Ein neuer Benchmark

Konstruktionsmanagement

Entwicklungssystem – Der neue Service FastLane von Pöppelmann Kapsto soll erhebliche Zeiteinsparungen in der Entwicklung von Sonderlösungen bieten. Wie genau das funktioniert, erklärt Verkaufsleiter Thorsten Koldehoff.

20. September 2017

Herr Koldehoff, was hat es mit dem Service FastLane von Pöppelmann auf sich?

FastLane ist ein optionales Leistungsangebot, das wir den Kunden anbieten, die umgehend eine bestimmte Sonderlösung benötigen. Wir wollen mit diesem Service neue Maßstäbe setzen, da Pöppelmann Kapsto künftig eine Vielzahl der individuell entwickelten Schutzelemente aus Kunststoff in Rekordzeit herstellen kann. Durch einen klaren Entwicklungsauftrag und einen engen Austausch zwischen uns und unseren Kunden verkürzt sich die Durchlaufzeit auf etwa einen Monat.

Wie setzen Sie dies in der Praxis um?

Grundlage ist eine extrem schnelle Konzeptentwicklung, so dass der Kunde innerhalb von 24 Stunden ein Angebot erhält und die Prototypenentwicklung in nur einer Woche erfolgt. Besonders schnell schaffen unsere Experten jedoch den dritten Schritt hin zu den ersten werkzeugfallenden Teilen. Ein moderner Maschinenpark und verschlankte Prozesse ermöglichen es, die ersten Serienteile innerhalb eines Monats zu produzieren. Damit erreichen wir mit FastLane einen neuen Benchmark in der Branche.

Welche Vorteile bietet das den Kunden?

Zum einen sind dies die angesprochenen Zeiteinsparungen. Letztendlich geht es aber darum, unseren Kunden in Form von extrem kurzen Reaktionszeiten eine höhere Flexibilität bei der Anfertigung und somit einen klaren Wettbewerbsvorteil im Markt zu bieten. In der Projektplanung spielen die unscheinbaren, aber unverzichtbaren Schutzelemente oft eine untergeordnete Rolle. Trotzdem müssen sie zum Produktionsstart bereitstehen. Mit unserem neuen Angebot schließen wir hier eine Lücke.

 Was waren die Beweggründe, dieses Dienstleistungsangebot einzuführen?

Bei der Entwicklung und Fertigung von Schutzelementen ist Schnelligkeit derzeit für viele Anwender ein zentrales Thema, besonders dann, wenn laufende Prozesse betroffen sind. Unsere Kunden fordern zunehmend individuelle Kunststofflösungen – und zwar innerhalb kürzester Zeit. Um diesen Erwartungen gerecht zu werden, arbeiten wir permanent daran, unsere Dienstleistungen zu verbessern und Lösungen zu perfektionieren.

Wenn ich als Kunde an Pöppelmann mit einem eiligen Auftrag herantrete: Wie sieht der typische Ablauf mit dem neuen FastLane-Service aus?

Sobald Ihre Anfrage bearbeitet wird, führen unsere Mitarbeiter eine Machbarkeitsüberprüfung durch und Sie erhalten schon innerhalb eines Tages das Angebot inklusive eines Artikelkonzepts in Form einer technischen Zeichnung oder einer Artikelskizze. Ist die Artikelkonstruktion auf CAD-Basis abgeschlossen, erstellt das Team der Projektierung auf dieser Grundlage einen ersten Prototypen. Je nach Anforderungen kommt zur Herstellung eines Ansichts- oder Funktionsmusters aus Serienmaterial Rapid Prototyping oder Rapid Tooling zum Einsatz.

Rapid Prototyping steht für die Prototypenentwicklung mittels 3D-Druck…

Genau. Die additive Fertigung ermöglicht es uns, in kurzer Zeit Prototypen zu erstellen – und somit eine am Rechner ausgearbeitete Idee zum Leben zu erwecken. Unsere hauseigenen 3D-Drucker bauen innerhalb weniger Stunden aus CAD-Daten ein dreidimensionales 1:1-Modell des Entwurfs auf: Die äußere Kontur des Produkts wird angelegt und anschließend das Material Schicht für Schicht in dünnen Lagen aufgetragen. Ist eine Lage erstarrt, wird die nächste gedruckt.

Die Drucker, die wir einsetzen, können selbst komplexe Strukturen originalgetreu wiedergeben und dafür völlig unterschiedliche Werkstoffe verwenden. Beispielsweise lassen sich sogar Prototypen aus transparentem Material herstellen. Schließlich soll am Ende ein Produkt stehen, das Serienreife besitzt.

Wie unterscheidet sich davon das Rapid Tooling?

Beim Rapid Tooling entsteht nicht der vollständige Artikel, sondern der Werkzeugeinsatz via 3D-Druck. Das Grundwerkzeug besteht aus Stahl, der Werkzeugeinsatz jedoch nicht. Stattdessen drucken wir ihn aus einem Kunststoff-Trägermaterial, verschrauben ihn mit dem Grundwerkzeug und montieren ihn wie ein übliches Stahlwerkzeug auf die kunststoffverarbeitende Maschine. Der Kunststoffartikel wird dann anschließend im Echtmaterial gefertigt.

Der Kunde erhält aus dem gedruckten Werkzeugeinsatz zur Abmusterung nahezu den gleichen Artikel, den er später aus einem Stahlwerkzeug zur Serienfertigung erhalten würde. Auch die Farbe entspricht in diesem Stadium bereits dem Serienprodukt. Dank Rapid Tooling kann sich der Kunde so bereits im Entwicklungsstadium einen genauen Eindruck über das Aussehen und die Eigenschaften des Serienprodukts verschaffen – und zwar genauer, als dies mit Rapid Prototyping möglich wäre.

Welche Rolle spielt der Prototypenbau bei der FastLane?

Anhand der Prototypen, die mit Rapid Prototyping oder Rapid Tooling gefertigt wurden, lassen sich grundlegende Funktionen und Eigenschaften des Teils direkt überprüfen. Nach erfolgreicher Abstimmung erhält der Kunde nach einem Monat erste werkzeugfallende Artikel aus der Serienproduktion. Sind keine Prototypen erforderlich, geht es entsprechend sogar noch schneller.

Gibt es schon erste Projekte, die mit dem neuen Service umgesetzt wurden?

In den letzten Monaten haben wir mehrere Aufträge mit FastLane abgewickelt. Der erste Auftraggeber, dem wir durch die schnelle Umsetzung von Sonderteilen helfen konnten, war unser langjähriger Kunde Goetze aus Ludwigsburg, der seit mehr als 65 Jahren Sicherheitsarmaturen produziert. Bei diesem Projekt benötigte er innerhalb kürzester Zeit 25.000 Sonderteile.

Aufgrund des extrem engen Zeitfensters entschieden wir uns gemeinsam mit dem Kunden, dieses Projekt mit der FastLane zu bearbeiten. Mit Erfolg: Die vollständige Lieferung der Sonderteile traf beim Kunden schon vier Wochen nach Auftragseingang ein. mk

Vita Thorsten Koldehoff

• 1999 bis 2003 duales Studium an der Privaten Fachhochschule für Wirtschaft und Technik in Vechta und Diepholz zum Diplom Wirtschaftsingenieur (FH).

• 2003 bis 2008 Verkauf Export für Märkte wie Österreich oder Polen.

• Seit 2009 Verkaufsleiter bei Pöppelmann Kapsto.

Erschienen in Ausgabe: 07/2017