Eein Leben mit der Gewindespindel

Porträt

Neff – Er hatte mehrere Unternehmen, aber es gab für Karl Neff immer eine Konstante: die Spindel. Nach wechselvoller Geschichte freut er sich jetzt, mit Hartmut Wandel einen Geschäftsführer zu haben, der die gleiche Leidenschaft hegt und mit Elan nach vorne schaut. von Michael Kleine

13. November 2012

Oft gibt es in einem Unternehmerleben Höhen und Tiefen. Das gilt auch für Karl Neff. »Die Ursprünge liegen mehr als hundert Jahre zurück. Seit 1909 hat mein Großvater Spindeln gefertigt für Klavierhocker und Haushaltsgeräte. Darum war auch für mich die Spindel das bestimmende Element in all meinen Unternehmungen.« Mit Neff Gewindespindeln und später Neff Antriebstechnik entwickelte Karl Neff in den 80er- und 90er-Jahren immer neue Produkte, von der Spindel über Spindelhubgetriebe zu Linearachsen. »Damit haben wir technisch den Durchbruch geschafft und 1983 die erste Lineareinheit kreiert.«

Alles entwickelte sich prächtig, es folgten neue Vertriebssysteme und Märkte. Dann fällt nach der Wiedervereinigung der Entschluss, sich in den neuen Bundesländern zu engagieren: Neff Antriebstechnik übernimmt die Spindelfertigung von Zeiss Jena. »Das waren über 300 Mitarbeiter, wir selbst hatten nur 200«, erzählt Karl Neff. »Aber es lief dort nichts, der Markt ist abgebrochen. So musste ich Anfang 1993 Insolvenz anmelden. Nach diesem Riesenfehler habe ich nichts mehr gehabt.«

Erfolgreicher Neuanfang

Es hat einen neuen Anfang gegeben. Karl Neff übernahm dazu einen Betrieb in Heilbronn, der früher Spindelkomponenten für Neff geliefert hat. »Mein Name war aber erst mal tabu, und so wurde das Unternehmen unter einem anderen Markennamen geführt.« Nur hatte Karl Neff wieder die Banken auf der Matte und das wollte er unbedingt vermeiden. »Darum habe ich einen Partner gesucht und mit einem etablierten Hersteller von Antriebselementen auch gefunden. Dieser wollte aber Eigentümer sein und mich in die Unternehmensführung einbinden. Das hat sich gut angehört und darum habe ich verkauft.«

Leider ging der Plan nicht lange gut, denn der neue Eigentümer bekam wegen übermäßiger Übernahmeaktivitäten finanzielle Probleme, und die Banken waren wieder da. Und so stand Karl Neff ein weiteres Mal vor einer schwierigen Entscheidung. »Ich hatte keine Lust dazu, nur noch Formblätter auszufüllen, und darum bin ich ausgestiegen und habe ein Ingenieurbüro gegründet, das sich wieder mit Gewindespindeln befasst hat.«

Dann gab der Betreiber das Werk in Waldenbuch auf, das Karl Neff einst aufgebaut hatte. Das war für ihn eine gute Gelegenheit: »Viele gute Mitarbeiter sind freigesetzt worden, die wussten, wie man Spindeln macht. Sie ermutigten mich, den Standort zu übernehmen.« So ist das Unternehmen als Neff Gewindetriebe 2004 wieder auferstanden. Nur der Sitz wurde in den Nachbarort Weil im Schönbuch verlegt, wo Hartmut Wandel heute alleiniger Geschäftsführer ist.

»Wir beschlossen zudem, wieder zu produzieren«, spricht Karl Neff einen entscheidenden Punkt an. »Die Verbindung zur Familie Wandel besteht schon seit 30 Jahren, und einen guten Partner konnte ich gebrauchen. So sind wir weitestgehend unabhängig von den Banken. Außerdem kommen frisches Blut und neue Ideen ins Unternehmen.«

Viele Möglichkeiten

Der Neustart ist laut Karl Neff gelungen: »Wir wollten von Anfang an nur Gewindetriebe und Spindelhubgetriebe entwickeln und herstellen, keine Linearachsen. Der Markt dafür ist gesättigt, und wir hätten zu viele Konstruktionskapazitäten benötigt.«

