Die Kraft im Hintergrund

Spezial

Schaltschränke – Ganz klar im Vordergrund steht bei der Elektromobilität immer das jeweilige Gefährt. Doch ohne die Technik im Hintergrund geht nichts, wie das Beispiel der Schaltschrankbaureihe BN von Lohmeier zeigt.

16. Februar 2012

In vielen Bereichen des Lebens bleibt derjenige, der die Arbeit verrichtet, oft im Verborgenen, den Ruhm ernten die »an der Front«. Das ist auch der Fall in der Elektromobilität, konkret bei einem Elektro-Shopper oder neuen Ladesäulen, bei denen der unverzichtbare Schaltschrank weniger Beachtung findet.

Das ist für Lohmeier aus Vlotho, den Hersteller des Schaltschranks, aber nicht tragisch, denn diese Anwendungen sind Auslöser gewesen für das Engagement in der Elektromobilität, mit dem sich die Ostwestfalen ein ganz neues Geschäftsfeld eröffnen konnten.

»Wir wurden über unsere Partnerfirmen darauf aufmerksam«, erklärt Geschäftsführer Hans-Werner Meyer. »Unser spanischer Geschäftspartner vertreibt bereits sehr erfolgreich Stromladesäulen für Elektrofahrzeuge. Wo andere noch reden und Prototypen vorstellen, haben sie bereits mehr als 400 Stück in ganz Spanien verteilt im Einsatz.

Und unsere Handelsvertretung im Rheinland hat seit einiger Zeit auch Elektroroller im Programm. Diese Impulse waren Grund genug, die Elektromobilität näher ins Auge zu fassen. Schließlich ist das Thema Strom grundsätzlich nichts Neues für uns.«

Schaltschränke von Lohmeier sind bereits seit Jahrzehnten unter anderem in der Stromverteilung im Einsatz. Sie dienen zum Schutz von Frequenzumrichtern, Transformatoren oder Drosseln. Und da überall, wo Elektromobile sind, der dazu erforderliche Strom nicht fehlen darf, kommen hier die Standschaltschränke der Serie BN des Unternehmens ins Spiel.

Anschub von außen

Anschub geben die offensiven Zielvorgaben der Bundesregierung mit einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 in Deutschland. Ladestationen müssen dann überall stehen – am Straßenrand, in Parkhäusern, an Tankstellen oder bei Arbeitgebern. Hierbei ist es nicht zwangsläufig sinnvoll, jede dieser Säulen mit einem eigenen Transformator zu versehen.

Stattdessen bietet es sich an, die Spannung bereits vorher zentral auf die erforderliche Ladeleistung zu transformieren. Diese Topologie erlaubt es, die Last an jede Säule einzeln gleichmäßig zu verteilen, damit bei einem Ausfall einer Station nicht alle funktionsuntüchtig werden.

Zudem lässt sich so der Verbrauch jeder Säule einzeln erfassen. Dies vereinfacht nicht nur den Service vor Ort, sondern lässt auch Rückschlüsse auf Nutzungshäufigkeit und Wartungsintervalle der Säulen zu.

In einen zentralen Transformatorschaltschrank ließe sich zusätzlich auch der Wechselrichter einer in der Nähe installierten Photovoltaikanlage integrieren.

So kann dieser feststellen, ob es ausreichend Solarstrom für die Ladesäulen gibt, oder ob Netzstrom vonnöten ist. Da solche Ladesysteme für E-Mobility-Anwendungen zukünftig oft nachgerüstet und in die bestehende Infrastruktur integriert werden müssen, kann es dienlich sein, den Transformator am Hauptverteiler zu installieren, um von hier aus die einzelnen Ladestationen mit den entsprechenden Leistungen zu versorgen.

Ein Hersteller von Transformatoren für Ladestationen ist Habermann aus Lauchringen, für den Lohmeier kleine Standschaltschränke aus der BN-Serie liefert, die zum Beispiel als Trafogehäuse für Stromladesäulen zum Einsatz kommen können. Die Schränke schützen außerdem auch die Versorgungseinheiten der VTV-Serie für Photovoltaikanlagen.

»Mit Lohmeier haben wir einen kompetenten Partner gefunden, der das passende Know-how für den Schutz von Leistungselektronik bietet«, erklärt Hans-Peter Habermann, technischer Leiter bei Habermann Transformatoren. »Die Gehäuse werden ganz nach unseren Vorgaben angepasst und bearbeitet – dies bedeutet für uns eine erhebliche Arbeitserleichterung und Kosteneinsparungen.«

Die bei Habermann eingesetzten BN-Standschaltschränke sind als Baukastensystem konzipiert. »Das ist wirtschaftlich effizient«, sagt Hans-Werner Meyer, »und es bietet der Firma Habermann umfangreiche Möglichkeiten für einen modularen, flexiblen und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Ausbau, was aufgrund fehlender Vereinheitlichungen bei den Ladetechniken von großer Bedeutung ist.«

Bei 1.200 Millimeter Höhe und einer Tiefe von 400 Millimetern variiert die Breite in vier Größen zwischen 600 und 1.200 Millimeter – auf Anfrage fertigt Lohmeier auch Gehäuse in individuellen Abmessungen. Die ein- oder zweitürigen, pulverbeschichteten Stahlblech-Schaltschränke haben verdeckt liegende, aushängbare Scharniere, die sich bis 140 Grad öffnen lassen.

Ein Schlüsselschild mit drei Millimetern Doppelbarteinsatz und Bajonett-Schlüsselfang sorgt für Schutz vor unbefugtem Zugriff. Dank einer geschäumten PU-Türdichtung bieten die ein- und zweitürigen Ausführungen Schutzart IP55. Auf Wunsch werden diese Schaltschränke auch in Edelstahl geliefert. Als Systemzubehör sind 100, 200 oder 300 Millimeter hohe Montagesockel erhältlich.

Als Bodenausführungen gibt es wahlweise dreiteilige Bodenbleche oder eine schlichte einteilige Abdeckplatte. Optional ist auch ein Führungsschienensatz erhältlich, der das Einschieben von bestückten, schweren Montageplatten vereinfacht. Weitere optionale Bauteile sind System-Montageschienen zum Befestigen von Einbauten seitlich im Gehäuse, Optima-Eckprofile für höhere Stabilität und zur Befestigung der Montageschienen oder Türprofilschienen zur Befestigung von Einbauten auf der Tür.

Darüber hinaus umfasst das Zubehörprogramm kompatible Klimatisierungs-, Beleuchtungs- und Potenzialausgleichskomponenten. Bis zur Etablierung der Elektromobilität gilt es laut Lohmeier noch einige Hürden zu meistern, wie zum Beispiel europaweite Normungen der Ladetechnik. »Die Grundlagen für eine elektromobile Zukunft sind aber bereitet. Das Thema birgt ein enormes Potenzial für uns und das gesamte Elektrohandwerk«, resümiert Meyer.

-Hergestellt von Tünkers, Vertrieb über die Wagner GmbH aus Wülrath.

-Gut geeignet für Einkäufe in der Stadt.

-Einsatz auch in großen Unternehmen, in denen Angestellte große Strecken zurücklegen müssen, Teiletransfer schneller und weniger aufwendig.

-Höchstgeschwindigkeit 18 km/h, Reichweite 30 Kilometer, Ladevorgang drei bis fünf Stunden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012