Die Hürden besser meistern

Serie MRL

EU-Maschinenrichtlinie – Anwendbarkeit, harmonisierte Normen und CE-Beauftragter: Der letzte Teil der Serie beschreibt im Überblick, welche Neuerungen besonders wichtig sind.

12. November 2009

Hersteller müssen die neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG in wenigen Wochen verbindlich anwenden. Dieser Beitrag konzentriert sich deshalb überblickartig darauf, welche Neuerungen die Unternehmensprozesse beeinflussen. Der Richtlinientext dazu steht kostenlos zum Download unter: www.ibf.at/download.

Anwendbarkeit klären: Wie bisher ist zunächst festzustellen, ob das Erzeugnis der Maschinenrichtlinie unterliegt. Die teilweise neu gefassten Artikel 1 bis 3 bringen dabei wesentliche Erleichterungen: Artikel 1 regelt den Anwendungsbereich klarer als bisher, Artikel 2 definiert jetzt wichtige Begriffe, und in Artikel 3 grenzt die Maschinenrichtlinie zu anderen Richtlinien, insbesondere zur Niederspannungsrichtlinie, ab.

Zwei Verfahren: Bei Erzeugnissen, die unter den Anwendungsbereich der Maschinenrichtlinie fallen, unterscheidet Artikel 5 zwischen dem Verfahren für »Maschinen« und dem Verfahren für »unvollständige Maschinen«. Beim Verfahren für Maschinen gilt: Der Begriff »Maschine« bezeichnet alle Erzeugnisse des Artikels 1 Buchstabe a bis f. Also: Maschinen, auswechselbare Ausrüstungen, Sicherheitsbauteile, gegebenenfalls Lastaufnahmemittel, Ketten, Seile und Gurte sowie abnehmbare Gelenkwellen. Für diese Produkte ist das Verfahren entsprechend Artikel 5 (1) durchzuführen. Beim Verfahren für »unvollständige Maschinen« gilt: Artikel 2g definiert, um welche Erzeugnisse es sich dabei handelt. Endlich ist in Artikel 13 gesetzlich festgelegt, was für diese Produkte konkret zu tun ist. Aber Achtung: Die technische Dokumentation muss unter anderem die »Unterlagen über die Risikobeurteilung« enthalten. Daraus ergibt sich die Verpflichtung zur Durchführung einer Risikobeurteilung! Anstatt ownler bisherigen »Herstellererklärung« muss in Zukunft eine »Einbauerklärung« mitgeliefert werden.

Frühzeitige Risikobeurteilung: Die Erfahrung zeigt, dass die sicherheitstechnischen Überlegungen oft viel zu spät in die Entwicklungsprozesse einfließen. Auch die neue Maschinenrichtlinie schreibt in Anhang I die frühzeitige Risikobeurteilung als Grundlage der Konstruktion vor: »Der Hersteller einer Maschine oder sein Bevollmächtigter hat dafür zu sorgen, dass eine Risikobeurteilung vorgenommen wird, um die für die Maschine geltenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen zu ermitteln. Die Maschine muss dann unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Risikobeurteilung konstruiert und gebaut werden.« Neu ist, dass das bisher in Normen definierte »iterative Verfahren zur Risikobeurteilung und Risikominderung« in die Richtlinie aufgenommen wurde.

Interne Fertigungskontrolle: Von Bedeutung wird die neue Forderung zu einer »internen Fertigungskontrolle« nach Anhang VIII (3) sein, die für Maschinen in den meisten Fällen zum Tragen kommen wird.

Technische Unterlagen: Eine neue Forderung ergibt sich aus Anhang VII A: Die technische Dokumentation muss in Zukunft auch alle Einbauerklärungen und Montageanleitungen für die in die Maschine eingebauten »unvollständigen Maschinen« sowie alle EG-Konformitätserklärungen für die in der Maschine eingebauten anderen Maschinen und Produkte enthalten.

Harmonisierte Normen: Im Zuge der Neugestaltung der MRL müssen ungefähr 600 Normen angepasst werden. Der Prozess ist in vollem Gange. Weil harmonisierte europäische Normen im Konformitätsbewertungsverfahren eine besonders wichtige Rolle spielen, arbeitet das seit 1995 verfügbare und TÜV-zertifizierte Softwaresystem Safexpert exakt nach deren Vorgaben. Safexpert prüft im Zuge der interaktiven Aktualisierung automatisch, ob laufende Projekte oder Vorlagenprojekte von Normenänderungen betroffen sind und zeigt diese in einer übersichtlichen Liste an. Darüber hinaus ermittelt Safexpert anhand der »persönlichen Favoriten«, für welche Personen im Unternehmen bestimmte Normenänderungen relevant sind und informiert diese per E-Mail. Ein Online-Video zeigt die Aktualisierungsmechanismen in kompakter Form unter: www.ibf.at/normmanager. Über die Aktualisierungen der harmonisierten Normen informiert die Firma IBF im Rahmen ihres kostenlosen CE-Info-Services, der als EMail-Newsletter im Internet abonniert werden kann unter: www.ibf.at/ce-infoservice.

Bevollmächtigte Person:

Eine besondere Neuerung stellt die Verpflichtung dar, sowohl in der Konformitäts- als auch in der Einbauerklärung zukünftig Namen und Anschrift jener Person zu nennen, die »bevollmächtigt ist, die technischen Unterlagen zusammenzustellen.« Antworten auf häufige Fragen zu dieser neuen gesetzlichen Forderung finden sich unter: http://www.ce-wissen.info/?p=1305.

CE-Beauftragter: Die Maschinenrichtlinie schreibt keine eigene Person vor. Je nach Größenordnung des Unternehmens und Komplexität der Maschinen kann es sinnvoll sein, dass sich ein CE-Beauftragter um die Einhaltung der sicherheitstechnischen Planungsprozesse kümmert. Aber Vorsicht: Trotz aufwendiger Maßnahmen werden die Unternehmensziele in der Praxis häufig nicht erreicht. Es empfiehlt sich die Unterscheidung zwischen Organisations- und Projektverantwortlichkeit. Um bei der Umsetzung Kosten zu sparen, hat IBF das neue Ausbildungkonzept »Der CE-Beauftragte in der Praxis« entwickelt: www.ce-beauftragter.de.

Christian Frick, ibf/aru

Erschienen in Ausgabe: 08/2009