Die Kette schwebt

Energieführungsketten - Energieführungen mit langen Verfahrwegen machen ein Problem: Das Obertrum der Kette legt sich auf das Untertrum und verursacht damit beim Verfahren erhöhten Verschleiß. Hier hilft nur Magnetismus.

01. Februar 2006

Energieführungsketten finden zunehmend Anwendung auch bei langen Verfahrwegen - im Kranbau, bei Regalbediengeräten oder bei Verteilwagen in Förderanlagen. Der Nachteil langer Wege war bisher, dass sich bei horizontaler Anordnung der obere Kettenteil, das Obertrum, mit seinem zum Teil immensen Gewicht auf das untere Kettenteil, das Untertrum, legt. Da das Untertrum stationär bleibt, das Obertrum aber mit dem beweglichen Teil verbunden ist, führt dies zwangsläufig zu Verschleiß und Geräuschbildung.

Prinzip Magnetschwebebahn

Diese Begleiterscheinungen sind lästig, kostspielig und verstoßen teilweise auch gegen gesetzliche Auflagen. Bisher dienten Gleitschuhe, Gleitschienen oder Rollen als Gegenmaßnahme. Das Einfachste wäre, wenn sich Obertrum und Untertrum gar nicht berühren. Die Ingenieure von Murrplastik haben jetzt einen Weg gefunden: Sie nutzen ein einfaches und bekanntes physikalisches Phänomen - den Magnetismus.

An allen Kettengliedern sind im Innenbogen beziehungsweise auf der Gleitschiene der Kette Magnete angebracht. Sie sind so gepolt, dass sie sich abstoßen, wenn sie sich gegenüberstehen. Das starke Magnetfeld sorgt auch bei hoher Zuladung des Obertrums mit Leitungen für den nötigen Abstand. Daraus resultiert eine logische Voraussetzung: Die Bauteile in der Umgebung, wie zum Beispiel die Ablegewanne, müssen antimagnetisch sein. Das Unternehmen aus Oppenweiler hat sein Programm deshalb bereits um Komponenten aus Kunststoff oder Aluminium ergänzt.

Schweben statt Gleiten oder Rollen bietet entscheidende Vorteile: Denn wo keine Reibung ist, gibt es keinen Verschleiß, keine Vibrationen und auch keine Geräusche. Auch die Antriebsleistung kann minimal sein und der Verfahrweg bedeutend länger.

Wo keine Reibung ist, lässt sich mit viel höheren Geschwindigkeiten fahren. Der hoch gelobte Transrapid macht es vor. Prädestiniert ist die Magnetkette für Anwendungen, bei denen sich der obere Kettenteil mit großer Wahrscheinlichkeit ablegt. Dies ist zum Beispiel bei Kränen mit Verfahrwegen von mehreren hundert Metern der Fall. Solche Anlagen sind häufig in Häfen vorzufinden, und dort kommt es wegen der teuren Liegezeiten ganz besonders auf Schnelligkeit an.

Magnetkette aus dem Baukasten

Auch wenn möglichst gering dimensionierte Antriebe, lange Standzeiten oder eine Geräuschreduzierung erforderlich sind, kann die neue Art der Energieführung punkten. Die Magnetkette basiert vollständig auf dem Murrplastik-Baukastensystem. Dadurch kommen auch bei dem neuen Produkt dessen Vorteile zum Tragen: Öffnen und Schließen per ›Klick-Verriegelung‹ und schnelle Bestückung durch das klappbare Regalsystem. »Wir bieten eine komplette Systemlösung für mehrere Anwendungsbereiche an: Energieführungsketten, Ablegewannen, Leitungen, Zugentlastungen und Konfektionierung«, sagt der Produktmanager Helmut Jostmeier und fügt hinzu: »Bei extremen Dauerbelastungen und Umwelteinflüssen haben unsere Ketten ihre Qualität und Langlebigkeit unter Beweis gestellt. Unsere Kettensysteme sind schnell lieferbar und das zu vernünftigen Preisen«

Friederike Morlok, Murrplastik Systemtechnik

FAKTEN

- Wo keine Reibung ist, gibt es keinen Verschleiß, keine Vibrationen, keine Geräusche.

- Ohne Reibung kann die Antriebsleistung sehr gering sein und der Verfahrweg bedeutend länger.

- Mit viel höheren Geschwindigkeiten fahren. Der Transrapid macht es vor.

Erschienen in Ausgabe: 01/2006