Das Kerngeschäft von Neff Gewindetriebe sind darum die Spindeln. »Man glaubt nicht, was für Möglichkeiten es da heute noch gibt. Es kommen immer wieder Anfragen, mit neuen Materialien, Formen, Geometrien und Profilen. Ich denke, da sind wir auf dem richtigen Weg.« Außerdem ist der Markt laut Hartmut Wandel sehr akzeptiert: »Darum sind wir relativ schnell durchgestartet in den ersten Jahren. Das liegt wohl auch am guten Ruf des Namens Neff.« Das Unternehmen habe darüber hinaus die Gewindespindel als Kernelement eines Hubgetriebes technisch im Griff und sei auch in puncto Fertigung und Logistik gut aufgestellt.

Karl Neff ist weiter als Berater aktiv. Dazu Hartmut Wandel: »Er hat über Jahrzehnte hervorragende Kontakte geknüpft und ein riesiges Know-how aufgebaut. Er betreut einzelne Kunden projektmäßig weiter und ist bei Messen voll im Geschehen. Er denkt immer noch in der Spindel.«

Hartmut Wandel war vor Neff zwölf Jahre verantwortlich tätig in der Zulieferbranche. Er kennt Neff schon lange und auch viele Mitarbeiter. »Das macht die Sache einfacher, und von seiner Führung kann ich einiges lernen«, ist Karl Neff begeistert. »Er bindet die Mitarbeiter vorbildlich ein, beteiligt sie an Entscheidungen.« Harmut Wandel liegt das am Herzen: »Unsere Mitarbeiter sind die tragende Säule.«

Die andere sind sicher die Produkte. »Es ist toll, dass wir eine eigene Produktpalette entwickeln, fertigen und verkaufen. Wir können dem Kunden anders begegnen und gemeinsam Lösungen entwickeln«, sagt Wandel. Zudem reizt ihn die Internationalität, mit der das Unternehmen agiert. »Vorgestern bin ich zum Beispiel aus Korea zurückgekehrt. Wir waren dort mit einem Vertriebspartner auf einer wichtigen Messe.«

Immer die passende Lösung

Kundennähe ist das Zauberwort und laut Karl Neff etwas Unternehmensspezifisches. »Unsere Kunden kommen direkt und ohne Umschweife mit dem richtigen Ansprechpartner in Kontakt. So bekommt jeder für sein Problem die optimale Lösung.« Massenaufträge von 100.000 Stück sind Neffs Sache nicht.

»Wir sind flexibel, was Sonderlösungen angeht, können aber mit einer gewissen Annäherung auch mal größere Mengen liefern. Im letzten Jahr waren es 6.000 Spindelhubgetriebe an einen einzigen Kunden.« Eine eigene Entwicklungsabteilung ist dazu ebenfalls in Weil im Schönbuch beheimatet. Hartmut Wandel: »Die haben wir zuletzt verstärkt und lösen dort konstruktiv Kundenanforderungen. Und aus den gewonnenen Innovationen leiten wir wieder Lösungen für andere Anwendungen ab und das sehr schnell. Diese Vielfalt der Kunden und Anwendungen begeistert mich.«

Derzeit verzeichnet Neff Zuwächse vor allem bei den Kugelgewindetrieben. »Da zahlen sich die Kundenlösungen aus«, freut sich Hartmut Wandel. »Eine hoffnungsvolle Weiterentwicklung ist ein Heliostatenantrieb für das Tracking von Solaranlagen. In diesem arbeitet eine Spindel im Aluminiumrohr und das sehr zuverlässig.«

Überhaupt seien Werkstoffe mitbestimmend für den Erfolg in der Zukunft. »Ein Trend ist zum Beispiel die Abkehr von Vollmaterialgehäusen. Blech ist Trumpf bei Hubgewinden, was unsere Blix-Serie beeindruckend zeigt, mit der wir erfolgreich im Markt unterwegs sind«, erklärt der Geschäftsführer.

Auf einen Blick

Neff Gewindetriebe

-Seit über 100 Jahren Entwicklung, Fertigung und Vertrieb von Gewinde- und Linearantrieben in gerollter und geschliffener Qualität. Kunden aus Maschinenbau, Handhabung und Automatisierungstechnik.

-Baukastenprinzip für individuelle Antriebe aus Gleit- und Kugelgewindetrieben sowie Spindelhubgetrieben.

Erschienen in Ausgabe: 08/2012