Die Zukunft hat ein Gesicht

Ein einheitliches Zweileiterkonzept für Durchfluss und Füllstand erhöht die Sicherheit, erleichtert die Bedienung und senkt die Kosten.

08. Dezember 2011

Wer macht sich das Leben schon gerne unnötig schwer? Christian Rützel, Abteilungsleiter Marketing Durchfluss bei Endress+Hauser in Weil am Rhein gehört jedenfalls nicht dazu. »Tue Gleiches gleich, und dann gleich richtig«, lautet sein Motto, unter dem er auch das einheitliche Zweileiterkonzept für Durchfluss und Füllstand präsentiert. Endress+Hauser kommt damit dem Ruf vieler Anwender nach einer einheitlichen und durchgängigen Feldinstrumentierung nach.

Auch die Namur fordert in ihrer Empfehlung NE 131 unter anderem einheitlich zu bedienende Feldgeräte. Nur so kann die Vielzahl von Messaufgaben und die dafür verfügbaren Gerätefamilien inklusive der Varianten unterschiedlicher Hersteller auch in Zukunft sicher bewältigt werden.

Endress+Hauser setzt diese Forderung mit der Initiative »Unified Instrumentation« um. Das neue Konzept vereinheitlicht die Komponenten Bedienung, Software, Schnittstellen, Datenmanagement, Gehäusekomponenten, Elektronikmodule, Systemintegration, Bestellstrukturen und Dokumentation mit hoher Konsequenz. »Aufgrund der Einheitlichkeit entstehen maximale Möglichkeiten für Synergien«, freut sich Rützel.

Die Basis dafür legte eine Vielzahl von Firmenstandards, die zukünftig maßgebend sind für alle kommenden neuen Gerätekonzepte von Endress+Hauser. Sie ermöglichen einen konzeptionellen Wandel hin zu Einfachheit durch Einheitlichkeit. Diese Neuerungen schaffen nachhaltigen Nutzen über den gesamten Lebenszyklus von Feldgeräten.

Ob in der Planung, der Beschaffung, im Betrieb oder der Wartung, das neue Konzept erleichtert jede dieser Phasen. Denn mit dem einheitlichen Zweileiterkonzept werden in Zukunft sieben unterschiedliche Messgeräte-Technologien aus Durchfluss und Füllstand unter einem Dach vereint sein. Allen gemein ist eine intuitive, einheitliche Bedienung. Das reduziert die Komplexität und senkt die Kosten bei Schulung, Inbetriebnahme, Wartung und Betrieb. Das modulare Gerätekonzept für Ersatzteile und Komponenten senkt zudem die Lagerkosten und erhöht die Anlagenverfügbarkeit, da sich Teilekomponenten flexibel austauschen lassen.

Die einfache und nahtlose Systemintegration wiederum vereinfacht den Engineeringaufwand. Das harmonisierte Software-Versionsmanagement gewährleistet einen stabilen Anlagenbetrieb. Die einheitliche Bestellstruktur und Dokumentation optimiert die Abläufe rund um das Gerätemanagement, da die Komplexität sinkt.

Sicherheit großgeschrieben

Bei der Anlagensicherheit gibt es mit dem neuen Gerätekonzept keine Kompromisse. Die Geräte sind nach DIN EN/IEC 61508 entwickelt und verfolgen ein durchgängiges Ex-ia-Eigensicherheitskonzept. Von Atex über FM und CSA bis hin zu Nepsi sind alle weltweit notwendigen Ex-Schutz-Zulassungen erhältlich.

Damit im Fehlerfall, gemäß NE 107, eine schnelle Entscheidungshilfe bereitsteht und Anlagenstillstände minimiert werden, ist eine exakte Geräte- und Prozessdiagnose integriert. Unterstützt wird der Wartungsmann durch eine Volltext-Fehlerhilfe, die im Fehlerfall neben der Ursache auch gleich die Abhilfemaßnahme in der jeweiligen Anwendersprache darstellt. Ein Ereigniszähler zeichnet alle Anlagen- und Gerätezustände nachvollziehbar mit Zeitstempel auf.

