Die Trends nicht verpassen

Spezial Hannover Messe

Messe – Wie immer ist die Hannover Messe auch 2017 sehr vielfältig aufgebaut. Besucher sollten sich vorher informieren, wo die persönlichen Höhepunkte zu finden sind. Besonders üppig wuchern digitale Angebote, aber auch klassische Komponenten sind gut vertreten.

05. April 2017

Die Hannover Messe als großes Ganzes zieht ihren Reiz aus den vielen Leitmessen ganz unterschiedlicher Färbung. Für Komponenten entlang der Automatisierung kommt im Zeitalter von Integrated Industry vor allem die Digital Factory in Frage, auf der virtuelle Produktentwicklung, Konzepte für den Datenaustausch oder vorausschauende Analysetools im Fokus stehen. Von klassischen CAD-Systemen bis hin zur künstlichen Intelligenz und Cloud-Services reicht das Ausstellungsspektrum. Die Digital Factory ist laut Messeleitung eindeutig auf Wachstumskurs und belegt rund 11.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Arno Reich, Abteilungsleiter Digital Factory, sieht sowohl in der thematischen als auch in der strukturellen Weiterentwicklung der Leitmesse Gründe für das Interesse: »Eingebettet in die Hannover Messe ist die Digital Factory, die ideale Plattform, um IT-Lösungen und Prozesse für die Indus-trie zu präsentieren.« Rainer Glatz vom VDMA ergänzt: »Wer die Zukunft der intelligenten, digitalisierten Produktion nicht verpassen möchte, für den ist Hannover ein Pflichttermin. Industrie 4.0 ist in allen Bereichen das treibende Thema.«

Ein Brennpunkt ist die Halle 6 mit den Themen CAx, PLM sowie Additive Manufacturing. Zu letzterem findet im Saal Heidelberg des Convention Centers ein Symposium statt. Auf dem CAE-Forum findet der Besucher alles zu numerischer Simulation, 3D-Visualisierung und 3D-Druck. Aufgrund der positiven Entwicklung wächst der Ausstellungsbereich um 500 Quadratmeter.

Fertigung und Datenspeicher

In Halle 7 konzentrieren sich MES- und ERP-Anbieter sowie -Plattformen. Themen hier sind MES- und ERP-Lösungen, die industrielle Nutzung der Cloud. In einer Guided Tour »MES-Solutions« werden Besucher in die Hallen der Digital Factory sowie Industrial Automation geführt, wo Aussteller MES-Lösungen für die Prozessindustrie und der diskreten Fertigung zeigen.

Die Branche lebt vom Nachwuchs und darum organisiert die Messe dazu zahlreiche Veranstaltungen wie die Jugendveranstaltung Tec2You. Ganz neu ist der Young Engineers am 27. April. Das Programm besteht aus themenspezifischen Führungen, die gezielt die Bedürfnisse technischer Berufe berücksichtigen. Dabei profitieren die Teilnehmer vom VDI-Netzwerk sowie vom direkten Austausch mit Ausstellern aus den Bereichen Energie, Industrie 4.0, Leichtbau und Robotik. Die Karriereplattform »Job and Career« in der Halle 16 dient als finale Station aller Touren.

»Jedes Jahr besuchen Tausende Studenten die Hannover Messe, allerdings ohne einen übergreifenden Leitfaden«, erklärt Sonia Wedell-Castellano, Abteilungsleiterin bei der Deutschen Messe. »Der Young Engineers Day bündelt alle Angebote für Studenten auf der Messe in einem Programm. Dabei erfüllen wir den Wunsch unserer Aussteller, einen direkten Kontakt zu jungen Ingenieuren und Technikern herzustellen.«

Simulation im Alltag

Cadfem hat sein »Haus der Simulation« auf die Messe gestellt. Es soll begreifbar machen, dass viele Gegenstände aus dem Alltag erst durch Simulation zu nützlichen Innovationen mit hervorragender Qualität werden. Zahlreiche Unternehmen beteiligen sich mit Exponaten. Der Besuch lohne sich für jeden, der moderne Simulationstechnologien zur Produktentwicklung aus nächster Nähe kennenlernen und den daraus erzielbaren Nutzen am realen Objekt erleben will.

Beispielsweise müssen die Duschsitze von Hewi so ausgelegt sein, dass sie auch bei extremen Belastungen die Grenzen der Verformung, der Festigkeit und der Krafteinwirkungen auf die Wandhalterung nicht überschreiten, und auch das Design muss stimmen. Die Türen des Anbieters Biffar wurden in puncto Einbruchsicherheit, Wärmedämmung und Feuerfestigkeit untersucht und entsprechend der Berechnungsergebnisse verbessert.

Für Danfoss ist Connectivity der Katalysator für Industrie 4.0 und Kommunikation die Basis für mehr Produktivität – ob für die Steuerung von Maschinen und ganzen Fertigungslinien, die Überwachung moderner Verkehrssysteme oder die Steuerung der Energieverteilung. Connectivity sei zudem der Schlüssel für Durchgängigkeit: Neben der physischen Verknüpfung von Systemen als Grundvoraussetzung für den Datenaustausch kommt der Portierung und Nutzbarmachung der gesammelten Daten eine bedeutende Rolle zu.

