»Die Farbe Blau erhält einen neuen Glanz«

Strategie - Pfaff-silberblau hat sich strategisch neu ausgerichtet. »Wir wollen der blauen Farbe der Marke Pfaff-silberblau einen neuen Glanz verleihen - mit Qualität, Innovation und absoluter Kundenorientierung«, sagt Dr. Volker Bartelt, der Sprecher der Geschäftsführung.

16. Oktober 2007

Herr Dr. Bartelt, Sie sind seit April 2007 bei Pfaff-silberblau. War das für Sie ein guter Zeitpunkt, die Geschäftsführung zu übernehmen?

Bartelt: Der beste! Bei Pfaff-silberblau gab es in den letzten Monaten eine Reihe von Veränderungen: Mit EQT haben wir einen neuen finanzstarken Investor an Bord, und wir stehen kurz vor dem Umzug in neue Produktions- und Verwaltungsgebäude. Dies war für mich der richtige Zeitpunkt, um eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens einzuleiten.

Sie sind Geschäftsführer und Doktor der Ingenieur-Wissenschaften?

Bartelt: Das stimmt, und das hat seinen Grund: Für Pfaff -silberblau ist es jetzt wichtig, einen Ingenieur in der Geschäftsführung zu haben. Ich leite vorzugsweise technisch orientierte Unternehmen, in denen technisch und technologisch getriebene Geschäftsprozesse im Vordergrund stehen. Ich bringe die technische Innovation wieder ins Rollen und richte diese auf die Erfordernisse des Vertriebes und somit auf den Kunden aus.

Wie schnell verlieren Unternehmen technologisch den Anschluss?

Bartelt: Das kann schnell gehen. Die Gründer vieler mittelständischer Unternehmen waren Ingenieure. In der darauf folgenden Generation dominierten die Kaufleute, die mit den technischen Erfindungen ihrer Väter die nächsten Jahre überbrücken konnten. Aber dann stagnierte dort oft die Innovation, weil den technischen Mitarbeitern der Freiraum fehlte und Topingenieure abwanderten. Deshalb sind heute wieder Ingenieure an der Unternehmensspitze gefragt, die Innovationen vorantreiben. Pfaff -silberblau hat zwar technologisch niemals den Anschluss verloren, aber es war an der Zeit, interne Strukturen zu reorganisieren, um weiteren Innovationen den Weg zu ebnen.

Was haben Sie für die strategische Neuausrichtung getan? - Bartelt: In den ersten fünf Monaten habe ich mich bei Pfaff -silberblau in erster Linie um die neue Organisation der Prozesse gekümmert. Wir haben umstrukturiert und die Versorgungskette, die Supply Chain, geschlossen. Mit der Einführung der Abteilungen Forschung & Entwicklung sowie Produktmanagement ist nun die Möglichkeit gegeben, über die Neuklassifizierung und Nummerierung unser Produktportfolio gezielt für unsere Kunden weiterzuentwickeln und dabei extrem kurze ›times to market‹ zu erreichen. Darüber hinaus haben wir eine neue Strategie für unseren Bereich Verkehrstechnik. Die Verkehrstechnik sitzt nun in enger Zusammenarbeit mit unseren ausländischen Tochtergesellschaften wesentlich dichter an unseren Kunden und kann damit in der jeweiligen Landessprache die anfallenden Projekte wesentlich effizienter durchführen. Last but not least haben wir unseren Service und Kundendienst wesentlich verstärkt, um zukünftig unsere Kunden mit angeforderten Ersatzteilen und Dienstleistungen aktiv zu versorgen.

Diese Umstrukturierung bezog sich doch darauf, dass Sie die Bereiche Hebezeuge & Fördergeräte und Antriebstechnik zusammengelegt haben?

Bartelt: Richtig, wir haben Vertrieb und Technik dieser beiden Bereiche zusammengelegt und ein »Zentrales Auftragszentrum « geschaffen. Denn zwei Vertriebe und zwei Konstruktionsabteilungen machen für uns als mittelständisches Unternehmen mit 325 Mitarbeitern und einem Umsatz von 65 Millionen Euro keinen Sinn. Diese Zentralisierung kommt unseren Kunden in allen Phasen der Zusammenarbeit zugute: Anfragen werden schneller beantwortet, Liefertermine zuverlässig eingehalten und die Qualität der Pfaff-silberblau-Produkte wird konstant weiter verbessert.

