Effizienzsteigerung

CAD CAM

CAD-Software – Ein rundes Release ist SolidWorks 2012 schon alleine deshalb, weil es das 20. Release dieser 3D-CAD-Software ist. Die Neuerungen sind vor allem Optimierungen und Verbesserungen, die teils seit Jahren von den Anwendern gefordert wurden.

16. Februar 2012

Auf jeder SolidWorks World wird die Liste der zehn wichtigsten Verbesserungswünsche von den Anwendern gewählt und präsentiert. Das Release 2012 erfüllt eine ganze Reihe der Wünsche aus den letzten Jahren, das wohl am stärksten vermisste Feature ist eine vollständige Deinstallation von SolidWorks.

Was zunächst widersinnig klingt – wer will denn ein CAD-System, das er gut findet, deinstallieren – macht schnell Sinn, beispielsweise wenn, wie im Test, das Upgrade auf Version 2012 wegen fehlenden Festplattenspeicherplatzes zunächst fehlschlägt. Bisher war es schwierig, eine solche verunglückte Installation loszuwerden, mit Version 2012 nur einen Mausklick entfernt.

Feature Freeze und ein überarbeiteter Gleichungseditor standen 2011 auf der Liste und sind schon erfüllt: Erstere Funktion ermöglicht es, durch Herabziehen eines Balkens im Featuremanager den Neuaufbau eines Modells teilweise zu verhindern, was vor allem bei großen Modellen, beispielsweise mit komplexen Mustern, bisher viel Zeit kostete.

Mit Feature Freeze wird nur der Teil des Modells, der gerade bearbeitet wird, neu berechnet, was das Durchspielen von Alternativen beschleunigt. Viele weitere Neuerungen sind ähnlich gelagert, keine Revolution, aber eine Arbeitserleichterung für viele Nutzer. Oft muten diese Neuerungen auf den ersten Blick exotisch an, wie die verbesserte Bearbeitung mehrerer Bauteile in einer Datei.

Mehrkörperteile widersprechen zunächst der Philosophie, dass Teile jeweils in einzelnen Dateien gespeichert und in einer Baugruppendatei zusammengefügt werden. Beispielsweise bei Schweißkonstruktionen jedoch sind Mehrkörperteile sinnvoll – das fertig geschweißte Teil ist in einer Datei, setzt sich jedoch aus mehreren Rohren oder ähnlichem zusammen.

Zum einen bietet SolidWorks 2012 nun eine 3D-Explosionsansicht, zum anderen lassen sich die Teile auch in der Zeichnung isometrisch aufgelöst darstellen. Ganz neu ist das Costing-Modul, das die Herstellungskosten eines Blech- oder Fräs-Bauteils berechnet.

Die Genauigkeit der Berechnung hängt allerdings von der darunter liegenden Vorlage und den dort hinterlegten Kosten ab. Im Test wurde eine ganze Reihe von Bearbeitungsvorgängen nicht erkannt und damit auch nicht in die Berechnung einbezogen. Einen schnellen Vergleich unterschiedlicher Geometrien erlaubt Costing allemal.

Große Modelle lassen sich in einem speziellen Modus laden, der das Messen, Betrachten und Prüfen zulässt, aber nicht die kompletten Daten und deshalb sehr schnell lädt – ideal unter anderem, wenn es darum geht, aus einer großen Baugruppe ein Maß abzugreifen, das für die Bauteilkonstruktion gebraucht wird.

Im Bereich der Simulation wurde eine Funktionalität zur Bewegungssimulation hinzugefügt, die es ermöglicht, für verschiedene Parameter des Modells, beispielsweise die Längen eines Hebels, Parameter anzugeben, die dann automatisch durchgerechnet werden, um einem vorgegebenen Ergebnis möglichst nahe zu kommen.

Platz auf mehr Monitoren

Für den Mehrschirmbetrieb bietet SolidWorks nun einige Funktionen. So sorgt ein zusätzlicher Button oben rechts am Fenster neben Minimieren/Schließen dafür, dass das Programmfenster über zwei Monitore reicht. Die Dokumentenfenster erhalten in diesem Modus zwei zusätzliche Buttons, die das Verteilen der Fenster auf linken und rechten Bildschirm erleichtern.

Allerdings bleibt das Ribbon immer auf dem linken Monitor, auf dem rechten Monitor ist nur ein leerer Balken zu sehen. Dies ist nicht nur Platzverschwendung, sondern auch ergonomisch unglücklich, da man beim Arbeiten im rechten Fenster jedes Mal mit dem Mauszeiger auf den linken Schirm fahren muss, um einen Befehl auszuwählen.

Gerne genutzt wurde die neue Befehlssuche, die mit der Taste »W« aufgerufen wird. Danach kann man in das Hilfe-Eingabefeld einen Teil des Namens des gesuchten Befehls eingeben und erhält eine sich mit jedem Buchstaben aktualisierende Liste der gefundenen Befehle. Drückt man in dieser Liste auf das neben dem Befehl auftauchende Brillensymbol, zeigt SolidWorks mit einem dicken roten Pfeil, wo sich dieser Befehl in der Menüstruktur versteckt.

