E-Antriebe für Kleinmobile

Fluidtechnik

Elektroantriebe – Der Staplerspezialist Linde rüstet auch Mini-Mobile mit E-Antrieben aus: Auf der bevorstehenden Messe Mobilitec zeigen die Aschaffenburger unter anderem eine Elektrodraisine.

11. April 2012

Von Elektrostaplern lernen heißt siegen lernen: Keine Branche hat bis heute mehr Fahrzeuge mit Elektroantrieben gebaut als die Hersteller von elektrisch betriebenen Flurförderzeugen. Das betrifft Fahrzeuge, die in ganz unterschiedlichen Ausprägungen unterwegs sind: etwa als Gegengewichtsstapler, Deichselstapler, Elektroschlepper, Regalbediengerät oder andere mobile Geräte für die Intralogistik. Nach der vom Europäischen Verband für Förder- und Lagertechnik FEM (Fédération Européenne de la Manutention) herausgegebenen weltweiten Statistik über industriell eingesetzte Fahrzeuge World Industrial Truck Statistics 12/2010 wurden im Jahr 2010 weltweit mehr als 395.000 elektrisch betriebene Flurförderzeuge gebaut. Von einem Verbrennungsmotor angetrieben sind dagegen lediglich 345.000 der im gleichen Zeitraum neu in Einsatz gebrachten Flurförderzeuge.

Warum sollten nicht andere Branchen von der Intralogistik lernen: Die Erfahrung, wie man mobilgerechte Elektroantriebe baut, steckt in jedem Elektro-Flurförderer. Allein Linde Material Handling hat mehr als 3,5 Millionen Elektroantriebe für mobile Arbeitsmaschinen produziert. Mit modernster Elektro-Antriebstechnik haben die Aschaffenburger dazu beigetragen, dass die Elektrostapler langsam, aber kontinuierlich in Domänen vordringen, die vor wenigen Jahren noch den Diesel- und Gas-Staplern vorbehalten waren. Zu den Meilensteinen, die diese Entwicklung vorangetrieben haben, gehören der Einsatz umrichtergesteuerter, sehr gut regelbarer Drehstrommotoren sowie die Antriebssteuerung mit Mikroelektronik.

Neue Kundschaft für Staplerbauer

Vor zwei Jahren öffnete Linde sein Angebot auch für externe Kunden und konnte in dieser vergleichsweise kurzen Zeit interessante neue Einsatzfelder für Elektroantriebe des Hauses erschließen. Das allererste Projekt, bei dem Linde-Elektroantriebe außerhalb des Kion-Konzerns, zu dem Linde Material Handling heute gehört, Anwendung finden, ist das Zweiwege-Elektro-Rangierfahrzeug Rotrac E2 des Rosenheimer Fahrzeugspezialisten Zwiehoff. Für das Ziehen von Lokomotiven und Waggons bringt die Elektrodraisine auf sehr geringem Bauraum eine extrem hohe Zugkraft von 200 Tonnen auf. Das nur etwa zwei Meter lange Gerät wird von vier einzeln regelbaren 4,5 Kilowatt-Drehstrommotoren angetrieben, die jeweils paarweise in einer Starrachse untergebracht sind. Gelenkt wird per Funkfernsteuerung über die Steuereinheit der Elektromotoren. Beim Wenden auf der Stelle werden die einzelnen Antriebe gegenläufig angesteuert.

Elektro-Zugkraft bis 200 Tonnen

Im Schienenbetrieb gewährleistet die automatisch nachregelnde Schienenführung höchste Sicherheit. Eine elektronische Boost-Funktion erzeugt die Anfahrmomente, die für das Anfahren aus dem Stand beim Ziehen schwerer Lokomotiven oder Waggons nötig ist. Der geregelte Antrieb verhindert zuverlässig ein Durchdrehen der Schienenräder – und es wird stets nur soviel Leistung auf die Schiene gebracht, wie nötig ist. Der Rotrac E2 spart auch beim Bremsen Energie, weil sein Antriebssystem die Bremsenergie in die Batterie zurück speist.

Zum Einsatz kommen bei dem Rangierfahrzeug aus Rosenheim neben den Antriebsachsen und Umrichtern aus dem Linde-Staplerantriebs-Programm auch zwei elektronische universelle Fahrsteuerungen LINC1, die im Master-Slave-Modus arbeiten. Sogar die Schützentafel, der DC/DC-Wandler, die Ladeschaltung und selbst der konfektionierte Kabelbaum stammen aus der Linde-Serienproduktion.

Dass die von Linde Hydraulics für den Gabelstapler-Einsatz entwickelten Antriebssysteme sogar eins zu eins auf den Automobilbau übertragbar sind, zeigt ein neuer Klein-Pkw: Der Karabag New 500 E auf Basis eines Fiat 500 ist mit Elektromotoren und Leistungselektronik eines Linde-Gabelstaplers ausgestattet. Nur die Software wurde an die geänderten Anforderungen des Straßenverkehrs angepasst.

Interessant ist der Werdegang dieses Fahrzeugs: Die ersten Prototypen waren noch mit Elektroantrieben eines anderen Herstellers ausgerüstet, die mit 30 Kilowatt eine deutlich stärkere Nennleistung hatten, gekühlt werden mussten und eine recht große Batterie erforderten. Trotz des vermeintlich starken Antriebs blieben die Fahrleistungen hinter den Erwartungen der Entwickler zurück.

Die Ingenieure von Linde haben das frühe Antriebskonzept überarbeitet. Als Basis dient jetzt ein leichterer 16,3-Kilowatt-Motor, der nicht gekühlt werden muss und mit kleinerer Batterie auskommt. Dieses deutliche Downsizing führt zu niedrigerem Gewicht und ermöglicht zugleich – laut Testberichten – ansprechende Fahrleistungen. So wurde die Steuerung auf die Bedürfnisse des Stadtverkehrs hin abgestimmt programmiert.

Positiv wirkt sich das Downsizing nicht nur auf die Leistung und die erzielbare Reichweite von 100 Kilometern aus, sondern ebenso auf die Kosten. Mit einer Leasingrate von 299 Euro tritt der Karabag New500E den Beweis an, dass Elektromobilität nicht teuer sein muss: Die monatlichen Vollkosten sind um 51,60 Euro geringer als die eines Serien-Fiat 500 mit Benzinmotor. Somit zahlt es sich gleichermaßen auf der Kostenseite aus, wenn auf bewährte Serienkomponenten zurückgegriffen werden kann.

Zu sehen sind beide Fahrzeuge – Karabag New 500 E und Rotrac E2 – auf der MobiliTec in Hannover am Stand von Linde Material Handling. Und das Unternehmen verspricht, dort noch weitere Elektrofahrzeuge »powered by Linde« vorzuführen.z

Auf einen Blick

-Der Intralogistikspezialist Linde Material Handling mit Sitz in Aschaffenburg entwickelt seit vielen Jahren Elektroantriebe für mobile Anwendungen.

-Weltweit sind heute mehr als 3,5 Millionen Elektroantriebe in Linde-Fahrzeugen im Einsatz beim Lagern, Stapeln und Transportieren.

-Die langjährige Kompetenz in der Entwicklung elektrischer Antriebe eröffnet dem Unternehmen zunehmend neue Arbeitsfelder.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012