Die Technologiequelle

Porträt

Maccon – Seit 30 Jahren führt die Familie Hopper das Unternehmen für elektronisch gesteuerte Antriebstechnik. Bereits der Firmenname, der für Machine Control steht, verweist auf das Entwicklungs-Know-how der Münchner, die unablässig an neuen Antriebs- und Steuerungstechniken arbeiten.

18. Februar 2013

Betrachtet man den Werdegang der Maccon GmbH, dann erinnert es an ein Lied des Rock-Musikers Sting, allerdings mit der Abwandlung »An Englishman in Munich«. Denn der Unternehmensgründer Edward (Ted) Hopper ist Engländer und kam in den 70er-Jahren nach Deutschland. »Es herrschte damals wie auch heute ein Ingenieurmangel. Als eine meiner ersten Stationen war ich damals bei einem Konzern für Luft- und Raumfahrttechnik. Das Aufgabengebiet dort war hochinteressant, jedoch habe ich schnell festgestellt, dass es sich nicht vereinbaren lässt, in einem großen Konzern Ingenieur zu sein und gleichzeitig Karriere zu machen.«

Gute Kontakte brachten Ted Hopper dazu, das Münchner Büro eines Landsmanns zu übernehmen, der Antriebstechnik vertrieb und entwickelte. »Das war der berühmte Sprung ins kalte Wasser als Unternehmer. Um nicht einer unter vielen in diesem Bereich zu sein, habe ich mich dazu entschlossen etwas komplett Eigenes aufzubauen. Durch die Distribution verschiedener Produkte aus dem Bereich Antriebstechnik fiel die Entscheidung auf Engineering im Bereich Machine Control, da hier der zunehmende Bedarf an Sondermaschinen auch mehr Bedarf nach ausgefeilten Maschinensteuerungen nach sich zog.« Aus diesem Betätigungsfeld kommt auch der Firmenname, Maccon = Machine Control.

Eigene Produkte

Die Maccon GmbH bekam stetig neue interessante Entwicklungsprojekte und dank einer öffentlichen Förderung konnte Ted Hopper das Unternehmen rechtzeitig weiter ausgebauen. »Entscheidend war, dass wir nicht nur Engineering verkaufen, sondern auch Produkte«, erklärt er. »Durch gute Kontakte im Antriebsbereich erhielten wir unsere ersten Distributionsverträge von Herstellern aus den USA. Beide entwickeln und produzieren Antriebsmotoren für verschiedene Einsatzbereiche der Industrie.« Als Exklusivdistributor war Maccon damit für die bereits bestehenden Kunden wie auch für Neukunden der beiden amerikanischen Unternehmen ein versierter und zuverlässiger Ansprechpartner im deutschen Antriebsmarkt. »Da sich damals wie heute der Antriebsmarkt sehr schnell verändert, war es für uns unerlässlich, unseren Kunden Komponenten gepaart mit Eigenentwicklungen anzubieten«, ergänzt Hopper.

»Die geschickte Verknüpfung, Zulieferprodukte mit eigenen Lösungen um Motion Control zu kombinieren, half, unser Jungunternehmen rasch zu etablieren und schaffte ein weiteres Standbein im europäischen Industriemarkt. Gerade Großkunden waren von unserem breiten Portfolio schnell begeistert, das wir durch kundenspezifische Entwicklungsdesigns modifizieren und angepassen konnten.«

Eine entscheidende Branche für Maccon war in der Anfangszeit die Medizintechnik. »Hier haben wir zügig Marktanteile gewonnen und über die Jahre weiter ausgebaut. Zahlreiche Anlagen wurden damals mit unseren Geräten ausgestattet.«

Aber mit dem großen Einbruch in der Medizintechnik im Jahr 1986 verlor Maccons größter Kunde in diesem Sektor wesentliche Geschäftsanteile. »Dies war zusätzlich bedingt durch wichtige Medizinzulassungen für den US-amerikanischen Markt, die nicht rechtzeitig ausgestellt wurden«, erinnert sich der Geschäftsführer,

Nicht an einen Kunden binden

Immerhin konnte Maccon aus dem dramatischen Einschnitt die Erkenntnis ziehen, sich nicht zu stark auf einzelne Kunden und vertikale Märkte zu konzentrieren. Dies ist laut Ted Hopper mit ein Grund für den heutigen Erfolg des Unternehmens.

