Eine Branche zeigt Zuversicht

Branchentreff

Sensor + Test – Die Sensorik und Messtechnik startet mit Schwung und guten Perspektiven in die neue »Saison« 2012, sagt eine Umfrage des AMA Fachverbands. Das soll sich auch auf der Sensor + Test niederschlagen. von Michael Kleine

04. Mai 2012

Nach den deprimierenden Zahlen von 2009 haben sich Sensorik und Messtechnik zwei Jahre später gut erholt. Dies zeigt die Januarumfrage des AMA Fachverbandes für Sensorik. »Die Sensorik als Schlüsselbranche technischer Innovationen präsentierte sich 2011 mit gesundem Wachstum in Umsatz, Investitionen, Export und einem stetig wachsenden Bedarf an Fachkräften«, freut sich Geschäftsführer Dr. C. Thomas Simmons und ergänzt: »Angesichts des Umsatzwachstums von 15 Prozent, den die AMA-Mitglieder 2011 erwirtschafteten, blickt die Sensorik und Messtechnik zuversichtlich und wachstumsorientiert ins Jahr 2012. Sie liegt damit über den elf Prozent Gesamtplus der deutschen Industrie.« Für 2012 kalkulieren die AMA-Mitglieder vorsichtiger und erwarten ein Wachstum von fünf Prozent.

Einen Umsatzschub brachte vor allem der Export. In den Jahren 2004 bis 2011 konnten die AMA-Mitglieder das Exportvolumen um 75 Prozent steigern. Im Wachsen begriffen sind auch die Mitarbeiterzahlen in der Branche. »Verzeichnet das verarbeitende Gewerbe seit Jahren kaum noch Veränderungen, legte die Sensorik und Messtechnik in den letzten sechs Jahren mit 22 Prozent kräftig zu«, sagt Thomas Simmons.

Das gilt auch für die Investitionen. Simmons: »Diese wuchsen 2011 branchenübergreifend um 16 Prozent und lagen damit deutlich über denen der Vorjahre. Im Wirtschaftsjahr 2012 wollen unsere Mitglieder laut Umfrage vier Prozent mehr als im Vorjahr investieren.«

Motor der Branche ist die Messe Sensor + Test in Nürnberg – und das seit 30 Jahren. Damals waren Sensoren noch hauptsächlich schaltende optische, kapazitive oder induktive Komponenten für die Fabrikautomatisierung, die Miniaturisierung stand am Anfang. Heute gewinnen physikalische, optische, chemische oder biologische Aspekte immer mehr an Bedeutung, viele Geräte bewegen sich im Nanobereich.

»Auf die Sensor + Test kommen Spezialisten aus aller Welt. Das gibt es kein zweites Mal im Sensorbereich«, vermeldet Holger Bödeker, Geschäftsführer des Veranstalters AMA Service. »Unser Ziel ist, den Austausch von Ideen und Anforderungen aus der Praxis zwischen Anbietern und Anwendern kontinuierlich auszubauen. Auf der Sensor + Test sind die Gespräche länger und tiefer, trotzdem ist sie noch eine echte Eintagesmesse.«

Die große bedeutung der Veranstaltung für die Branche betont auch Dieter Ahlborn, Inhaber von Ahlborn Mess- und Regelungstechnik: »Die Sensor + Test ist seit ihrem Bestehen für uns eine der wichtigsten Messen im Jahreslauf. Das Besondere ist der Schwerpunkt auf den Sensoren, denn diese sind das erste Glied einer Messkette und damit die erste Überlegung bei applikationsbezogenen Lösungen. Damit wird ein qualifiziertes und sehr professionelles Fachpublikum angesprochen, das gezielte Fragen hat.«

Dr. Heinrich Steger von Polytec bestätigt diese Einschätzung: »Wir finden hier exzellente Möglichkeiten, neue Anwender unserer berührungslosen optischen Messtechnik aus unterschiedlichen Branchen und Anwendungsgebieten anzusprechen.«

Schwerpunkt der Sensor + Test 2012 ist die Elektromobilität. »Kaum eine andere Technologie steht derzeit so im Fokus wie diese«, sagt Holger Bödeker. »Die Fortschritte sind gewaltig, und gerade in der jetzigen Phase sind Sensoren sowie Mess- und Prüfsysteme entscheidend für die schnelle Entwicklung einsatzfähiger, erfolgreicher und zuverlässiger Produkte.« Auf vielen Ständen gibt es dazu die neueste Technik und vielfältige Anwendungen zu sehen.

Vielleicht stammt ja auch der AMA Innovationspreis 2012 aus diesem Themenfeld. In diesem Jahr bewarben sich 75 Forscher und Entwicklerteams um den mit 10.000 Euro dotierten renommierten Preis. Vier Bewerbungen hat die Jury nominiert, auf der Messe fällt dann der Schleier. Wichtigste Beurteilungskriterien sind die Innovationshöhe, Originalität und Marktrelevanz.

Keine Messe kommt heute ohne Kongresse aus. Neben der 16. Tagung »Sensoren und Messsysteme« freuen sich die Organisatoren ganz besonders darüber, dass das International Meeting on Chemical Sensors (IMCS) in diesem Jahr seine Zelte in Nürnberg aufschlägt. »Die Verantwortlichen haben extra den angestammten Turnus im Sommer unterbrochen, damit das IMCS begleitend zur Sensor + Test stattfinden kann. Das ist für uns eine große Ehre und ein Beweis für den Stellenwert der Messe, denn die Veranstaltung hat international eine riesige Reputation«, sagt Holger Bödeker. »Wir erwarten Delegationen aus aller Welt.« Erkenntnisse aus diesem Kongress fänden sich in einigen Jahren in konkreten Produkten wieder.

Innovative Exponate

Solche konkreten Produkte bilden natürlich das Rückgrat der Messe. IS-Line etwa stellt den Airscan/PCM20HV von Inoson vor, eine wirklich eingriffsfreie Lösung zur Materialprüfung. Geschäftsführer Christoph Kleye: »Die berührungslose Online-Prüfung wird durch Einkoppelung von Ultraschall über einen Luftspalt in das zu testende Objekt erreicht, wobei sich die Prüffrequenz auf jedes Objekt oder Material elektronisch anpassen lässt.« Werkstoffe sind schnell zu prüfen und vor allem steril – ein gutes Argument bei medizinischen Komponenten oder Lebensmitteln. Das Verfahren eignet sich aber auch für Faserverbundstoffe, Holz oder Metallguss. Es detektiert Hohlräume, Lunker und Risse auch über größere Flächen sicher.

Polytec zeigt die neuen Punktsensoren der Serien TMS Topsens und Topline. Sie erlauben die schnelle und wirtschaftliche Charakterisierung von Oberflächen jeglicher Beschaffenheit, sie bestimmen die Topographie und die optische Rauheit und messen die Dicke transparenter Proben. Die Messköpfe enthalten keine beweglichen Teile und sind robust und wartungsfrei.

Weil Druckmessaufgaben in Medizin- und Messtechnik oft anspruchsvoll sind, hat Sensortechnics ganz neu kundenspezifische piezoresistive Drucksensoren ab 2,5 Millibar Messbereichsendwert mit hoher Auflösung und Genauigkeit im Programm. Durch einen rauscharmen Verstärker mit nachgeschaltetem 24-Bit-A/D-Wandler erzeugen die Sensoren hochaufgelöste digitale Signale mit sehr großem Signal-Rausch-Abstand. Die Produkte bieten hohe Genauigkeiten und schnelle Reaktionszeiten.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012