„Die europäischen Märkte sind noch verhalten“

Rockwell Automation bringt diesen Sommer den EtherNet/IP-fähigen Servoantrieb Kinetix 300 für kostengünstige Anwendungen und die Modelle Allen-Bradley Compact GuardLogix L43S und L45S auf den Markt. Die :K sprach mit Dr. Jürgen Weinhofer, Director Integrated Architecture EMEA bei Rockwell Automation, über Ziele des Unternehmens, den Aufschwung und das Thema Kostenersparnis.

13. Juli 2010

Generell haben wir die Aufteilung zwischen dem OEM-Bereich und dem Endkundenbereich. In beiden Bereichen sehen wir starke Wachstumsmöglichkeiten. Entsprechend ist unsere Produktphilosophie ausgelegt, um mit der Integrated Architecture skalierbare Lösungen von der CompactLogix bis hin zur ControlLogix anzubieten. Die OEM-Industrie, die aktuell einen besseren Preis pro Performance anstrebt, können wir dementsprechend sehr stark unterstützen. Und hier sehen wir Wachstumsraten, im großen Teil durch Verdrängung von Mitbewerbern. Im Endkundenbereich ist es sehr viel einfacher für uns, weil wir hier unsere Kunden schon seit Jahrzehnten global betreuen.

Wie sehen Sie die Situation bei den Maschinenbauern?

Von 2008 auf 2009 waren wir natürlich auch von dem generellen wirtschaftlichen Einbruch betroffen, der in unserem Bereich um die 20 Prozent ausmachte. Wenn ich mir die Zahlen jetzt ansehe, und zwar im Speziellen den Motion Control-Bereich, der natürlich sehr stark von den Maschinenbauern geprägt ist, sind wir heute schon wieder nahe an den 2008er Zahlen dran. Es ist sehr interessant, wie schnell sich der Markt wieder erholt hat. Rockwell Automation ist natürlich bekannt dafür, global aktiv zu sein. Dementsprechend verwenden sehr viele von den OEMs, die global ausliefern, Rockwell Automation. Und die scheinen sich eigentlich sehr gut erholt zu haben.

Auch die deutschen Maschinenbauer?

Bei den deutschen Maschinenbauern hinkt es noch etwas hinterher. Der skandinavische und italienische Markt hat schneller wieder Fuß gefasst.

Wie erklären Sie sich die Unterschiede und dieses plötzliche Wachstum?

Im Speziellen hängt dies nicht von den europäischen Endkunden ab, sondern wird von den globalen Endkunden getrieben. Sehr viele Endkunden investieren weiterhin im asiatischen oder lateinamerikanischen Markt und die OEMs, die an diese Kunden liefern, haben jetzt wieder ein gutes Leben.

Wie macht sich aktuelle der schlechte Wechselkurs bemerkbar?

Es trifft uns etwas bei den Zukäufen von Komponenten. Aber im Großen und Ganzen sind die Auswirkungen für uns als Unternehmen nicht so gravierend. Der Grund liegt daran, dass wir global aufgestellt sind. Wir haben Fertigungsstellen in Amerika, Europa und Asien. Dementsprechend balancieren wir dieses Risiko. Auf längere Sicht hat der Wechselkurs eher positive Auswirkungen auf die europäischen OEMs, da deren Maschinen auf dem Weltmarkt verstärkt konkurrenzfähig sind.

Was erwarten Ihre Endkunden von Ihnen?

Wir haben mit verschiedensten Firmen Umfragen gemacht und wir veranstalten gezielt Value-Foren, in denen unsere Kunden Erfahrungen austauschen. Die Kunden erwarten ganz klar eine verbesserte Produktivität, um mehr Gewinn zu erwirtschaften. Diese Produktivität resultiert aber auch aus den Zeiteinsparungen bei der Anlagenimplementierung. Zusätzlich spüren unsere Kunden den Druck der Globalisierung und erwarten hier von uns verstärkt Unterstützung. Das gilt besonders für die Endkunden. Viele haben andere Firmen gekauft, deren Systeme nun integriert werden müssen. Und natürlich besteht der Druck, in diesem globalen Umfeld immer mehr und schneller Produktinnovationen auf den Markt zu bringen. Außerdem sollen Unternehmen immer nachhaltiger arbeiten. Bei der Lösung dieser Probleme helfen wir beispielsweise mit dem Einsatz einer skalierbaren Architektur.

Damit die Kunden mehr sparen können, bieten Sie mehr modulare Systeme an?

