»Dreiklang für die Sicherheit«

Interview

Thomas Dahmen, Christian Heller – Wohin es für Schmersal 2013 gehen soll, erzählen der Leiter Produktmanagement und der Produktmanager Sicherheitstechnik.

18. Februar 2013

Meine Herren, mit welchem Gefühl starten Sie ins kritisch betrachtete Jahr 2013?

Dahmen: Bei Schmersal sind wir guten Mutes. Die Arbeit der vergangenen Jahre, die zahlreichen Projekte, die wir gestartet haben, werden 2013 mit Sicherheit Früchte tragen und das in vielerlei Hinsicht. Schmersal wird sich globaler aufstellen und den Auftritt in den Emerging-Markets weiter verstärken. Das gilt nicht nur für den Vertrieb, wir sind auch in den wichtigsten Märkten mit eigenen Fertigungsstätten präsent. Mit dem Neubau in Indien wird Schmersal in diesem Jahr eine komplett neue Fertigungsstätte bekommen. In China und Brasilien vergrößern wir unsere Produktionskapazitäten deutlich, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden. In erster Linie decken diese Werke den lokalen Bedarf ab, überwiegend mit einfachen Produkten wie Positionsschaltern. Aber es ist geplant, diese Märkte auch mit Produkten zu versorgen, die höhere sicherheitstechnische Anforderungen bedienen. Diese kommen aber weiterhin überwiegend aus Deutschland.

Schmersal ist auch 2013 auf dem Weg zum Systemanbieter. Markenstrategisch wollen wir die Ansätze zu einem sogenannten Dreiklang verdichten. Wir sprechen mittlerweile von Safety Products, Safety Solutions und Safety Services, die wir miteinander verbinden.

Und das Know-how liegt immer in Wuppertal?

Dahmen: Wir betreiben in Deutschland drei Kompetenzzentren. Am Stammsitz Wuppertal fertigen wir im Wesentlichen Sicherheitstechnik und Positionsschalter, in Wettenberg die Sicherheitsrelaisbausteine und die Befehls- und Meldegeräte, auch für den Atex-Bereich, und in Mühldorf sitzt unsere Tochter Safety Control, die für die Optoelektronik zuständig ist. Dort entwickeln, prüfen und fertigen wir im ersten Schritt die Produkte, die von dort sukzessive in die Welt ausgerollt werden.

Heller: Wir rücken noch näher an den Markt, zum Beispiel in die Schwerpunkte Werkzeugmaschinenbau oder die Verpackungs- und Automobilindustrie. Gut zum Ausdruck kommt das durch unser kürzlich eröffnetes Technologiezentrum in Bietigheim-Bissingen. So wollen wir unsere Branchenstrategie ausbauen und eine stärkere Marktdurchdringung erreichen.

Wird auch die Konjunktur mitspielen?

Dahmen: Für einen Crash, wie ihn einige befürchten, sehen wir keine wirklichen Anzeichen. Große Hoffnungen liegen im asiatischen Markt, wo wir unsere Anstrengungen extrem verstärken. Die Wirtschaftszahlen aus China lassen Positives erwarten. Dort zieht die Wirtschaft wieder an, und das gibt positive Impulse für ganz Asien. In Europa wird das Wachstum verhalten sein. Mit dem erweiterten Produktspektrum und vielen Innovationen rechnen wir mit einem hohen Kundeninteresse und gutem Wachstum, zum Teil auch durch Verdrängung.

Heller: In Asien findet gerade ein Umdenken in der Sicherheitstechnik statt, weil der Export nach Europa wächst und die Anbieter hier zum Beispiel die Maschinenrichtlinie einhalten müssen. Dadurch ist in den nächsten Jahren starkes Wachstum zu erwarten. Und da Schmersal im Bereich Sicherheitstechnik stark vertreten ist, wird sich die Zukunft für uns positiv gestalten.

Wo liegen die Branchen, die Sie 2013 angehen möchten?

Dahmen: Schmersal ist durch die schweren Positionsschalter historisch stark in der Schwerindustrie. Dieses Segment werden wir forcieren mit einem eigenen Branchenmanager, der dort die Anforderungen verdichtet und uns als Lösungsanbieter aufstellt. Der Schwerpunkt verlagert sich hier von Deutschland nach Brasilien, China, Indien oder Australien, wo heute die Rohstoffe gefördert werden.

Ein anderer historisch gut besetzter Markt ist die Verpackungsindustrie, in dem wir sehr erfolgreich sind und gute Produkte anbieten können. Für diese Branchen entwickeln wir auch stetig neue Produkte, die immer spezifischer auf den jeweiligen Bereich zugeschnitten sind. Weitere Kernbranchen sind die Automobil- und Werkzeugmaschinenindustrie sowie in speziellem Maß auch die Aufzugstechnik. Hier liegt eine der Wurzeln der Familie Schmersal. Daher sind wir auch wieder auf der Interlift vertreten.

Heller: Als wichtiges Signal haben wir mit der Firma Böhnke und Partner einen Steuerungsspezialisten für die Aufzugstechnik erworben. So können wir uns auch dort zum Systemanbieter entwickeln.

Zwei Begriffe, die man bei Schmersal häufig hört, sind Safety-Services und Application-Engineering. Wie füllen sie diese mit Leben?

Dahmen: Safety-Services penetrieren wir schon lange, auch in der Außendarstellung. Viele Kunden suchen über die Beratung einen kompetenten Partner, der sie bis zur kompletten Lösung begleitet. Safety Consulting ist dabei der erste Schritt. Dieses Thema werden wir weiter vorantreiben. Beim Application-Engineering steht die Umsetzung der sicherheitstechnischen Lösungen für eine bestimmte Anwendung im Vordergrund. Auch hier begleiten wir den Kunden vom Erstkontakt bis zur Inbetriebnahme. Beides wird bei Schmersal gelebt.

