Die vier Schmidts

WALTHER FLENDER – Bei Orson Welles war der dritte Mann das Phänomen. In der Nachfolge von Familienunternehmen ist die 3 oft das Problem. Bei Walther Flender etabliert sich die dritte Generation gerade. Wie sind die Weichen gestellt?

23. Juni 2008

Der Generationswechsel ist oft ein Problem in Familienunternehmen. Wie haben Sie das gelöst?

Martin Schmidt: Bei Walther Flender läuft der Generationswechsel. Mein Sohn – Simon Schmidt – ist im Jahre 2004 nach Abschluss als juristischer Assessor in die Geschäftsführung eingetreten. Kurze Zeit später kam sein älterer Bruder, Dr. Robert Schmidt. Er gehört als Volkswirt der Geschäftsführung an. Johannes, mein jüngster Sohn, ist ebenfalls Jurist. Er hat im September 2007 als Assistent der Geschäftsleitung angefangen. Ich selber werde im September 2008 aus der operativen Geschäftsführung ausscheiden. Zum Teil bin ich das schon bei einigen Gesellschaften der Walther Flender Gruppe.

Was unterscheidet das Führen in Familienunternehmen von dem in Konzernen?

Dr. Robert Schmidt: Wenn Eigentümer und Geschäftsführer auseinanderfallen, sind das andere Bedingungen. Im Familienunternehmen haben wir eine andere Betrachtungsweise und setzen auf einen weiteren Zeithorizont. Wir denken langfristig und können auch Engpässe durchstehen, ohne dass uns der ständige Erfolgsdruck der Geldgeber einengt. Der sogenannte ›Shareholder‹ ist in vielen Konzernen das Unwort der letzten Jahre. Die Pflicht des quartalsweisen Berichtens engt den zeitlichen und finanziellen Rahmen erheblich ein.

Warum führt die Familie Schmidt ein Unternehmen, das Walther Flender heißt?

Martin Schmidt: Walther Flender hat die Walther Flender Antriebstechnik im Jahre 1935 gegründet und bis 1962 geleitet. Nach seinem leider recht frühen Tod hat seine Ehefrau, Alexandra Flender, das Unternehmen weitergeführt. Ich gehöre auch zur Familie Flender und bin 1973 eingetreten und seit 1980 Geschäftsführer. Einige Jahre habe ich das Unternehmen Walther Flender Antriebstechnik zusammen mit Frau Flender geleitet. Das Ehepaar Flender hatte keine Kinder, sodass ich als Neffe des Firmengründers die Geschäftsführung übernahm. Mit Simon Schmidt hat dann 2004 der nächste Generationswechsel begonnen. Jetzt, 2008, ist der Wechsel abgeschlossen und die dritte Generation am Ruder.

Die dritte Generation gilt aber als die ›kritische‹ Generation, in der es häufig im Unternehmen kracht. - Martin Schmidt: Wenn die erste Generation das Unternehmen aufbaut, die zweite es ausbaut, darf die dritte es nicht verspielen. Deshalb habe ich großen Wert darauf gelegt, dass meine Söhne mit einem abgeschlossenen Universitätsstudium ins Unternehmen eintreten. Denn es ist schlecht, als Vaters Sohn ohne sinnvolle Qualifikationen ins Unternehmen einzutreten. Die Walther Flender Gruppe ist mit 280 Mitarbeitern in einer Größenordnung, in der es keine Experimente geben darf. Dafür ist unsere soziale Verantwortung als mittelständisches Unternehmen viel zu groß.

Was ändert sich mit der dritten Generation?

Simon Schmidt: Wir werden an der Firmenphilosophie unseres Vaters nicht viel ändern. Die bereits eingeleitete Internationalisierung, also die Strategie in ausländische Märkte weiter zu investieren, werden wir weiter forcieren. Auch der technologische Anspruch, den wir an unsere Produkte und Lösungen richten, soll weiter steigen. Wir werden mit unserem Team der leitenden Mitarbeiter und mit deren technischer und innovativer Kreativität viel Neues an Produkten und Lösungen auf den Markt bringen.

Wie fördern Sie die Kreativität der Mitarbeiter? - Simon Schmidt: Zum einen nehmen wir unsere Mitarbeiter stark mit in die Verantwortung. Und zum anderen fördern wir die Technik- und Sozialkompetenz sowie die Führungseigenschaften.

Dr. Robert Schmidt: Ein wichtiger Baustein dabei ist die Einbindung der leitenden Mitarbeiter in den gesamten Prozess. Also wir gehen sehr offen mit ›Chef- Entwicklungen‹, aber auch mit Ergebnis-Entwicklungen um. Wir binden die Mitarbeiter an diesen Stellen besonders eng mit ein und fördern sie. Wir setzen auf Weiterbildung, ermöglichen zusätzliche Qualifizierungen und fördern die Mitarbeiter auch durch umfassende Information über unternehmerische Entscheidungen. Damit haben wir eine große Resonanz erreicht. Denn Mitarbeiter, die sich integriert fühlen und in den gesamten Entscheidungsprozess eingebunden sind, identifizieren sich mit dem Unternehmen und stehen hinter technischen und unternehmerischen Entscheidungen. Diese Offenheit ist ein Weg, der zum Erfolg führt.

