Drehkranz für den Packesel

Spezial

Wälzlager – Mithilfe von Anbaugeräten wie Dreh- und Seitenkippgeräten mutieren gewöhnliche Gabelstapler zum Gerät für alle Zwecke. Zentrales Bauelement dabei ist der Drehkranz.

15. April 2009

Eine Last aufnehmen, von A nach B fahren und die Last dort wieder absetzen – so lässt sich der Arbeitseinsatz eines gewöhnlichen Gabelstaplers zusammenfassen. Wer seinen motorisierten Packesel für mehr als nur den Transport von Paletten benutzen möchte, kann mit Anbaugeräten nachhelfen. Diese machen aus dem konventionellen Flurförderzeug ein Multitalent mit den unterschiedlichsten Eigenschaften und Fähigkeiten.

180-Grad-Drehung möglich

Mit Dreh- und Seitenkippgeräten kann beispielsweise ein Stapler im Stahlwerk einen mit gemahlenem Eisenerz beladenen Eisenbahnwaggon anheben und durch eine 180-Grad-Drehung auskippen. In diesen Stapler-Anbaugeräten ist der Drehkranz, der die Drehbewegungen ermöglicht und eine entsprechende Lastaufnahme zuverlässig gewährleistet, ein zentrales Bauelement. Für Gerätetypen aus diesem Produktbereich setzt die Aschaffenburger Kaup GmbH & Co. KG Gesellschaft für Maschinenbau, die pro Jahr über 40.000 Anbaugeräte fertigt, auf Kugeldrehverbindungen der Rodriguez GmbH. Diese Wälzlagerausführungen haben sich wegen ihrer hohen Tragfähigkeit in den unterschiedlichen Kaup-Geräten bewährt. Durch konstruktiven Aufbau nehmen sie radiale, axiale und Kippmomentbelastungen mit einer Lagerstelle sicher auf. Deshalb können Lagerungen mit Radial- und Axiallager-Kombinationen oft in nur einer Lagerstelle verwirklicht und Aufwand sowie Kosten für Gestaltung der Anschlusskonstruktion und den Einbau der Lager erheblich verringert werden. Die Kugeldrehverbindungen ermöglichen beispielsweise die Pannenhilfe bei Muldenkippern im Erdbau.

Austausch von Riesenreifen

Diese sogenannten Dumper haben teilweise Fahrzeugräder mit einem Durchmesser von vier Metern. Ein Reifenplatzer in der Mine kann deshalb zum schwerwiegenden Problem werden. Die Kugeldrehverbindungen von Rodriguez ermöglichen die nötige Bewegungsfreiheit, um die Riesenreifen des geländegängigen Nutzfahrzeugs auszutauschen. Wo möglich finden Kugeldrehverbindungen in Standardausführung mit kundenspezifischem Zuschnitt, zum Beispiel der Anpassung des Bohrbilds gemäß der entsprechenden Aufnahmebohrungen, Verwendung. Doch oft sind Stapler mit Drehgeräten von Kaup auch in Anwendungen mobil, in denen es heiß hergeht – wie in Gießereien. »Hierfür liefern wir den Drehkranz in Heißausführung, die in einem Temperaturbereich von bis zu 150 Grad einsetzbar ist«, erläutert Ulrich Schroth, Leiter der Rodriguez-Niederlassung Süd in Marbach. Für den Einsatz bei solch hohen Temperaturen verfügt die Kugeldrehverbindung über eine spezielle Dichtung aus Viton. Das Dichtungsmaterial weist eine hohe thermische und chemische Beständigkeit auf. Die Führung der Wälzkörper wird mit einem Stahlkäfig umgesetzt, da – ebenso wie bei konventionellem Gummiwerkstoff als Lagerdichtung – Kunststoff bei diesen Betriebsbedingungen an seine Grenzen stoßen würde. Zwei Typen sind im Programm der Eschweiler verfügbar: Die Baureihe KDL eignet sich für leichtere Applikationen wie etwa zur Rotation bzw. Positionierung wie auch von Werkzeugmagazinen in Werkzeugmaschinen oder Bearbeitungszentren. Die für mittlere Belastungen ausgelegte, kompakt bauende Reihe KDM zeichnet sich durch eine deutlich höhere Leistung aus und hat sich auch im Heavy Duty-Einsatz in Offshore-Windkraftanlagen bewährt, um Rotorblätter in bei zu starkem Wind zu drehen und dabei ein Zittern der Blätter zu verhindern.

Standardmäßig sind beide Baureihen mit einem beidseitig abgedichteten Laufbahnsystem ausgestattet und je nach Anwendungsbedarf in den Ausführungen unverzahnt, außenverzahnt sowie innenverzahnt lieferbar. Die Drehkränze können flexibel mit Ritzel, Planetengetriebe und allen gängigen Motoren unterschiedlicher Hersteller kombiniert werden. Die Betriebstemperatur beträgt zwischen minus 25 und 80 Grad Celsius. Neben einreihigen Vierpunktlagern bietet Rodriguez für Anwendungen mit höheren Belastungen auch zweireihige Kugeldrehverbindungen oder Kreuzrollen-Drehverbindungen. Die ein- und zweireihigen Lager decken Durchmesser von 200 bis 3.000 Millimetern ab. Weitere Abmessungen nach Kundenwunsch sind möglich, wie beispielsweise mit 3.600 mm Außendurchmesser für die Offshore-Brücke einer Ölplattform in der Nordsee. Ebenfalls auf Anfrage fertigt Rodriguez Kugeldrehverbindungen in individuellen Sonderausführungen.

Nicole Dahlen, Rodriguez/aru

Fakten

- Die Rodriguez GmbH zählt weltweit zu den führenden Anbietern von Dünnringlagern, Lineartechnik, Präzisions-Rollenlagern, Sonderlagern und Komponenten für die verschiedensten Industriebereiche.

- Nach Kundenspezifikationen fertigt Rodriguez Komplettsysteme rund um sein Dünnringlager-Programm und die Lineartechnik.

Erschienen in Ausgabe: 02/2009