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E-CAD – Sechs Wochen Durchlaufzeit rechnet Hanseatic Power Solutions für die Planung und den Bau von sehr komplexen Schaltanlagen – oft sind es noch weniger. Möglich macht das eine durchgängige und in hohem Grad automatisierte Elektroplanung auf Basis von Eplan-Lösungen.

06. November 2017

Alle Kunden der Hanseatic Power Solutions GmbH (HPS) haben eines gemein: Sie betreiben große Energieanlagen. Michael Grenz, Kaufmännischer Leiter: »Wir konzentrieren uns weitestgehend auf Schaltanlagen für die Energietechnik, insbesondere für Notstromaggregate z.B. von Kraftwerken und öffentlichen Gebäuden. Ein weiteres Anwendungsfeld sind Steuerungen für Kompressor-Anlagen auf Schiffen.« Mit dieser Spezialisierung ist HPS außerordentlich erfolgreich. Das Unternehmen entstand 2009 als Ausgründung aus einem größeren Firmenverbund und beschäftigt rund 80 Mitarbeiter – darunter viele Planer, weil die Anlagen immer individuell geplant werden. Christoph Lange, Leiter der Projektabwicklung: »In unserem bislang größten Projekt haben wir 140 Meter Schaltschränke für die Notstromversorgung eines Kraftwerks geplant und gebaut.« Mit diesen Schaltanlagen wird u.a. die Kühlwasser- und Ölvorwärmung von 44 Dieselmotoren gesteuert.

Da es sich ausnahmslos um »Losgröße-1«-Anlagen handelt, sind die Zeitvorgaben sehr knapp. Michael Grenz: »Für die Arbeitsschritte Planung, Freigabe, Bau und Lieferung der Schaltanlage rechnen wir 6 bis 8 Wochen ab Auftragsvergabe. Oft schaffen wir es auch noch deutlich schneller.«

Eine wichtige Voraussetzung dafür hat HPS mit der Eplan-Plattform geschaffen, die durchgängig genutzt wird. Die Elektroplaner arbeiten mit Eplan Electric P8 und im Schaltschrankbau mit Eplan Pro Panel. Wiederholaufgaben sind soweit wie möglich automatisiert. Christoph Lange: »Wir haben Makros für die einzelnen Funktionen wie zum Beispiel die Kühlwasservorwärmung erstellt. Das beschleunigt den Planungsprozess deutlich.«

Virtuelle Montage

Kürzlich hat HPS die Eplan-Plattform um das Erweiterungsmodul »Copper« von Eplan Pro Panel ergänzt, das die Planung und Fertigung von Strom- und Sammelschienen unterstützt. Christoph Lange: »Wir planen Niederspannungsschaltanlagen bis 6.300 A, Energieverteiler bis 5.000A und Mittelspannungsschaltanlagen bis 24kV. Deshalb ist in den Schaltschränken viel Kupfer verbaut.«

Mit dem Modul lassen sich die Sammelschienen virtuell in das 3D-Modell des (ebenfalls noch virtuellen) Schaltschranks montieren. Anschließend übernimmt der Planer die Resultate einfach in das Gesamtprojekt. Dabei werden nicht nur die Konturen der Kupferschienen festgelegt, sondern auch die Bohrungen selbsttätig platziert. Das bietet aus Sicht von HPS drei wesentliche Vorteile. Christoph Lange: »Vorher haben die Mitarbeiter vor jedem Arbeitsschritt gemessen und angezeichnet. Jetzt können sie beim Ablängen, Biegen und Bohren einfach nach der Zeichnung arbeiten. Das spart Zeit und das Ergebnis sieht auch besser aus. Außerdem kann man dem Kunden schon im Entstehungsprozess die 3D-Ansicht des Schaltschranks mitsamt Kupferschienen zeigen. Das kommt bei unseren Kunden sehr gut an.«

Während die Kupferschienen manuell bearbeitet werden, ist die Bearbeitung der Schaltschränke durchgehend automatisiert. Hier kommt Eplan Pro Panel zum Einsatz. Die Daten der Lösung zum 3D-Schaltschrankaufbau werden nach Freigabe an eine Blechbearbeitungsanlage gesendet, die selbsttätig die Bohrungen setzt. Ähnlich ist die Arbeitsweise bei der Kabelkonfektionierung. Auch für das Routing wird Eplan Pro Panel genutzt. Christoph Lange: »Wir senden den Datensatz an einen externen Konfektionierungs-Dienstleister. Das klappt perfekt, und wir erhalten in sehr kurzer Zeit die gewünschten Kabel – mit hohem Detaillierungsgrad bis hin zur Sonderbeschriftung von Einzeladern.«