Wie haben Sie umorganisiert? - Bartelt: Wir haben ganz streng nach einer Funktionsstruktur organisiert und eine echte Supply Chain für das ganze Unternehmen angelegt, angefangen beim Vertrieb bis zum After Sales Service. Im Fokus steht dabei ganz klar die Technik - wir haben sie aus den Bereichen Antriebstechnik und Hebezeuge & Fördergeräte zusammengeführt, sie weiter ausgebaut und das Produktmanagement dort aufgehängt. Danach kommt die Projektierung/Auftragskonstruktion und - vollkommen neu - die Abteilung Forschung & Entwicklung.

Was ist das Besondere an den F& Aktivitäten?

Bartelt: Die neue F& -Abteilung kümmert sich um die Entwicklung neuer Produkte, aber auch um die Weiterentwicklung der bestehenden bewährten Produkte, zum Beispiel durch den Aufbau von Produktplattformen, Standardisierungen, den Einsatz neuer Materialien und die Auslegung von fertigungs- und montagegerechten Konstruktionen, die stets unter einem wertanalytischen Aspekt entwickelt werden. Während im Bereich der Entwicklung neuer Produkte die Zusammenarbeit mit dem Vertrieb im Vordergrund steht, bildet bei der wertanalytischen Betrachtung unserer bestehenden und neuen Produkte die Zusammenarbeit mit dem strategischen Einkauf, unserer Eigenfertigung und unseres Produktmanagements den Schwerpunkt der Aktivitäten.

Was verstehen Sie unter wertanalytischer Betrachtung? - Bartelt: Pfaff-silberblau steht für qualitativ sehr hochwertige Produkte. Den Sicherheitsstandard unserer Produkte werden wir weiterhin hoch halten, da dieser die Basis für den Erfolg von Pfaff -silberblau am Markt bildet. Überdurchschnittliche Qualität hat ihren Preis, aber wir optimieren diesen durch eine fertigungs- und montagegerechte Konstruktion, womit wir als Ergebnis hieraus direkt eine Reduzierung unserer Herstellkosten durch kürzere Fertigungs- und Montagezeiten erzielen. Darüber hinaus werden während der Entwicklung von Produkten frühzeitig die Beschaffung, der Einkauf und die Disposition eingeschaltet, damit ausschließlich Zukaufteile mit kurzen Wiederbeschaffungszeiten und unseren Produkten entsprechenden wirtschaftlichen Einkaufspreisen in die Konstruktion einfließen. Die Auslegung unserer Produkte in Form von Baukasten- und Plattformsystemen bildet hierfür die Grundlage. Eine Optimierung von Standards, die die Bedürfnisse unserer Kunden in keiner Weise einschränkt, rundet dann die Ausrichtung unserer wertanalytischen Betrachtungen ab.

In Asien geht es meist mehr um den Preis als um die Qualität - ist das trotzdem ein wichtiger Markt für Sie?

Bartelt: Unbedingt, denn auch in Asien gibt es eine große Nachfrage für Qualitätsprodukte mit hohen Sicherheitsstandards. Ob in Fernost oder in Europa: Wir bieten technische Lösungen an, die sicher sind und einen wettbewerbsfähigen Preis haben - und damit am Markt gefragt sind. Derzeit bildet der asiatische Markt besonders im Bereich der Verkehrstechnik ein großes Potenzial als Kundenmarkt, während in den Bereichen der Hebe- und Fördertechnik der asiatische Markt eher einen Markt für Zukaufteile darstellt.

Herr Hintermeier, wie wirken sich diese Neuerungen auf die Technikentwicklung aus? - Hintermeier: Wir haben unsere Kräfte gebündelt, denn durch die Zusammenlegung der Bereiche Antriebstechnik und Hebezeuge & Fördertechnik waren einige Funktionen doppelt besetzt. Heute arbeiten die Spezialisten aus der Entwicklung in einer Abteilung eng zusammen und tauschen ihr Fachwissen verlustlos aus - und wir können auf größere Ressourcen zurückgreifen. Mit der Neuorganisation wurde auch die Auftragskonstruktion von anderen Tätigkeiten befreit und kann sich wie die Entwicklung auf die termingerechte Erfüllung ihrer Kernaufgaben konzentrieren.

Wirkt sich die Neuorganisation auch auf die Standardisierung ursprünglich kundenspezifischer Produkte aus?

Hintermeier: Sicher, denn die Zusammenarbeit der Entwickler mit den Kollegen aus der Auftragskonstruktion erleichtert die Standardisierung. Durch den engen Austausch können aus einem kundenspezifischen Projekt schnell neue Produkte entstehen. An diesem Prozess wirkt jetzt auch das Produktmanagement aktiv mit, das heute nicht mehr dem Vertrieb, sondern der Technischen Leitung unterstellt ist. Es ermittelt vor der Standardisierung das Marktpotenzial eines möglichen neuen Produktes und tauscht sich dafür mit Unternehmenstöchtern, dem Vertrieb, den Technikern, aber auch mit Kunden aus.

