Eine Frage der richtigen Technik

Konstruktionselemente – Viele Geräte- und Apparatebauer verschiedener Branchen versorgt der Magnettechnik-Spezialist Schallenkammer mit seinen technischen Zulieferteilen aus magnetischen Werkstoffen. Welche eignen sich für welche Anwendungen?

12. Februar 2019
Eine Frage der  richtigen Technik
Sobald neben der magnetischen Haftkraft auch elastomere Eigenschaften gefragt sind, kommt der Magnetgummi 150 oder 180 von Schallenkammer ins Spiel. (Bild: Schallenkammer)

Magnetfolien- und Magnetgummi-Halbzeuge sind ein gutes Ausgangsmaterial für die Herstellung technischer Formteile mit lösbaren Haft- und Haltefunktionen. In der Rolle des Zulieferers und Entwicklungspartners setzt der Kürnacher Anbieter Schallenkammer dafür eine Vielzahl moderner Fertigungs- und Veredelungsverfahren ein. Das Ergebnis sind passgenaue und einbaufertige Bauelemente für Maschinenbau, Automobilindustrie, Elektronik, Handhabungstechnik, Logistik und viele andere Branchen.

»Wir sind sehr flexibel und können selbst anspruchsvolle Anwendungen umsetzen.«

— Peter Böhler, Geschäftsführer Schallenkammer

»Dank der technischen Bandbreite unseres aktuellen Maschinenparks sind wir sehr flexibel und können selbst anspruchsvolle oder ausgefallene Kundenwünsche schnell erfüllen. Es ist alles nur eine Frage der richtigen Technik«, sagt Firmenchef Peter Böhler. Zeugnis dafür sind moderne CNC-Cutter und Stanzmaschinen, hoch flexible Kaschier- und Digitaldruck-Anlagen oder auch schnell rotierende Abstechanlagen.

Ein Bestseller ist die Graviflex-Magnetfolie 200 zur Herstellung technischer Formteile. Drei Eigenschaften sind hier vorrangig gefragt: eine beidseitige permanentmagnetische Haftung, eine mittlere Haftkraft von bis zu 130 Gramm pro Quadratzentimeter und eine dauerhafte Temperaturbeständigkeit von bis zu 120 Grad Celsius. Da sich gerade diese Magnetfolie zudem sehr gut mechanisch bearbeiten lässt, ist sie wie geschaffen für die Fertigung von 2D-Serienteilen. »Im Kundenauftrag fertigen wir hitzefeste Magnetelemente und -bänder mit einer Dicke von einem Millimeter, etwa für maßgefertigte Lackierabdeckungen«, berichtet Peter Böhler.

Da beidseitig magnetisch haftend kann die Graviflex 200 verbindungstechnische Aufgaben übernehmen. Darüber hinaus eignet sich gerade diese Magnetfolie für die Herstellung von doppelseitig farbig beschichteten und gegebenenfalls zusätzlich bedruckten Bauelementen sowie Formteilen mit Selbstklebebeschichtung.

Auf diesem Gebiet kombiniert Schallenkammer verschiedene mechanische Formgebungsverfahren mit den Techniken der Kaschier- und Drucktechnik.

Flexible Stanz- und Schneidteile sowie Platten oder Streifen bestehen häufig aus der einseitig permanentmagnetischen Folie Graviflex MF 190. Sie bringt in einem Temperaturbereich von –40 bis 100 Grad Celsius außergewöhnlich hohe magnetische Haftkräfte auf und – in Abhängigkeit von ihrer Dicke – Haftkräfte von bis zu 850 Gramm pro Quadratzentimeter.

Die daraus gefertigten Formteile, Bänder oder Platten können zwischen 0,8 und 6,0 Millimeter dick sein. Sie lassen sich bei Bedarf mit einer selbstklebenden Beschichtung oder einer oberflächenschonenden Kaschierung versehen.

Mitunter wird die GraviFlex 190 auch zur Substitution von technischen Bauteilen aus keramischen Dauermagneten herangezogen. Peter Böhler erklärt: »Während sich Dauermagnete aus keramischen Werkstoffen nur sehr aufwendig herstellen lassen und wegen ihres harten, spröden Gefüges nur mit Spezialwerkzeugen bearbeitet werden können, sind wir in der Lage, die Graviflex MF 190 auf unseren Maschinen einfach und schnell zu stanzen oder schneiden.« Einsatzgebiete sind die kostengünstige Realisierung kleiner und mittlerer Losgrößen stark haftender Formteile, Maschinenelemente oder Zulieferteile.

Gummi gibt nach

Sobald bei der Herstellung technischer Formteile neben der magnetischen Haftkraft auch elastomere Eigenschaften gefordert sind, kommt der Magnetgummi 150 oder 180 ins Spiel. Er besteht aus einem flexiblen, gummiartigen Kunststoff mit eingelagertem Strontiumferritpulver und eignen sich für die Fertigung zähelastischer, nachgiebiger oder stoß- und vibrationsdämpfender Bauelemente. Häufige Ausformungen sind Ringe, Befestigungsteile oder berührungslose Kontaktgeber. Auch Leisten, Streifen oder Ronden mit hoher magnetischer Haftkraft lassen sich daraus maßgenau und splitterfrei stanzen und schneiden. Die aus dem Magnetgummi 150 oder 180 hergestellten Zulieferteile sind witterungs- und alterungsbeständig und unempfindlich gegenüber Ozon, Wasserdampf sowie verdünnten Säuren und Laugen.

Auch dieses Material ist eine preiswerte Alternative zu keramischen Magnetwerkstoffen. Es erträgt Dauertemperaturen von bis zu 100 und Peaks bis zu 150 Grad Celsius. Die maximale Länge liegt bei 1.040 Millimetern, die Dicke variiert zwischen 1,5 bis 8,0 Millimetern. Der Magnetgummi Typ A verfügt über eine axial über die Höhe ausgerichtete Magnetisierung und eignet sich für Zuschnitte mit Breiten von bis zu 140 Millimetern. Dagegen weist der Magnetgummi Typ C eine einseitige mehrpolige Flächenmagnetisierung auf und steht für Zuschnitte mit Breiten von bis zu 440 Millimetern zur Verfügung.

Infobox

Auf einen Blick

Schallenkammer verbindet sein über Jahrzehnte gewachsenes Magnet-Know-how mit hohen Kompetenzen auf verschiedenen Gebieten der Fertigungs- und Oberflächentechnik. Dabei ist es oft die intelligente Kombination verschiedener Bearbeitungs- und Veredelungsverfahren, die zum optimalen Magnetprodukt führt.

Aufgrund dieser hohen Spezialisierung empfiehlt sich das Kürnacher Unternehmen unter dem Motto »Ideen, die sich lösen lassen« auch als Engineering-Partner für die Entwicklung von Bauelementen und Formteilen aus magnetischen Werkstoffen.

www.schallenkammer.de

Schallenkammer kann alle Oberflächen auf Wunsch farbig oder mit Filz beschichten oder auch mit einem selbstklebenden Coating versehen. »Mit dem Magnetgummi Typ C lassen sich auch Metallteile reversibel verbinden. So lässt sich zum Beispiel ein Ablagewinkel aus Metall ohne Bohren und Schrauben an einem eisenhaltigen Untergrund befestigen. Gehalten wird der Ablagewinkel durch eine Platte aus Magnetgummi, der durch die Verbindung mit dem Metall einen sogenannten Eisenrückschluss bildet. Dabei verdoppelt sich die Haftkraft des Bauteils«, erklärt Peter Böhler. mk

Erschienen in Ausgabe: 01/2019