Doppelt stark

Gunnar Detto/Matthias Kählig - Die Doppelspitze ist vor dem Tor gefürchtet - und oft effektiver als ein Angreifer. »Alles eine Frage des Zuspiels«, sagen sich die beiden Geschäftsführer von Kählig Antriebstechnik.

16. Oktober 2007

Wer viele neue Ideen hat und mit Bieneneifer entwickelt, braucht schnell Verstärkung, hat sich Matthias Kählig gesagt. Seit Januar dieses Jahres gibt es einen weiteren Geschäftsführer: Gunnar Detto. »Ausschlaggebend für die Doppelspitze ist das kontinuierliche Wachstum der Kählig Antriebstechnik in den letzten dreieinhalb Jahren«, begründet Matthias Kählig die Arbeitsteilung. Er konzentriert sich auf die Bereiche Technik und Produktentwicklung, in denen in den letzten Jahren verstärkt investiert wurde, und Gunnar Detto zeichnet für die Bereiche Vertrieb, Finanzen, Einkauf und das Auftragszentrum verantwortlich.

Derzeit beschäftigt KAG 140 Mitarbeiter, und hat im letzten Jahr insbesondere Ingenieure eingestellt, denn in der Entwicklung neuer Lösungen liegt die Stärke. »Wir bauen die besonderen Eigenschaften unserer Motoren weiter aus, ergänzen sie durch neue Eigenschaften und realisieren vollständige Systemlösungen in ausgewählten Marktsegmenten«, sagt Gunnar Detto. Ein Ergebnis dieser Strategie ist der Hydro Wizard, ein innovatives Strömungssystem.

Kraft des Besonderen

Diese Neuentwicklung basiert auf dem elektrisch kommutierten Gleichstrommotor der Serie ECM. Weitere Komponenten des Hydro Wizard sind ein Impeller sowie ein spezielles Gehäuse. »Motor, Impeller und Gehäuse sind so ideal aufeinander abgestimmt, dass über eine Steuerung mit wenig Energieaufwand möglichst viel Wasser oder ein anderes Medium in einem Becken respektive Behälter bewegt werden kann«, beschreibt Detto die Technik. Ursprünglich wurde der Hydro Wizard für Aquakulturen und Schauaquarien entwickelt. Das Konstruktionsprinzip des Systems ermöglicht ein lineares Ein- und Ausströmen des Wassers, ergo eine kontinuierliche Fließrichtung unabhängig vom Volumen und der Höhe eines Beckens. Übliche in Aquarien verwende Pumpen sind Kreiselpumpen, die je nach Beckenvolumen immens viel Energie brauchen, um eine Strömung im Medium zu erzeugen. »Tests belegen, dass der Hydro Wizard einen im Durchschnitt um den Faktor 10 geringeren Energiebedarf hat und somit auch wirtschaftlich interessant ist. Hinzu kommt, dass unsere Neuentwicklung auch in anderen Medien einsetzbar ist, zum Beispiel in Säurebädern.«

Konstruktionsdaten können stimmig sein, doch bei ungewöhnlichen Ideen stellt sich die Frage der praktischen Anwendbarkeit. Dazu Gunnar Detto: »Das System wird derzeit in einer Aquakultur in der Nähe von Hannover eingesetzt. Außerdem wurde ein Hydro Wizard im neuen Sealife-Center in Hannover installiert, und auch das Aquarium im Kölner Zoo hat bereits Interesse bekundet.« Da dieses System effizient Strömungen in unterschiedlichen Medien erzeugt, wird derzeit untersucht, wie das System in Laugen und Säuren eingesetzt werden kann. »In diesem Strömungssystem stecken noch ungeheure Potenziale«, ist Gunnar Detto überzeugt.

Hydro- und Agrikultur sind bisher die Exoten für Antriebstechnik aus dem Hause KAG. Im Fokus stehen heute schon die Medizintechnik, Haustechnik, Fluidförderung, Fahrzeugindustrie, Büro- und Kommunikationstechnik und die Automatentechnik sowie in der Industrieautomation. »Wir sind überall dort aktiv, wo es um individuelle Antriebslösungen im Dauerleistungsbereich von 2,5 bis 250 Watt geht. Vor allem in der Luft- und Raumfahrttechnik sehen wir Potenzial für unsere Sonderantriebslösungen.«

Spezialisten für Sonderantriebslösungen brauchen Erfahrungen und müssen Entwicklungsarbeit leisten. »Wir verfügen über ein exzellent ausgestattetes Labor als ideale Ergänzung zu unseren hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern, von denen viele jahrzehntelange Erfahrungen im Motorenbau vorweisen können«, sagt Detto.

Der Blick reicht über den Tellerrand. »Jenseits

des Motors haben wir die Gesamtapplikation des Kunden im Blick. Wir streben eine ganzheitliche Betrachtung der kundenspezifischen Antriebslösung an, also zum Beispiel auch den Bauraum sowie die angebauten Komponenten unserer Motoren. Deshalb arbeiten wir sehr intensiv mit unseren Auftraggebern zusammen, um für sie die bestmöglichen Antriebslösungen zu entwickeln «. Auf die Stärke in der Entwicklung legt Firmengründer Matthias Kählig besonderen Wert: »Unser hauseigenes Labor ist hier eine wertvolle Hilfe. Wir können die Baugruppe, in der unser Motor integriert wird, intensiven Tests zu unterziehen, wobei uns moderne Vibrations-, Klima- und Temperaturprüfstände zur Verfügung stehen. « Auf dem Vibrations- und Schockprüfstand wird den Antrieben nichts geschenkt: Der Prüfstand erreicht eine Beschleunigung bis 50 g, kann Rauschen, Schock sowie Resonanz testen und verfügt über frei programmierbare Belastungsprofile.

Antrieb auf dem Prüfstand

»Über unsere Röntgen CT-Anlage wiederum nehmen wir zerstörungsfreie Befundungen vor«, ergänzt Matthias Kählig: »Und mit unserer SLS-Anlage können wir beispielsweise Pumpengehäuse produzieren, in denen später Antriebe eingebaut werden, und diese für die gesamte Applikation testen. Für unsere Kunden ist dieses Angebot sehr interessant, da sich hierdurch eventuelle kostspielige Änderungen an Werkzeugen vermeiden lassen. Die SLS-Anlage eignet sich darüber hinaus zur Fertigung von Vorserien- und Serienteilen in kleinen Losen, falls der Bau von Werkzeugen zu kostspielig sein sollte.«

Wer Gleichstromantriebe anbietet, muss gegen fernöstliche Konkurrenz bestehen. Gunnar Detto bringt das nicht aus der Ruhe: »Bei den Antrieben aus Fernost handelt es sich überwiegend um Massenware, daher sind sie keine Konkurrenz für uns. Wir bedienen vor allem Nischenmärkte, die extrem hohes Know-how und umfangreiche Erfahrungen erfordern, denn unser Tagesgeschäft besteht in der Entwicklung und Fertigung von Sonderantriebslösungen.«

Martinus Menne/Peter Schäfer

Zur Person

Gunnar Detto, 46, ist seit dem 1. Januar 2007 Geschäftsführer der Kählig Antriebstechnik GmbH (KAG) in Hannover. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war er in der Nahrungs- und Verpackungsindustrie, zuletzt als Leiter Konzern-Controlling tätig. In der Investitionsgüterindustrie nahm er kaufmännische Leitungsfunktionen wahr. Bevor Gunnar Detto zur KAG kam, war er vier Jahre als Bereichsleiter einer Unternehmensberatung tätig.

Erschienen in Ausgabe: 07/2007