Ja, die Skalierbarkeit der Architektur ist eine technische Möglichkeit. Das bedeutet: man kann vom Kleinst- bis zum Großsystem die Technik so zusammenstellen, dass sie gerade genug Funktionalität und Leistung bietet. Die Leute wollen nicht mehr das Teuerste kaufen, sondern eher das, was nötig ist. Manche unserer Kunden bauen auch erst einmal Testmärkte auf und prüfen dann beispielsweise, ob eine bestimmte Geschmacksrichtung in einem Land angenommen wird. Wenn das eintrifft, dann möchten sie innerhalb von sehr kurzer Zeit entweder regional oder auf dem weltweiten Markt expandieren. Und hier ist die Skalierbarkeit extrem wichtig, um diese Innovationskraft zu unterstützen.

Könnten Sie dafür ein konkretes Beispiel nennen?

Ein Kunde von uns ist beispielsweise Nestlé mit Nespresso. Das Unternehmen hat zum Ausprobieren auch sehr klein mit einer Linie angefangen und dazu die ControlLogix-Steuerungen und Kinetix-Servoantriebe von uns eingesetzt, also das gesamte Steuerungssystem für die Verpackung. Nestlé ist mit Nespresso dann natürlich extrem schnell gewachsen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Tests, die nicht gut laufen, und dann hat der Kunde nicht so viel Geld in die Hand genommen.

Man hört schon seit Jahren, dass der Trend immer weiter zum sparen, sparen und nochmal sparen geht. Gibt es für Sie Grenzen und wie machen Sie das dann mit der Qualität?

Also, die Grenze rückt immer weiter hinaus. Wir sehen, dass viele der Firmen jetzt als Vorgabe eine Produktivitätssteigerung von drei bis vier Prozent haben, und zwar jedes Jahr! Vor zehn Jahren hab ich gedacht: das wird nach drei bis vier Jahren aufhören. Jetzt, 10 Jahre später, geht es aber immer noch weiter! Bei der Produktivität gibt es immer noch sehr viele Möglichkeiten und Bereiche, die noch nicht ganz ausgeschöpft sind. Zum Beispiel bieten wir durch die Integration zwischen unseren Motion Control Produkten und Dassault Systèmes SolidWorks eine mechatronische Lösung, welche die Entwicklungszeit neuer Maschinen weiter verkürzt, bisher aber erst von den fortschrittlichsten Maschinenbauern eingesetzt wird.

In diesem Sinne dann auch die Kinetix 300?

Die Kinetix 300 reduziert die Systemkosten. Es ist ein Produkt, das darauf zielt, dass ich für das eingesetzte Geld gerade genug – also das Notwendige – bekomme. Beispielsweise kann ich eventuell anstelle der Kinetix 6000 die Kinetix 300 einsetzen und dementsprechend Anschaffungskosten sparen.

Für welche Anwendungen eignet sich die Compact GuardLogix?

Wie die GuardLogix, so wird auch die Compact GuardLogix in vielen Bereichen eingesetzt, beispielsweise um eine gesamte Verpackungslinie zu sichern. Die Compact GuardLogix ist nämlich nicht nur dafür da, die Sicherheitsfunktionen auszuführen, sondern sie ist auch für die gesamte Maschinensteuerung zuständig. Die Kostenersparnis liegt zum einen bei der Integration. Denn es besteht weniger Verdrahtungsaufwand auf Grund der sicheren Netzwerke. Aber zum anderen ist auch die Entwicklung vereinfacht, weil die Leute nichts Neues dazulernen müssen da die Programmierung der Sicherheitsfunktionen und der Standardfunktionen mit den gleichen Programmierwerkzeug RSLogix 5000 durchgeführt wird. Und auch von der Zertifizierungsseite ist es einfacher, wenn man ein System hat und nicht mehrere zusammenführen muss.

Wie hoch ist denn die Kostenersparnis im Vergleich zu den anderen Lösungen?

Wenn man den Zeitaufwand für die gesamte Applikation mit einrechnet, rechne ich so zwischen 20 und 30 Prozent.

Zum Schluss eine letzte Frage zur neuen Maschinenrichtlinie: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Die Umsetzung von der Produktseite war vollkommen problemlos. Weniger gut ist es um das derzeitige Wissen der OEMs bestellt. Sehr viele der Maschinenbauer sind sich sehr unsicher bezüglich der Normierung. Während sich die größeren Maschinenbauer auskennen, haben die Kleineren noch keinen Spezialisten für die neuen Safety-Normen. Da sehen wir eigentlich zurzeit die größten Schwierigkeiten, aber auch das größte Potential für uns, hier die Services anzubieten. Wir haben ein sehr großes Team, welches die Beratungen durchführt und die Maschinenbauer schult, wie man für ihre Maschine die neuen Richtlinien auslegen muss.

Das Interview führte Angela Unger