Einfach unvergesslich

Eine automatische Datensicherung ermöglicht den einfachen Austausch von Elektroniken ohne Neuabgleich. »Wir kommen dem Wunsch nach Plug and Play damit näher«, erläutert Rützel. Das zugehörige Datenmanagement-Modul Historom ist unverlierbar mit dem Gehäuse verbunden und kopiert automatisch die komplette Gerätekonfiguration auf die neue Elektronik. Neben der flexiblen Verwaltung der Konfigurationsdaten ermöglicht Historom die zyklische Aufzeichnung von bis zu 1.000 Messdaten inklusive der Darstellung als Linienschreiber im Display.

Allgemein betrachtet setzt Endress+Hauser im neuen Zweileiter-Konzept alle Anforderungen der Industrie aus gültigen Standards und Empfehlungen konsequent um. Das garantiert hohe Betriebssicherheit, maximale Verfügbarkeit und Effizienz. Zu den Innovationen, die auf dem neuen Konzept basieren, zählt zum Beispiel eine Neuentwicklung in der Coriolis-Massedurchflussmessung. Erstmals ist die zuverlässige Coriolis-Durchflussmessung in effizienter Zweileitertechnik erhältlich. Das spart Messstellenkosten von bis zu 1.000 Euro bei Neuprojekten.

Die Arbeitsleistung des Zweileitergerätes ist mit der eines Vierleitergerätes vergleichbar. Das Gerät hat seine Leistungsfähigkeit bereits in vielen Anwendungen unter Beweis gestellt. Mit Promass E 200 sind erstmals einheitliche Namur-Einbaulängen nach NE 132 umgesetzt und verfügbar. Das garantiert Planungssicherheit im Rohrleitungsbau. »Neben Promass E 200 werden wir die weiteren Durchfluss-Technologien wie Promag MID, Prowirl Vortex, Prosonic Flow und Ultraschall in das einheitliche Zweileiterkonzept integrieren«, berichtet Rützel. Der Durchbruch für die Zweileitertechnik auch im Bereich Durchfluss ist damit gesetzt.

Füllstand in der Praxis

Auch im Bereich Füllstand gibt es mit dem neuen Zweileiterkonzept nennenswerte Produkt-Innovationen von Endress + Hauser. So beispielsweise für alle Trennschichtmessaufgaben: der erste Zweileiter-Multiparameter-Transmitter mit geführtem Radar und kapazitiver Messung in einer Sonde. Das ermöglicht eine sichere Messwerterfassung beim Auftreten von Emulsionsschichten und vereintalle Vorteile beider Verfahren ohne zusätzliche Einstellungen.

Darüber hinaus ist mit dem Levelflex FMP53 das erste ASME-BPE-konforme Füllstandsmessgerät verfügbar, das die hohen hygienischen Anforderungen der Pharmaindustrie erfüllt. Auch im Füllstand wird das Zweileiterkonzept sukzessive durch die Technologien frei abstrahlendes Radar und die Ultraschall-Füllstandsmessung ergänzt.

Das einheitliche Zweileiterkonzept hat sich seit dem Marktstart bereits in weltweit mehreren Tausend Einsatzfällen bewährt. Die gute Resonanz und der hohe Bedarf der Kunden während der Markteinführung bestätigen den Nutzen einheitlicher und durchgängiger Konzepte. Denn wie gesagt, wer macht sich das Leben durch vermeidbare Komplexität schon gerne unnötig schwer?sn z

Auf einen Blick

Mit der NE 131 wird die Entwicklung einer Gerätebaureihe »Namur-Standardgerät« angestoßen, bei der die Geräteeigenschaften auf das notwendige Maß beschränkt und trotzdem 80 Prozent der üblichen Anwendungsfälle abgedeckt sind. Dabei fokussieren die Vorgaben auf die Messaufgaben Durchfluss und Füllstand, da hier die größten wirtschaftlichen Potenziale liegen und auch der größte Handlungsbedarf gesehen wird.

Erschienen in Ausgabe: Industrie Handbuch/2011