Sehr angenehm ist auch der ebenfalls mit 2012 neu präsentierte Öffnen-Dialog, der nicht nur Voransichten der 16 zuletzt geöffneten Dateien anzeigt, sondern es auch ermöglicht, häufig genutzte Dateien »festzupinnen«. In der gleich gestalteten Liste »Geöffnete Dateien« lassen sich Dateien direkt schließen, das spart wiederum einen Mausklick.

Auch wenn SolidWorks 2012 erst im Oktober 2011 auf den Markt kam, ist schon Service Pack 2 verfügbar. Der erste Service Pack reparierte einen Bug, der beim Testen für Verwirrung sorgte: Die Bauelemente der mitgelieferten Normteilesammlung waren gigantisch groß und konnten nicht genutzt werden. Ein Hotfix wurde nach dem Entdecken des Fehlers – der nur bei einem Update der Daten von Version 2011 entstand – sehr schnell veröffentlicht.

Insgesamt lässt es sich mit SolidWorks 2012 gut arbeiten, die Benutzeroberfläche ist – wenn man mit Ribbon-Interfaces vertraut ist – aufgeräumt und logisch aufgebaut. Vor allem im Zusammenspiel mit einem SpacePilot, der die wichtigsten Tasten – Escape, Control, Shift und Alt – ergonomisch gut zugänglich zur Verfügung stellt, geht die Bearbeitung schnell in Fleisch und Blut über.

Das Einarbeiten für den Test gelang dank des Buches »Konstruieren mit SolidWorks« von Harald Vogel (Hanser Verlag) sehr schnell und effizient. Dabei entstand im Übrigen auch das Getriebemodell, das im Keyshot-Test auf der vorigen Seite eingesetzt wurde. Es muss ja nicht immer eine Revolution sein – SolidWorks 2012 beweist, dass auch viele kleine Verbesserungen in der Gesamtschau einen großen Sprung bringen.

-Das auf den Abbildungen zu sehende Modell ist ein Schalthebel einer älteren Sachs-Fahrradgangschaltung. In SolidWorks wurde dieses Modell als STL-Datei ausgegeben und dann mit einem HP DesignJet 3D ausgedruckt. Das entstandene Rapid-Prototyping-Teil hat eine ausgeprägte Oberflächenstruktur. Durch eine andere Platzierung des Hebels im Drucker ließe sich die Oberfläche noch verbessern, allerdings nimmt die Festigkeit dann ab. Da das Material schichtweise verarbeitet wird, bietet es je nach Orientierung eine unterschiedlich hohe Festigkeit – das gilt es zu berücksichtigen.

-Im 9-mm-Loch sind Rauigkeiten zu sehen – wohl die Stellen, an denen der Drucker das Material gewechselt hat. Ein erfahrener Anwender hätte hier keine Durchgangsbohrung modelliert, sondern lediglich eine mittige Vertiefung, die nach dem Druck zum Zentrieren des Bohrers genutzt wird, das Loch wird dann einfach nachträglich – und damit maßhaltig – gebohrt. Paradoxerweise verlängert sich die Druckzeit durch die Löcher, denn der Drucker muss dann das Material wechseln, denn die Bohrungen werden mit Stützmaterial gefüllt. Die feinen Strukturen der Buchstaben im Hebelknauf sind sauber umgesetzt, allerdings zeigen sich im Gegenlicht einige feine Löcher.

-Der große Vorteil des FDM-Verfahrens, wie es im HPO-Drucker eingesetzt wird, sind die Stabilität der Teile und die relativ günstigen Druckkosten. Bei einem Dienstleister wie fabberhouse.de, einer Tochter von Alphacam, kostet ein solches Modell fünf Euro.

Ein Journalisten-PC ist meist nicht die ideale Plattform für einen CAD-Test – die Anforderungen sind einfach andere. Das System muss zuverlässig und leise sein, Grafikleistung ist meist eher wenig gefragt. In diesem Sinne war der Testrechner ursprünglich mit einer Nvidia NVS400-Grafikkarte ausgestattet – diese Karte wird üblicherweise im Finanzbereich benutzt und bietet vier Monitorausgänge, ist aber nur über einen PCIex1-Slot angebunden.

Dafür ist sie buchstäblich unhörbar, da sie rein passiv gekühlt wird. Die Karte schlug sich recht ordentlich, mit komplexer werdenden Modellen begannen sich allerdings Ruckler beim Drehen einzustellen, zudem war die Darstellung nicht sehr realistisch. Eine dankenswerterweise vom Hersteller zur Verfügung gestellte Nvidia Quadro 2000 schaffte souverän Abhilfe.

Auch große Modelle drehen sich nun ohne Hakeln und Ruckeln, was die Navigation mit dem SpacePilot sehr erleichtert. Der Einbau der Karte ist dank des einheitlichen Treibers kein Problem, nach dem Einbau der Karte installiert Windows auto-matisch Dateien nach, und innerhalb weniger Minuten ist der Rechner wieder betriebsbereit.

Der Grafikwert der Systembewertung in Windows 7 hat sich glatt verdoppelt, und mit Realview bietet sich dem Auge eine äußerst schöne und realistische Darstellung. Trotz des Lüfters ist die Karte im Rauschen des Netzteillüfters kaum zu hören. Ein echter Gewinn also. Und die NVS400 läuft sogar parallel für den dritten Monitor mit – völlig stabil und klaglos.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012