Druck machen

DRUCKTECHNIK – Die Druckindustrie lebt von Innovationen. Schließlich ist der Wettbewerb hart, und die Zulieferer sind handverlesen. Antriebslösungen für die Druckindustrie müssen vom Feinsten sein.

20. Juni 2008

Ganz oben auf der To-do-Liste von Druckereien und demzufolge der Druckmaschinenhersteller steht steigende Qualität von Druckerzeugnissen hinsichtlich der Farbgebung bei noch reaktionsschnellerer Farbsteuerung. Die Maschinen und Anlagen sollen noch zuverlässiger werden, einfacher zu bedienen sein, und die Effizienz soll steigen bei extrem hohen Druckgeschwindigkeiten. Umweltverträgliche Technologien, schonender Umgang mit den Ressourcen und die sichere Beherrschung der eingesetzten Technik komplettieren den Leistungskatalog. Kurzum, die Druckindustrie stellt komplexe Aufgaben. Deshalb ist weniger der Austausch einzelner Komponenten mit höherem Leistungspotenzial gefragt, sondern gezieltes Verbessern der Baugruppen mit integrierten Lösungen.

PARTNER DER DRUCKINDUSTRIE

Wen wundert’s, dass alle Technologieführer sich auf dem Gebiet der Drucktechnik ein Stelldichein geben und mit zukunftsweisenden technischen Lösungen aufwarten. Um wirtschaftlich effiziente Fertigungsabläufe sicherzustellen, stehen deshalb durchkonzipierte sowie einfach und komfortabel zu bedienende Systeme hoch im Kurs, angefangen von störungsfrei und zuverlässig arbeitenden Antriebssystemen bis hin zur kompletten Prozesssteuerung.

»Partnerschaftlich enge Zusammenarbeit mit der Druckmaschinenindustrie hat bei SKF eine lange Tradition«, sagt Rainer Deuerling. Er ist Global Segment Manager Printing bei SKF und unterstützt seit vielen Jahren die Druckmaschinenindustrie dabei, Maschinen und Anlagen zu entwickeln, die höchst leistungsfähig und zuverlässig arbeiten.

Die Partnerschaft von SKF mit der Druckmaschinenindustrie basiert auf mehreren Säulen. Deuerling nennt hier zum einen das umfassende Sortiment an Produkten für alle Aufgaben der Bewegungstechnik, »das SKF weltweit seinen Kunden anbieten kann, angefangen vom kleinsten Rillenkugellager bis hin zu hochpräzisen Komponenten und Systemeinheiten. Zum anderen stellt SKF großes Anwendungswissen aus nahezu allen industriellen Bereichen der rotativen und translatorischen Lagerung zur Verfügung. Stichworte sind hier Dienstleistungen und anwendungstechnischen Beratungen unserer Kunden.«

Neben Lager und Lagereinheiten zählen mittlerweile Dichtungen, Schmiersysteme, Mechatronik und eine Vielzahl von Dienstleistungen zu den Kernkompetenzen des Konzerns. »Wir sind in allen Bereichen mit Produkten und Lösungen vertreten – von der Druckvorstufe bis hin zur Konfektionierung«, ergänzt Rainer Deuerling.

In den zurückliegenden Jahren hat SKF sich durch eigene Entwicklungen, aber auch durch gezielte Firmenzukäufe zu einem Unternehmen entwickelt, das rund um die Lagerung umlaufender Teile weit mehr zu bieten hat als nur Lager und Lagereinheiten. Erweitert wurde das Angebotsspektrum durch die Zukäufe der Willy Vogel AG, einem führenden Anbieter von Schmiersystemen, dem französischen Unternehmen SNFA, bekannt für die Herstellung von Hochgenauigkeitslagern, sowie dem österreichischen Dichtungsspezialisten Economos. Eine strategische Neuausrichtung des Konzerns, die den gestiegenen Anforderungen an Qualität, Service und Systemlösungen Rechnung trägt, war die logische Folge.

SYSTEMLÖSUNGEN

Zu den wichtigen Bauteilen einer Druckmaschine gehören die Druckzylinder, deren Laufgenauigkeit sich direkt auf die Druckqualität und -leistung auswirkt. »Die von SKF entwickelten Druckzylinderlagereinheiten, deren Einsatz bereits in der Vergangenheit zu signifikanten Leistungssteigerungen im Druckprozess geführt haben, wurden nun zu kompakten, einbaufertigen Druckzylinderlagersystemen weiterentwickelt«, erklärt Rainer Deuerling. Diese Systemlösungen sind mit kundenspezifischen Dichtungen und speziellen Schmierstoffen ausgerüstet, sodass eine störungsfreie Langzeitschmierung den zuverlässigen Druckbetrieb bei niedrigen Instandhaltungskosten sicherstellt. Angenehmer Nebeneffekt ist die vereinfachte Handhabung und Montage der Druckzylinderlagereinheiten.

»Neben maßgeschneiderten Lösungen mit Kegelrollenlagern, die für den Bogendruck entwickelt wurden, »sind SKF Explorer-Wälzlager aufgrund ihrer außergewöhnlichen Performance aus den Druckmaschinen nicht mehr wegzudenken«, sagt Deuerling und begründet: »Aufgrund hervorragender Eigenschaften der Werkstoffe und eines neuen Härteverfahrens entsteht eine deutlich verbesserte Rollenqualität, sodass SKF-Explorer- Lager bei reduziertem Schwingungspegel und längerer Gebrauchsdauer in wesentlich höheren Drehzahlbereichen einsetzbar sind.«

