"Durchgängiges Know-How"

Interview

Dr. Holger König – Der technische Leiter von Control Techniques berichtet, wie sein Unternehmen zu Emerson fand und wie sich beide im rauen Antriebsmarkt behaupten.

21. März 2011

Control Techniques (CT) ist 1973 in England gegründet worden, die deutsche Niederlassung 1990 aus den beiden Unternehmen Reta und Labod hervorgegangen. Control Techniques war einer der ersten Anbieter von elektronischen Regelgeräten in der Gleichstromtechnik und hat sehr viel im Brandlabel-Geschäft gearbeitet, ist in Deutschland zum Beispiel durch AEG vertrieben worden. Aber als wir 1994 den ersten Universalumrichter weltweit vorstellten, der mehrere Produktlinien umfasste, fiel der Entschluss, eine eigene deutsche GmbH zu gründen.

Welche Meilensteine hat es gegeben? Welche Produkte bietet CT heute?

Ein Meilenstein war die Entwicklung des ersten digitalen Stromrichters Mentor II Mitte der Achziger, der immer noch im Einsatz ist. Dann kam der bereits erwähnte erste Universalumrichter Unidrive Classic, 2003 durch den Unidrive SP ersetzt.

Unser Kerngeschäft sind Stromrichter und Frequenzumrichter, also elektronische Regelgeräte für Motoren. Wir stellen aber auch selber Motoren her und vertreiben diese über unsere Drive Center. Los geht es aber mit einer Beratung, gefolgt von der Entwicklung, die häufig kunden- und branchenspezifisch ist. Wir betreuen unsere Kunden aber auch bei der Inbetriebnahme, bieten Service für diese Geräte bis hin zur Reparatur. Wir bilden den gesamten Lebenszyklus bis hin zur Rücknahme der Geräte ab.

Wann kam die Eingliederung in den Emerson-Konzern? Wie ist das abgelaufen?

1995 hat Emerson einen Großteil der CT-Anteile gekauft, drei Jahre später waren es dann 100 Prozent – als sich Emerson sicher war, dass CT sie antriebstechnisch verstärken kann. Emerson ist ein weltweit tätiger Konzern mit Sparten wie Elektronik, Elektrotechnik, Werkzeugen und Automatisierungstechnik. Dort finden wir unseren Platz. Nach mittlerweile 15 Jahre Emerson fühlen wir uns immer noch wohl dabei.

Wo gibt es Synergien?

Emerson als einer der Fortune 500 in den USA achtet auf die Sauberkeit des Geschäfts, es sind Regularien und Geschäftsprozesse optimiert worden. Wir arbeiten zudem mit anderen Branchen wie Klimatechnik oder Kühlgeräte zusammen, zum Beispiel mit Emerson Climate Technologies in Aachen. Die setzen auch Frequenzumrichter ein und gemeinsam finden wir die optimale Lösung für diese Anwendung. Daraus ergibt sich der Schritt hin in Richtung Systemanbieter.

Was ist für Sie persönlich das Spannende an CT und Emerson? Wie ist Ihr Werdegang?

Ich bin vor 15 Jahren zum Unternehmen gekommen, habe zuerst an der Weiterentwicklung der Umrichter mitgearbeitet, bin dann 1998 technischer Leiter geworden und 2005 kam die Vertriebsleitung für den Bereich Nord hinzu.

Spannend an der Antriebstechnik generell ist, dass man sich mit allen Technologien auseinandersetzen muss, um optimale Lösungen zu generieren. Und das ist auch so das Kredo von CT: Wir liefern keine Stangenware, sondern Lösungen. Das können wir bei dem Riesenwettbewerb in Deutschland nur erfolgreich machen, wenn wir immer vorne dran sind.

Wir arbeiten sehr eng mit unseren Kunden zusammen, schauen, wie wir die Maschinen verbessern können und welche Anforderungen die Umwelt stellt, die Normen und der Kunde selbst. Wichtig sind auch Trends und wie wir diese gemeinsam umsetzen – wir von der Antriebsseite, um unser Geschäft zu sichern.

