Eine Frage der Intelligenz

Kommentar

Ressourcen – Wie lange kann es sich die Gesellschaft noch erlauben, wertvolle Rohstoffe sinnlos zu vergeuden?

17. Juni 2011

»Die Rohstoffe werden knapp« – dieser Satz lässt schon seit längerer Zeit die Börsen verrückt spielen und Preise für Öl, Metalle und Nahrungsmittel in ungeahnte Höhen schießen, solange, bis die neuen Miniblasen wieder platzen (und alles von vorne losgeht). Globales Bevölkerungswachstum und der menschliche Wunsch nach einem besseren Leben lassen die Nachfrage nach den wichtigsten Ressourcen steil ansteigen. Dazu zählen längst neben Öl und Metallen auch »nicht-technologische« Güter wie Ackerland und sauberes Wasser. Eines ist gewiss: Wir können die Uhren nicht zurückdrehen und unseren Verbrauch auf einen vorindustriellen Stand herunterschrauben.

Auch der Appell an die Vernunft des Einzelnen, weniger zu konsumieren, scheint nur von sehr begrenzter Wirkung zu sein, obwohl sicher ist, dass Konsumverzicht in einem bestimmten Rahmen früher oder später zwangsläufig durch steigende Preise erzwungen wird. Wie also geht es nun weiter, wann werden wir »auf dem Trockenen sitzen«? Ich glaube, unsere größte Ressource, die menschliche Erfindungskraft, wird in einem noch viel zu geringen Umfang genutzt, und hier besteht noch sehr viel Potential, dass wir gerade erst beginnen, einzusetzen.

Noch gleicht unsere Gesellschaft einem dicken Kind, das auf dem Boden sitzt und keine Lust hat, zum Apfelpflücken auf den Baum zu klettern, weil es von allen Seiten Schokolade zugeschoben bekommt. Das wird sich aber sofort ändern, sobald die Schokolade ausbleibt.

Betrachten wir also einmal die Verknappung der Energie. Noch gestern waren wir an das Uran gekettet, ohne das garantiert die Lichter ausgehen würden – so hat man es uns mit warnendem Unterton vorhergesagt. Nun, einen Tag später, ist nicht mehr die Rede davon, vielmehr stehen wir vor dem Problem, wie wir die Überlasten der Windenergie im Stromnetz verteilen können.

Natürlich werden einige Rohstoffe tatsächlich versiegen, wie zum Beispiel das Öl – ein kostbarer Rohstoff, das wir aus purem Übermut in unsinnig übermotorisierten Fahrzeugen verfeuern. Auch der Weltkupfervorrat schrumpft besorgniserregend. So landen nach wie vor gewaltige Kupfermengen im Hausmüll, dessen Recycling und Aufarbeitung (noch?) viel zu teuer sind. Hier muss die Menschheit verstärkt an umfas-senden Konzepten der Wiederverwendung arbeiten. Bei den meisten Metallen und Seltenen Erden hingegen herrscht keine geologogische Verknappung. Es fehlen »lediglich« die Informationen, wo diese zu finden sind.

Es stellt sich also immer die Frage, welche Ressourcen wirklich knapp sind und welche einfach durch die größere Nachfrage teurer werden. Grundsätzlich aber sollten sich uns künftig die folgenden Fragen beschäftigen: Durch welche Entwicklungen können wir einen bisher bestehenden Bedarf ersetzen? Beispiel Karrosseriebau: Wo lässt sich durch den Einsatz von faserverstärkten Kunststoffen Metall ersetzen? Beispiel Informationselektronik: An welchen Stellen ersetzen optische Fasern die Kupferleitungen?

Und die zweite wichtige Herausforderung für die Zukunft wird sein: Wie ermöglichen wir umfassendes Recycling? Jeder Hersteller ist gefragt, seine Produkte so zu produzieren, dass die Bestandteile nach Ende des Lebenszyklusses wiederverwertet werden können. Denn eines können wir uns wirklich nicht mehr leisten: die Wegwerfgesellschaft.

Ihr Rüdiger Eikmeier.

PS: Mich interessiert Ihre Meinung dazu, schreiben Sie sie mir doch einfach an: r_eikmeier@gii.de

Erschienen in Ausgabe: 05/2011