Dr. Herbert Aly

Blickpunkt

Experten-Interview

28. Juni 2012

Herr Dr. Aly, welche Chance haben Zulieferer von Komponenten für den Schiffbau?

Die Zulieferindustrie bekam die Folgen der Schifffahrtskrise verzögert und abgemindert zu spüren. Das lag am ungebrochenen Ausbau der Kapazitäten in Asien, der dortigen staatlichen Unterstützung und der Konzentration auf »Local content«. Diesem Trend lässt sich nur durch Erhalt der Produktexzellenz begegnen, die Innovationskraft dazu haben die deutschen Schiffszulieferer.

Welche Rolle spielt der Spezialschiffbau?

Generell ist dies ein Hoffnungsträger, bei Blohm + Voss gekennzeichnet durch den Bau von Megayachten. Ob sich europäische Unternehmen in anderen Bereichen, wie etwa bei Kreuzfahrern, noch lange behaupten können, kommt darauf an, wie sie sich vor dem asiatischen Zugriff schützen können.

Dem Thema »Green Shipping« wird derzeit große Bedeutung beigemessen. Zu Recht?

Aus ökologischen Gründen kann ich diesen Trend natürlich nur unterstützen. Zumal hier zweifelsohne Wachstumspotenziale für die deutsche Zulieferindustrie auf der Hand liegen. Es muss aber diffe-renziert betrachtet werden, inwieweit dies auch für deutsche Werften einen nennenswerten Auslastungseffekt bringen kann.

Und wie beurteilen Sie den Offshore-Bereich?

Ohne Zweifel besteht hier ein enormes Wachstumspotenzial, denn grundsätzlich geht an der Nutzung regenerativer Ressourcen kein Weg vorbei. Doch wenn auch den Windturbinen ein schneller Einstieg in wettbewerbsfähige Marktpositionen beigemessen werden dürfte, wurde dennoch das Tempo der Entwicklung dieses Segmentes überschätzt.

Dr. Herbert Aly ist Vorsitzender des SMM-Beirats, gleichzeitig Vorsitzender der Geschäftsführungen der Blohm + Voss Industries GmbH, Blohm + Voss Repair GmbH sowie Blohm + Voss Shipyards GmbH und damit ein bedeutender Vertreter der deutschen und internationalen Schifffahrtsindustrie.

Erschienen in Ausgabe: 05/2012