Der Maschinenbau ist sehr exportorientiert. Welchen Vorteil hat dabei, dass Sie international aufgestellt sind?

Es ist ein Muss, Lösungen auch international zu supporten. Das können wir mit unserem internationalen Netzwerk, zum Beispiel in China oder Indien, abdecken. Wir offerieren Unterstützung bei Inbetriebnahme und Fehlersuche, wir können die Geräte über unser weltweites Drive-Center-Netzwerk reparieren. Zudem werden unsere Lösungen auch internationalen Anforderungen gerecht. Als Drittes sind wir in der Lage, Lösungen nachzunutzen. Wir sind ja nicht der Erfinder von allem, andere haben auch gute Ideen.

Auf Ihrer Webseite bezeichnen Sie sich als Global Player. Wie ist das gerechtfertigt?

Es gibt viele, die sich so nennen, die haben dann ein Portfolio, das vom Schraubenzieher über Waschmaschinen bis zum Kraftwerk geht. Aber können die überall den Service für die Produkte leisten? Darum konzentriert sich CT auf die Antriebstechnik. Ein Kollege in China hat dasselbe Wissen und Know-how wie wir, für jedes Produkt gibt es weltweit sofort den richtigen Ansprechpartner.

Wichtig ist, deutsche Maschinenbauer an ihren Fertigungsstätten im Ausland in der Landessprache lokal zu unterstützen und Geräte direkt aus einem Lager vor Ort liefern zu können. Emerson produziert zum Beispiel Geräte in chinesischer Version für den chinesischen Markt. Ein Beispiel: Einer unserer größten Kunden, ein Textilmaschinenbauer, entschied, die Produktion teilweise nach China zu verlegen – aber nur unter der Voraussetzung, dass sie in China dieselben Geräte und denselben Service bieten können wie hier.

Könnten Sie das tun, wenn Sie nicht zu Emerson gehören würden?

Eine gute Frage. Ja, auch CT selbst ist in 50 Staaten vertreten. Zudem wird das Netzwerk größer und dichter. Entscheidend ist die Kommunikation, und daran arbeiten wir seit Jahren, sie funktioniert einwandfrei. Wir haben Portale, tauschen Gedanken und Dokumente aus und helfen untereinander bei Problemen. Gemeinsame Erkenntnisse fließen in die Entwicklung zukünftiger Gerätegenerationen ein. Mit den drei Fertigungsstätten in den USA, Wales und China ist der Konzern gut aufgestellt.

Was sind diese Drive Center?

Als Global Player muss man weltweit präsent sein, und das schaffen wir mit den Drive Centern. Sie sind nicht nur Vertriebsbüros, wir bieten dort Beratung durch Ingenieure, die auch Service durchführen, Applikationen realisieren, auch mit den Kunden gemeinsam. Reparaturen erfolgen zentralisiert. In den Drive Centern bieten wir also die komplette Bandbreite von der ersten Idee bis hin zur Rücknahme des Produktes. Das ist ganz im Sinne unserer Kunden aus dem Maschinenbau. Das wird weltweit anerkannt und ist eine besondere Struktur, die historisch gewachsen ist.

Hier in Hennef ist das Drive Center praktisch eine Produktion. Es bildet die Zentrale für Mitteleuropa. So muss es nicht an jeder Stelle eine Finanzbuchhaltung, einen Einkauf oder einen Schaltschrankbau geben. Kundensupport bieten wir aber in jedem Drive Center.

Beschreiben Sie bitte Produktspektrum und Stärken von CT.

Unsere Frequenzumrichter liegen im Leistungsbereich von 100 Watt bis zwei Megawatt. Vor zwei Jahren haben wir eine neue Reihe Stromrichter für Gleichstrommotoren an den Markt gebracht, mit einer Spanne von sieben Kilowatt bis drei Megawatt. Dann haben wir Servomotoren bis zu 60 Newtonmetern im Programm.