Finden Sie genug qualifizierte Applikationsingenieure?

Dahmen: Die Suche nach Fachpersonal war 2012 mit Sicherheit eine der größten Herausforderungen. So viele offene Stellen hat es bei Schmersal lange nicht mehr gegeben. Wir werden die eigene Aus- und Weiterbildung deshalb stark vorantreiben und mehr Auszubildende einstellen und erstmalig ein duales Studium anbieten, um zeitnah eigenes, qualifiziertes Personal zu gewinnen, das wir nach unseren Bedürfnissen ausbilden können.

Heller: Ganz wertvoll ist dabei unser neues Tecnicum. Es ist technisch auf dem neuesten Stand und bietet genug Raum. Mit einem Konzept haben wir das externe und interne Seminarprogramm komplett überarbeitet, denn Wissen ist einer der Schlüsselfaktoren für die Zukunft. In einer »Qualifizierungsoffensive« führen wir unsere Mitarbeiter an neue Herausforderungen heran, wie etwa ein kulturelles Training zum Verhalten in China oder Indien.

Dahmen: Darüber hinaus ist unsere Personalabteilung in stetigem intensiven Kontakt mit Hochschulen wie zum Beispiel dem Lehrstuhl für Maschinenbau und Sicherheitstechnik an unserer Heimuni in Wuppertal oder der Hochschule Köln/Bonn.

Von den allgemeinen Punkten hin zu den Produkten. Wo liegen die Highlights 2013?

Heller: Das neueste Produkt im Hause Schmersal ist die neue Sicherheitszuhaltung AZM300. Sofort ins Auge sticht das neue Design des Zuhaltungselements, das in Form eines Malteserkreuzes gestaltet ist. Dadurch ist es möglich, hohe Zuhaltekräfte aufzubringen. Dank dieser Konstruktion gibt es auch keine offene Stelle, in der sich Schmutz, Keime oder Bakterien ansammeln können – genauso haben wir scharfe Kanten vermieden. So erfüllen wir die meisten Hygieneaspekte in den Bereichen Verpackung, Lebensmittel und Pharma.

Das AZM300 ist symmetrisch aufgebaut und eignet sich für rechte und linke Türen gleichermaßen, der Anwender kann es von drei Seiten anfahren. Das macht das Gerät sehr flexibel. Es erfüllt die Anforderungen an SIL 3, und die Rastfunktion, die das Ausspringen von Türen bei Vibrationen verhindert, ist über das Malteserkreuz bereits integriert. Durch eine Drehung des Malteserkreuzes um 180 Grad lässt sich die Rastkraft einfach verändern. Durch den integrierten RFID-Sensor, der sich individuell codieren lässt, wird ein hoher Manipulationsschutz erreicht. Der Bediener kann das Sicherheitsschaltgerät nicht auf einfache Weise mit einem Ersatzbetätiger umgehen.

Was ist noch geplant in diesem Jahr?

Dahmen: Wir wollen die Miniaturisierung vorantreiben, der Trend geht im Maschinenbau weiter in diese Richtung. Wir planen, Ende des Jahres zur SPS IPC Drives neue Produkte vorzustellen. Allerdings ist der technische Aufwand beträchtlich, denn kleiner heißt oft auch höhere Komplexität und Herstellkosten. Wir müssen die Miniaturisierung also zu vertretbaren Preisen realisieren.

Zudem werden wir unser Portfolio der programmierbarbaren Sicherheitstechnik weiter ausbauen, sodass wir auch hier sukzessive zum Lösungsanbieter werden. Dies umfasst ein dezentrales Installationskonzept samt Sensorik, Zuhaltungen und Optoelektronik. Wenn notwendig, gehen wir dazu auch Partnerschaften ein.

Heller: Im Fokus stehen bei Schmersal 2013 auch die Schnittstellen. Wir können nicht jede Sicherheitsfeldbusschnittstelle in unsere Geräte integrieren. Darum wollen wir über ASI Safety at work die Anbindung an die verschiedenen Feldbusse darstellen.

Was für Impulse bringt das neue Logistikzentrum?

Dahmen: Für Schmersal ist es ein riesiger Meilenstein, sich in der Logistik für Europa komplett neu aufzustellen. Wir werden über die nächsten zwei Jahre alle dezentralen Lager in Europa auflösen und von Wuppertal aus alle Länder in Europa beliefern. Das erhöht die Verfügbarkeit von Produkten, da der komplette Pool an Waren an einer Stelle liegt und somit alle Kunden direkt darauf zugreifen können. Das Logistikzentrum verkürzt auch die internen Wege, weil wir die Produktion demnächst direkt daraus speisen werden, die Fördertechnik ist bereits installiert. Auch auf diese Weise werden wir im Jahr 2013 ganz neu durchstarten.

Vitae - Thomas Dahmen

-Studium der Elektrotechnik in Köln.

-Mehrere Stationen im Produktmanagement, in der Automatisierungstechnik und zerstörungsfreien Werkstoffprüfung.

-Seit Mitte 2010 Leiter weltweites Produktmanagement bei Schmersal.

Christian Heller

-Ausbildung zum Elektrotechniker.

-Zuerst Service für Baulasergeräte, dann Projektleitung und Vertrieb für Leitwarten.

-Seit 1. März 1992 bei Schmersal, seit drei Jahren im Produktmanagement Sicherheitstechnik.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013