Nah am Kunden, nah am Mitarbeiter?

Martin Schmidt: Ein klarer Vorteil eines mittelständischen, Inhaber geführten Familienunternehmens sind die flachen Hierarchien und der beidseitige Kontakt: der des Mitarbeiters zu den Inhabern und umgekehrt. Selbst Mitarbeiter, die nur einen kleinen Bereich verantworten, nutzen den direkten Kontakt zur Unternehmensspitze und können ihre Vorstellungen vorbringen. Ein Mitarbeiter ist motiviert, wenn er die Resonanz bekommt: »Das war eine tolle Idee …, das ist absolut richtig, das sollten wir ganz schnell in Angriff nehmen.«

Also geht es hier um die Innovationskultur beim Mittelständler Walther Flender ? - Johannes Schmidt: In einem mittelständischen Unternehmen können Innovationen direkt umgesetzt werden, denn die Wege sind kurz. Das ist anders als in großen Konzernen, dort wirken sich die Hierarchien und Zuständigkeiten eher hinderlich aus und manch eine gute Idee wird gar nicht erst vorgebracht und weitergeleitet. Ein Familienunternehmen unserer Größe ist hier eindeutig im Vorteil und entwickelt aus diesem produktiven Umfeld eine große Innovationskraft.

Wie reagiert der Markt auf das Vierer-Team der Schmidts?

Martin Schmidt: Eigentlich auf das Dreier- Team: Die Verantwortungsbereiche sind zwischen meinen drei Söhnen schon sehr genau aufgeteilt.

Genau, das ist die Frage. - Dr. Robert Schmidt: Die Aufgabengebiete sind klar getrennt. Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten wissen immer, mit wem sie es zu tun haben. Wenn Fragen auftauchen, ist immer schnell geklärt, ob Simon, Johannes oder Robert zuständig ist. Simon ist verantwortlich für den Bereich des Vertriebs. Johannes wächst als der Jüngste in den Einkauf und in die Materialbeschaffung rein. Ich selber betreue die Produktion und das Rechnungswesen in der Unternehmensgruppe. Da die einzelnen Bereiche klar getrennt sind, kommt es auch nicht zu Kompetenzgerangel. Die sachliche Diskussion und die einvernehmliche Klärung von Problemen gehören zur Firmen- und Familienkultur.

Ich vermisse die technische Seite, den technischen Geschäftsführer. Wer sind die Ansprechpartner für die Kunden?

Simon Schmidt: Wir setzen auf die technische Kompetenz unserer Führungskräfte. Unsere technischen Leiter sind für die jeweiligen Sparten verantwortlich. Ob Antriebs- oder Fördertechnik, in jedem Bereich verantwortet ein technischen Leiter die Entwicklung von Produkten und Lösungen. Er kennt die Markttrends, steht im engen Kontakt zu den Kunden und weiß, in welche Richtung die Entwicklungen zielen müssen. Dieser »interne Führungskreis« legt die technische Ausrichtung der Walther Flender Gruppe fest. Wir werden wie unser Vater auf dieses Kompetenzteam setzen, denn niemand ist näher am Kunden und kennt die Applikationen besser.

Dr. Robert Schmidt: Es kommt nicht darauf an, dass wir drei in unserer Ausbildung den Querschnitt der verschiedenen Abteilungen abbilden. Wir besetzen die Stellen mit den fachlich besten Mitarbeitern und sind damit bestens am Markt aufgestellt.

Ist das nicht auch eine Frage der Augenhöhe beim Gespräch mit technischen Geschäftsführern ihrer Kunden?

Martin Schmidt: Unsere technischen Leiter können mit jedem technischen Geschäftsführer auf Augenhöhe verhandeln. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei sogenannten letzten Entscheidungen ein Nicht-Techniker die Argumente beider Seiten besser abwägen kann.

Peter Schäfer

Fakten

- Martin Christian Schmidt (60) studierte Rechtswissenschaften in Bonn und Freiburg und begann nach dem 1. Staatsexamen seine kaufmännische Lehre bei der Walther Flender Gruppe (Eintritt 15.10.1973). Martin-Christian Schmidt ist seit Januar 1980 Geschäftsführer der Unternehmensgruppe.

- Johannes-Nikolaus Schmidt (28) studierte Rechtswissenschaften und arbeitete für eine internationale Großkanzlei in Düsseldorf in den Bereichen des Arbeitsrechts und des Handels- und Gesellschaftsrechts sowie in einer Wirtschaftskanzlei in London. Seit Oktober 2007 ist er innerhalb der Walther Flender Gruppe beschäftigt.

Erschienen in Ausgabe: 04/2008