Wenn die Planung vom Kunden abgenommen wurde, senden die Projektierer den kompletten Plan inklusive 3D-Ansicht und Stückliste an das ERP-System. Dann sind Einkauf und Arbeitsvorbereitung gefordert. Michael Grenz: »Wir bestellen die benötigten Komponenten bzw. stellen sie aus dem Lager bereit.« Im laufenden Prozess werden die Fertigungszeiten exakt erfasst, sodass stets eine Nachkalkulation möglich ist: »Gerade bei Projekten, die schnell durchlaufen, ist es wichtig, Zeiten und Materialien eng zu beobachten.«

Ein aktuelles, internes Projekt ist die Einführung von Eplan Cogineer. Ziel der Entwicklung von Eplan Cogineer ist die automatisierte Stromlaufplangenerierung. Das ist offenbar gelungen. Christoph Lange: »Die Testversion des Systems hat uns überzeugt.« hjsz

"Projektierung in 15 Minuten statt in 6 Stunden"

Thomas Michels, Leiter Produktmanagement Eplan - Herr Michels, Eplan bietet seit Kurzem den Cogineer an zur automatisierten Stromlaufplanerstellung. Wie kann das Werkzeug den Konstrukteur entlasten?

Es ist das klassische Dreieck von Zeit-, Kostenersparnis und einer erhöhten Qualität. Konkret gestaltet sich die Zeitersparnis so, dass Schaltpläne nicht mehr in klassischer Weise durch Kopieren aus Altprojekten erstellt werden, sondern auf Basis von Schaltplanvorlagen und einem zugehörigen Regelwerk auf Knopfdruck generiert werden. Das reduziert die Engineering-Zeiten für ein Projekt deutlich und spiegelt sich somit auch in sinkenden Kosten wider. Durch die Cogineer-Methodik und die Verwendung hochwertiger Schaltplanvorlagen wird eine hohe Daten- und Projektqualität sichergestellt. Das fehleranfällige manuelle Kopieren aus Bestandsprojekten gehört für immer der Vergangenheit an.

Wie viel Zeit kann der Konstrukteur mit Cogineer konkret einsparen?

Unsere Anwender berichten, dass Projektierungen, die bisher 6 Stunden und länger gebraucht haben, nun in 15 Minuten erledigt sind. Bei diesen Effekten rechnen sich auch die vorbereitenden Arbeiten, die initial in die Erstellung von Schaltplanvorlagen und Regelwerk investiert werden müssen.

Kann jeder Nutzer von Eplan-Produkten mit Cogineer arbeiten?

Ja! Eplan Cogineer ist als Add-on zu Eplan Electric P8 und Eplan Fluid erhältlich und nutzt die gleichen Makros, die gleichen Formulare und die gleichen Artikeldaten, auf deren Basis unsere Kunden häufig schon seit Jahren arbeiten. Damit kommt ein weiterer erheblicher Vorteil des Systems zum Tragen: Sämtliche Makros und Vorlagen können weiterverwendet werden. Das bringt bei geringer Einarbeitungszeit schnelle Projektergebnisse und sichert Unternehmens-Know-how.

Ist Cogineer denn auch cloudfähig?

Noch ist das nicht der Fall, aber auf der SPS IPC Drives präsentieren wir die Sneakpreview der ersten Cloud-Lösung von Eplan Cogineer. Anwender dürfen gespannt sein.

Welche weiteren Neuheiten werden auf der SPS zu sehen sein?

Da gibt es natürlich zahlreiche. Im Bereich der Eplan-Plattform präsentieren wir die News der Version 2.7. Mit ihrem Ansatz der konsequenten Digitalisierung und ihrer interdisziplinären Ausrichtung im Engineering lassen sich Daten über den gesamten Prozess der Wertschöpfung ständig anreichern. 19 Softwaresprachen, zahlreiche Detailerweiterungen und bidirektionale Verbindungen zur Automatisierungstechnik – beispielsweise zum TIA Portal von Siemens oder zu Melsoft IQ von Mitsubishi – sichern ein effizientes Engineering. Weitere Highlights sind das neue Rohrleitungsmodul in Eplan Preplanning, 3D- und 2D-Ansichten für Anschlagteile im Kabelbaum-Engineering und die smarte Verdrahtung mit Eplan Smart Wiring, das jetzt auch als Client-Server-Installation verfügbar ist.

Erschienen in Ausgabe: 08/2017