Sie bezeichnen sich als Solution Provider. Warum? - Bartelt: Unsere Philosophie lautet ganz klar: ›Alles aus einer Hand: One face to the customer and one face to the supplier‹. Wir liefern nicht einfach nur ein Produkt mit Bedienungsanleitung, sondern insbesondere im Bereich Antriebs-, Bühnen- und Verkehrstechnik individuelle Engineering-Lösungen. Wir analysieren die Probleme der Kunden, erarbeiten für sie die optimale Lösung, beraten und unterstützen sie in deren Umsetzung und sind auch danach noch ihr zuverlässiger Service- und Ansprechpartner.

Sie entwickeln in der Antriebstechnik also immer wieder Lösungen, die regelrecht prototypisch sind?

Hintermeier: Nicht ganz, denn bei unseren Konstruktionen setzen wir immer bewährte Produkte aus dem Baukastensystem von Pfaff-silberblau ein. Wir variieren je nach Aufgabenstellung zum Beispiel Hubhöhe, Gewicht oder Einstellgenauigkeit und realisieren individuelle Steuerungen. Damit kann sich der Kunde stets darauf verlassen, dass seine Lösung erprobt und sicher ist und dem neuesten Stand der Technik entspricht. Das macht unser Baukastensystem so ideal! Wir sind also in der Lage in der Antriebstechnik und bei den Hebezeugen & Fördergeräten unserem Kunden sehr kompetent alles aus einer Hand zu bieten: von der technischen Beratung bis in die Entwicklung hinein.

Wie innovativ kann ein Unternehmen mit starkem mechanischen Anteil sein? - Bartelt: Die ständige Weiterentwicklung unserer Produkte garantiert jetzt das Produktmanagement mit einem Product-life-cycle-Management, das stets die Bedürfnisse unserer Kunden im Auge behält. Gleichzeitig nehmen wir Anregungen aus dem Markt auf, um Neuentwicklungen auf den Weg zu bringen. Aber wir denken auch in andere Richtungen, zum Beispiel an den Einsatz neuer Materialien in unseren Produkten, soweit dieses unter wirtschaftlichen Aspekten - Senkung der Herstellkosten, Verringerung von Wiederbeschaffungszeiten und Aufbau von Mehrlieferantenverhältnissen - bei Berücksichtigung aller sicherheitstechnischen Erfordernisse möglich ist.

Was bedeutet ›Prozessorientierung‹ bei Pfaff-silberblau?

Hintermeier: Das bedeutet, dass jeder unserer Mitarbeiter sein Know-how in ein Team einbringt, das einen Teil des Prozesses verantwortet - und damit unabdingbarer Bestandteil der Supply Chain ist. In einem einzelnen Projekt bedeutet dies, dass eine Kundenanfrage auf ihre Machbarkeit hin geprüft und ein Projektantrag gestellt wird. In einem Pflichtenheft wird dann ein verbindlicher Zeit-, Kosten- und Personalplan festgeschrieben, der auch klärt, welche Ressourcen für dieses Projekt gebunden werden. In unserem neuen Prozess kommt aber auch die strategische Produktentwicklung nicht zu kurz: Das Produktmanagement leitet aus den Projekten Impulse für den konsequenten Aufbau von Baukastensystemen, aber auch die Reduzierung von Varianten ab.

Bartelt: Das Ziel unserer Prozessorientierung ist es, plakativ ausgedrückt, der blauen Farbe der Marke Pfaff -silberblau einen neuen Glanz zu verleihen - mit Qualität, Innovation und absoluter Kundenorientierung. Hierbei stellt der Aspekt der Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen in unserer Firmengruppe einen wesentlichen Schwerpunkt unserer Firmenpolitik dar.

Peter Schäfer

Fakten

- Dr. Volker Bartelt studierte an der RWTH, Aachen, Elektrotechnik. Nach der Promotion hatte er zahlreiche Führungspositionen inne. Seit dem 1. April 2007 ist Bartelt als Geschäftsführer der Pfaff-Beteiligungs-GmbH und der Pfaff-silberblau Hebezeugfabrik GmbH & Co. KG tätig.

- Ulrich Hintermeier studierte Maschinenbau und ist seit 1989 bei Pfaffsilberblau. Innerhalb der neuen Organisationsstruktur ist er u. a. Leiter für Technik und Entwicklung mit den Bereichen F& , Projektierung, Konstruktion sowie Produktmanagement.

Erschienen in Ausgabe: 07/2007