Es gibt dabei vier Säulen: Bei Connected Systems lassen sich durch die physische Verbindung zwischen den Technologien deutliche Kosteneinsparungen und hohe Flexibilität erzielen. Connected Intelligence bedeutet die Echtzeit-Verfügbarkeit und die umfassende Analyse von Daten und damit Kontrolle und Vorhersagbarkeit. Unter dem Stichwort Connected Responsibility sind Danfoss-Lösungen auf eine umweltfreundliche Leistung ausgerichtet. Connected Innovation schließlich ermöglicht eine vernetzte Datensicht in den Industrien.

Im Bereich der Antriebe steht Connectivity unter dem Aspekt der Technologieunabhängigkeit – die Frequenzumrichter als intelligente Antriebssteuerung sind in jede Automatisierungsumgebung integrierbar. Dies reicht von einfachen Stand-alone-Lösungen, bei denen der Antrieb die Steuerung ist, bis hin zu Highend-Automatisierungen der intelligenten Fabrik.

Kontrolle im Schaltschrank

Turck stellt den Schaltschrankwächter IM12-CCM vor. Er erfasst nicht korrekt geschlossene Türen sowie überschrittene Grenzwerte bei Feuchte und Temperatur und registriert somit unbefugten Zugriff auf Schaltschränke, was ihn zum Manipulationsschutz im Rahmen des IT-Sicherheitsgesetzes befähigt. Das 12,5 Millimeter schmale Hutschienengerät lässt sich auch leicht in bestehenden Schaltschränken installieren.

Der IM12-CCM besitzt einen internen Datenlogger mit Zeitstempel und speichert Daten bis zu zwei Jahren. So können Anwender schleichende Veränderungen auch über längere Zeiträume erkennen und die Ursache beheben. Über eine Schnittstelle lassen sich zwei Schaltschrankwächter im Master-Slave-Mode betreiben.

Standardmäßig verfügt das Gerät über zwei Schaltkontakte sowie eine IO-Link-Schnittstelle. Im Quick-Teach-Modus kann der Anwender die Grenzwerte vor Ort ganz einfach einstellen. Alternativ ist eine Parametrierung über IO-Link oder ein FDT-Framework wie PACTware möglich.

Bei Sick findet der Besucher Industrie 4.0 zum Anfassen. An einem speziellen Exponat werden relevante Herausforderungen und deren jeweilige Lösung aus der Sicht von Sick gezeigt. Diese Herausforderungen finden an elementaren Stufen des Wertschöpfungsprozesses statt und werden mit Sensorik, Systemen und Services des Anbieters aus Waldkirch gelöst. Die gezeigten Produkte sind aktiv kommunikationsfähig, so dass die Anbindung an die Datenwelt sichergestellt ist. Die erhobenen Daten werden durch einen Cloud-Anbieter zusammengefasst, ausgewertet und entsprechend visualisiert.

Schnelligkeit und Flexibilität gelingen im Internet der Dinge durch den Einsatz von intelligenter und flexibler Sensorik, mit der sich auch Losgröße 1 schnell und wirtschaftlich fertigen lässt. Intelligente Sensorik ermöglicht laut Sick die Optimierung am laufenden System und die Produktion muss nicht unterbrochen werden. Sick-Sensorik sorgt für Transparenz in jedem Wertschöpfungsschritt und ist rückwärtskompatibel, also in bestehenden Automatisierungsarchitekturen einsetzbar.

Als Problemlöser auftreten

Das eigene Profil als Anbieter in sich geschlossener, kundenspezifischer Getriebelösungen zu schärfen – darauf ist die Präsentation der SPN Schwaben Präzision auf der diesjährigen Hannover Messe ausgerichtet. »Bei vielen Unternehmen sind wir in der Hauptsache noch als Lieferant qualitativ hochwertiger Standardgetriebe bekannt«, sagt der technische Geschäftsführer Rainer Hertle: »In den vergangenen Jahren haben wir uns jedoch verstärkt auf die Entwicklung und Konstruktion von kundenspezifisch gefertigter Antriebstechnik fokussiert und sind hier auf breiter technischer Basis in der Lage, besondere Lösungen für besondere Probleme anzubieten.«

Im Zuge der Erweiterung dieses Angebots über das klassische Katalogportfolio hinaus hat sich SPN auch branchenmäßig weiterentwickelt. Dominierten früher Getriebelösungen für die Bereiche Automatisierung und Maschinenbau, so hat sich der schwäbische Präzisionsanbieter zunehmend auch als intelligenter Zulieferer für die Luftfahrt- und Textilindustrie einen Namen gemacht. Ein großer Teil des Wachstums stammt aus neu eingegangenen Unternehmenskooperationen.

Produktseitig wird SPN dem neuen Markenverständnis entsprechend vor allem kundenspezifische Getriebelösungen präsentieren. Dazu gehört vor allem eine gemeinsam mit dem Robotikhersteller Kuka entwickelte Schraubspindel für den Leichtbauroboter LBR iiwa, die Mitarbeiter in der Montage von monotonen, körperlich belastenden Tätigkeiten befreit. Ebenso für den Robotik-Bereich hat SPN eine Roboterhandachse entwickelt; auch diese wird auf der Hannover Messe präsentiert.

Neben der Kommunikation des erweiterten Markenprofils ist Hannover für Rainer Hertle auch aus vertrieblicher Perspektive von Bedeutung. »Was unser Deutschlandgeschäft betrifft, sind wir gerade im Süden und Südosten gut abgedeckt, haben aber im Norden und Westen der Republik durchaus noch Wachstumspotenzial. Auch in dieser Hinsicht kommt uns der Standort Hannover in diesem Jahr bestens gelegen.«

Erschienen in Ausgabe: 03/2017