehäuse, Gewicht 4,5 Kilogramm

- Schnelle Fügevorgänge von 0,5 Sekunden

- Hohe Flexibilität für den Anwender

- Fügekraft: 35 Kilonewton bei 6 bar

- Verbindet unterschiedliche Materialien wie Stahl, Edelstahl oder Aluminium

Erschienen in Ausgabe: 03/2011