Die MRL bedeutet für mich ...

Kompakt

Meinungen - Herausforderung oder Horror? Fleißarbeit, Frust oder Chance? Stimmen aus der Branche zur Umstellung auf die neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

09. November 2009

»Nach dem ersten Aufschrei folgte bei RK Rose+Krieger schnell die Erkenntnis, dass wir hier in einem immer schwierigeren Markt zusätzliches Vermarktungspotenzial sehen. So wurden in den letzten 18 Monaten in Zusammenarbeit mit unseren Kunden zwei neue Produkte entwickelt, ein Schutzzaunsystem und ein Haltesystem für Z-Linearachsen, welche gezielt auf die neue MRL reflektieren. Dass wir unser gesamtes Produktportfolio auf den Prüfstand stellen mussten, unser Normwesen novelliert haben und die Abläufe gestraft worden sind, sind weitere positive Aspekte.« (Michael Amon, Technischer Leiter, RK Rose + Krieger)

»Die Betrachtungsweise der DINENISO138491 ist aus unserer Sicht praxisgerecht und sinnvoll und kommt zur richtigen Zeit, da auch andere Normen, die einen ähnlichen Scope haben, wie z. B. die DINEN61508, mit ihrem Derivat DINEN62061 ebenfalls einen probabilistischen Ansatz verfolgen. Somit hat der Konstrukteur eine Norm an der Hand, die alle Bereiche der funktionalen Sicherheit einer Maschine abdeckt. Das ist ein Vorteil für den Maschinenbau, auch wenn dieser sich mit der Norm auseinandersetzen muss, was in der Umsetzung zunächst mit etwas höherem Aufwand verbunden ist.« (Frank Schmidt, Leiter Marketing, K.A. Schmersal)

»SEW-Eurodrive hat sich frühzeitig auf die neuen Anforderungen der MRL vorbereitet und unter anderem Dokumente wie CE- beziehungsweise Einbauerklärungen erstellt. Mit dem TÜV wurde auf Basis der IEC61508 das Functional Safety Management eingeführt. Kundenseitig steigt der Bedarf an Unterstützung. Dafür hat SEW Safe Drive Experts qualifiziert, die eine sicherheitstechnische Beratung und Konzeptentwicklung anhand eines modular aufgebauten Dienstleistungsbaukastens zusammen mit dem Kunden durchführen.« (Oliver Jäger, Functional Safety Management, SEW- Eurodrive)

»Die neue Maschinenrichtlinie bedeutet für mich, dass für alle, sprich sowohl für Hersteller von Maschinen und deren Anwender als auch für Hersteller von Komponenten, ein erweitertes einheitliches Regelwerk zur Verfügung steht. Die neue Maschinenrichtlinie ergänzt und präzisiert unter anderem seither bestehende Graubereiche. Klare Regelungen lassen damit deutlich weniger Spielraum für Interpretationen und schaffen so für alle Betroffenen mehr Handlungssicherheit. Vor diesem Hintergrund ist die neue Version der Maschinerichtlinie sehr zu begrüßen.« (Klaus Stark, Vertriebsleiter Pilz)

»Im Ganzen gesehen bringt die neue Richtlinie viel klarere Definitionen und vereint die heutigen Sicherheitsaspekte mit dem derzeitigen Technologiestand. Dem hinten angestellt ist sicherlich ein höherer Dokumentationsaufwand, der sich durchaus rechtfertigt, sofern es dem Schutz des Anwenders dienlich ist. Für unsere Kunden bedeutet dies, dass sie unser Know-how in Bezug auf die Auswahl und Integration der Sicherheitsbausteine nutzen können. Zudem ergeben sich einige Synergieeffekte, beispielsweise mit der Fahrzeugindustrie.« (Jürgen Leng, Produktverantwortlicher Maschinensicherheit, Elobau)

»Die EU hat sich sehr frühzeitig mit der einheitlichen Normung der Maschinensicherheit befasst und nimmt damit eine Pionierrolle ein. Das hat aus europäischer Sicht u.a. den Vorteil, dass sich andere Märkte am EN-Normenwerk orientieren. In Japan trat 2007 eine Sicherheitsrichtlinie in Kraft, mit der die gesamten EN-Normen quasi zum nationalen Standard wurden. Der japanische Maschinenbau schätzt die Erfahrungen, die die europäischen Anbieter von Sicherheitssystemen in den vergangenen zwanzig Jahren gewonnen haben. Gerade die deutschen Anbieter, das gilt nicht nur für Schmersal, werden in Japan als führend akzeptiert.« (Takashi Kabe, Geschäftsführer Japan Branche Office, Schmersal)

»Am Prinzip der Konstruktion einer sicheren Maschine ändert die neue Richtlinie nichts. Die Integration der Sicherheit während der Konstruktionsphase bleibt weiterhin der wesentliche Aspekt. Es werden allerdings neue Begriffe eingeführt und Verantwortlichkeiten definiert. So wird aus Not-Aus nunmehr Not-Halt und die Gefahrenanalyse ist in Risikobeurteilung umbenannt. Außerdem muss der bevollmächtigte Dokumentationsverantwortliche mit Namen und Anschrift auf der Konformitätserklärung angegeben werden.« (Thomas Hüttemeier, Produktmanager Safety Interface, Phoenix Contact)

Erschienen in Ausgabe: 08/2009