Weitere Produkte sind unsere Schaltanlagen, die wir kundenspezifisch auslegen. Und nicht zu vergessen unsere Photovoltaik-Gerätereihe, die eigentlich ein Schaltschrank ist, und im Bereich von 150 Kilowatt bis zwei Megawatt als Solar- oder Photovoltaikkraftwerk arbeitet.

Und in welchen Branchen sind Sie zu Hause? Wo liegen die größten Marktanteile, wo gibt es Potenzial?

In der Photovoltaik sind wir sehr erfolgreich. Dort sind wir 2008 mit einem Megawatt gestartet, 2009 waren es zehn, jetzt sind wir bei mehr als 150 und planen weitere Steigerungen in 2011. So schnell steigt natürlich nicht jeder Markt.

Traditionell ist die Aufzugstechnik eine Stärke von CT. Durch die guten Regeleigenschaften des Systems und die freie Programmierbarkeit der Geräte bieten wir unseren Kunden gewisse Vorteile und innovative Lösungen. Dadurch haben wir uns in diesem Bereich zum Marktführer entwickelt.

Die Philosophie eines Universalgerätes, das Asynchron- und Synchronmotoren inklusive Rückspeisung realisieren kann, ohne dass sich an der Hardware des Gerätes etwas ändert, hat uns in manchen Branchen den Einstieg leicht gemacht. In der Prüftechnik zum Beispiel, wo jeder Prüfstand Rückspeisefähigkeit benötigt, liefern wir präzise arbeitende Motorregler. In diesem Bereich fühlen wir uns sehr wohl.

Ein weiterer Bereich ist die Theatertechnik. Hier koordinieren wir bis zu 300 Achsen, je nach Größe des Theaters. In Nürnberg haben wir sogar Ethercat eingesetzt.

Welchen Stellenwert nimmt das Zentrum Forschung und Entwicklung in Wales ein? Wie kurz sind die Wege und wie können Sie davon profitieren?

Meine ersten drei Wochen habe ich dort verbracht. Es war interessant, Arbeitsweise und Prozesse dort kennen zu lernen. Ich denke, es ist eines der bestorganisierten Entwicklungszentren weltweit. Die Prozesse sind klar und der Kundenfokus stark. Die Entwickler fahren direkt zum Kunden, bevor ein Gerät spezifiziert wird, und wir vom Vertrieb geben Kommentare und Erläuterungen dazu.

An was arbeiten die F&E-Mitarbeiter derzeit? Welche Trends verfolgen sie?

Ein Megatrend ist die Energie, es wird von vielen Branchen unterschiedlich widergespiegelt. Einmal gilt es, Energie zu sparen durch eine elektronische anstatt der verlustbehafteten mechanischen Regelung. Häufig spielt die mechanische Optimierung eine Rolle, also die Einführung von Direktantrieben und neuen Antriebskonzepten.

In der Aufzugstechnik wiederum ist der Standby-Verbrauch ausschlaggebend: Beim Stillstehen des Aufzuges darf keine Energie verbraucht oder vernichtet werden. Ein anderer Trend, den ich ganz klar sehe, ist die Sicherheitstechnik. Wir haben eines der sichersten Geräte am Markt, nicht nur weil es stabil ist, es ist auch TÜV-zertifiziert.

Und was sehen wir davon auf der Hannover Messe?

Neben der Sicherheit ist Profinet ein Schwerpunkt. Denn auch die Kommunikation ist immer in Bewegung, ich sehe hier einen ganz klaren Trend zum Ethernet. Das wollen wir mit unserem neuen Profinet-Modul verdeutlichen.

VITA

Dr. Holger König

-Geboren 1958 in Jena

- Studium Elektrotechnik an der TU Chemnitz

-Promotion Digitale Regelung von Asynchronmotoren

-1994 Start bei CT als Produktmanager Frequenzumrichter, 1998 Leiter Technik Deutschland

-2005 Vertriebsleitung Drivecenter Hennef

-2011 Leiter Focus Industries Deutschland

- Leiter AK Netzrückwirkungen der TK A&S des ZVEI

- Hobbys: Wandern, Mountainbike fahren

Erschienen in Ausgabe: 02/2011