»Meine Frau und ich haben langsam, zielorientiert und stetig unsere Kundenbasis erweitert und können jetzt nach über 30 Jahren sehr zufrieden auf das gemeinsame Vorhaben Maccon zurückblicken«, freut er sich über die Entwicklung. »Es gibt immer fantastische Projekte, von denen wir begeistert sind, jedoch dürfen wir bei aller Entwicklungseuphorie unser Kern-Know-how und unsere Partnerschaften rund um die Machine Control nicht außer Acht lassen.«

Ein wichtiger Baustein bei Maccon ist die passende Software zu den Komponenten. »Dieses Mischangebot ist eine Besonderheit in unserer Entwicklung«, weiß Ted Hopper. »Wir beherrschen Sondermotortechnik und Elektronik gleichermaßen, und das grenzt uns von den Mitbewerbern ab.« Durch diese Engineering-Kompetenz auf Systemebene sind die Münchner auch im Ausland erfolgreich. In Indien betreiben sie ein Joint Venture, das ein Abbild der deutschen Zentrale ist. »Hinter ›Made in Germany‹ steckt immer noch einige Schlagkraft, und das ist unsere Chance auf den neuen internationalen Märkten.«

Ted Hopper meidet die direkte Konkurrenz mit großen Wettbewerbern. Der Geschäftsführer nutzt vielmehr die Chancen, die sich durch Marktsolidierungen ergeben. »Zwischen den Angeboten der Großanbieter bilden sich Lücken, die diese nicht bedienen können. Da fehlt die organisatorische Flexibilität, um sich dem spezifischen Bedarf der Kunden zu widmen. Diese Lücken füllen wir mit unserem Unternehmen.«

Darum setzt Maccon hauptsächlich auf Sonderlösungen und eine enge Zusammenarbeit mit dem Kundenkonstrukteur, besonders in Anwendungen, in denen Katalogprodukte nicht weiterhelfen. Solche Lösungen entstehen dann direkt in den Laboren der Münchner Zentrale in Giesing. Dort sind die gesamte Entwicklung sowie der Prototypenbau angesiedelt.

»Wenn möglich, liefern wir aber auch gerne größere Serien, die auch mal mehrere Tausend Exemplare umfassen können«, gibt Ted Hopper zu. »Allerdings liegt die Fertigung dann bei externen Partnern. Wir sorgen dafür, dass die Qualität stimmt.«

Für eine Reihe von Anwendungen im Maschinenbau sind Direktantriebe am besten geeignet, und darum nehmen sie bei Maccon eine wichtige Stellung ein. Sie lassen sich sehr gut in die Maschine integrieren und die Wege zwischen dem Motor und dem eigentlichen Werkstück werden kürzer. Ted Hopper nennt die Vorteile: »Dadurch ist alles dynamischer und genauer. Da waren wir unter den allerersten, die Direktantriebe in Deutschland anbieten konnten, und so findet der Konstrukteur in uns einen kompetenten Partner.«

Gerüstet für die Zukunft

Ted Hopper erwartet dass das Unternehmen kontinuierlich wächst. »Wir sind finanziell unabhängig und wollen dies bleiben. Es gab immer wieder Angebote für große Projekte und im Laufe der Zeit Erfolge sowie Misserfolge, aus denen wir jedoch immer gestärkt hervorgegangen sind.«

Die Kunden von Maccon entscheiden, wo sie dessen Engineering-Leistung und die Produkte einsetzen. »Wir verstehen uns als Technologiequelle, aus der unendlich geschöpft werden kann. Und um das gewährleisten zu können, müssen wir intern, korrekt, effizient, kostenbewusst und qualitätsorientiert arbeiten. Mit all diesen Faktoren blickt Maccon auch weiterhin in eine sorgenfreie Zukunft«, resümiert Hopper.

Auf einen Blick

-Gegründet 1982 in München vom Engländer Edward Hopper beschäftigt sich Maccon mit Machine Control.

-Dabei unterstützt Maccon Anwender bei der Lösung von Echtzeitbewegungsproblemen in Maschinen, Anlagen und Experimenten.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013