Ebenso wie bei den Druckzylinderlagersystemen handelt es sich bei den oszillierenden Lagereinheiten um abgestimmte Komplettlösungen, bestehend aus Lager, Dichtung und Gehäuse. Gleichzeitiges Auftreten von Rotation und Oszillation bei der Reibzylinderlagereinheit fordert einiges von der Befettung und der Abdichtung des Systems. Die Reibzylinderlagereinheit wird vorgefettet geliefert. Deuerling nennt Vorteile: »Im Changierlager befindet sich das richtige Fett in richtiger Menge an der richtigen Stelle, ohne Verschmutzungsrisiko. « Diese Einheiten können wahlweise mit Welle und Sensoren ausgerüstet werden. »Die speziell für Druckmaschinen entwickelten oszillierenden Lagereinheiten sind leicht einzubauen, wirtschaftlich attraktiv und unterstützen die simultan auftretenden Axial- und Drehbewegungen von schwingenden Farb- und Feuchtwalzen.«

KOMPLETT FÜR BOGENOFFSET

Mit Bogenoffsetmaschinen lassen sich Druckerzeugnisse von hoher Qualität herstellen. Dabei müssen die einzelnen Papierbögen die Maschinen mit großer Genauigkeit und hoher Geschwindigkeit durchlaufen. Es treten hohe dynamische Belastungen mit einhergehenden Schwingungen auf, da die sich drehenden Farb- und Feuchtreibzylinder zusätzlich schwingen. Zylinderrollenlager mit sehr breitem Innenring haben sich als die beste Lösung erwiesen. Zur Vermeidung von externen Einflüssen hat SKF die internen Oszillatorgetriebe für die Verreiberwalzen entwickelt. Sie führen simultane Axial- und Drehbewegungen aus und verteilen dabei die Farbe bzw. das Wasser auf der Farb- und Feuchtwalze. »Mit den Einheiten, die sich ohne großen Aufwand in die vorhandene Anlage einbauen lassen, können unterschiedliche Schwingungsfrequenzen und Hubbewegungen realisiert werden. Auf externe Untersetzungsgetriebe undSchwingen bzw. Exzenterrollen kann verzichtet werden. Bessere Druckqualität und höhere Produktivität sind das Ergebnis dieser Lösung, die auch hinsichtlich der Gesamtkosten interessant ist«, beschreibt Rainer Deuerling. Ungeplanter Maschinenstillstand, hervorgerufen durch die falsche Dichtungsauswahl, kann zu empfindlichen Ausfallkosten führen. Deshalb gilt es, bei der Auswahl der richtigen Dichtungslösung größte Sorgfalt walten zu lassen, damit eine hohe Verfügbarkeit von Druckmaschinen sichergestellt ist.

Die richtige Dichtungslösung erreicht man, wenn man Lagerung, Schmierung und Dichtung als ein voneinander abhängiges System betrachtet und dabei alle beeinflussenden Faktoren mit in die Überlegungen einbezieht; dazu zählen u. a. Temperaturen, mechanische Belastungen und chemische Einflüsse, aber auch Normen und Zulassungen.

Wenn es um Dichtungen und Schmiersysteme geht, setzt SKF auf maßgeschneiderte Lösungen. Deuerling: »Neben einer immensen Zahl von Standarddichtungen, angefangen von Radialwellendichtungen, O-Ringen. Axialwellendichtungen und Labyrinthdichtungen in allen nur erdenklichen Ausführungen hat SKF speziell für Druckmaschinen maßgeschneiderte Lösungen im Portfolio. Hierzu bieten Ingenieure und Techniker von SKF mit einer detaillierten Systemanalyse einen umfassenden Service und unterstützen ihre Kunden bei der Auswahl des geeigneten, optimalen Dichtungssystems.«

Noch vor wenigen Jahren war eine Fettgebrauchsdauer von mehr als fünf Jahren für Schmierfett völlig unrealistisch. Doch inzwischen wurden bedeutende Fortschritte bei der Entwicklung von Lagern für moderne Druckmaschinen, einschließlich Dichtungen und Schmierfett, erzielt. Die zum Teil erheblichen Verbesserungen haben zu einer deutlich verlängerten Schmierfettgebrauchsdauer geführt. »Ergebnisse von Simulationen, Berechnungen und Tests zeigen, dass sich künftig noch leistungsfähigere, kundenspezifischere Lösungen realisieren lassen. Die Weiterentwicklung von Zentralschmiersystemen kann zu weiteren Kostensenkung beitragen und den Dienst am Kunden verbessern«, stellt der Branchenverantwortliche in Aussicht.

Betreiber von Druckmaschinen sind darauf angewiesen, dass die Maschinen möglichst geringen Instandhaltungsaufwand brauchen. Hersteller dagegen müssen ihre Maschinen schnell und effizient zusammenbauen. Die Lebenszykluskosten sollten deshalb so niedrig wie möglich sein, damit der Betreiber Betriebsergebnis und Rentabilität verbessern kann. An diesen Anforderungen müssen sich die Hersteller von Druckmaschinen und ihre Zulieferer orientieren. Deuerling: »SKF hat Lösungen entwickelt, die den Aufbau von Maschinen erleichtern und den Instandhaltungsaufwand senken. Diese Lösungen überzeugen durch eine unkomplizierte Bedienung, innovative Eigenschaften und einen geringen Instandhaltungsaufwand.«

Unerwartete Betriebsunterbrechungen kosten Geld. Eine Druckerei erwirtschaftet nur dann Gewinne, wenn die Druckmaschinen laufen. »Es zahlt sich aus, Maschinen mit zuverlässigen Lösungen auszurüsten und gut instand zu halten. Durch die Zustandsüberwachung und -bewertung kritischer Bereiche lässt sich die Zuverlässigkeit steigern. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, frühzeitig Maßnahmen gegen unerwartete und teure Betriebsunterbrechungen einzuleiten«, sagt Rainer Deuerling. Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 04/2008