Einer für alle (Schaltanlagen)

Kommentar

Verbände – In Berlin hat sich der Bundesverband deutscher Schaltanlagenhersteller (BDSAH e.V.) gegründet. Auf der SPS IPC Drives stellen Mitglieder nun erstmals den neuen Branchenverband vor.

13. November 2014

Unternehmer aus dem Maschinen- oder Anlagenbaubau, die für komplexe Anwendungen eine komplexe Lösung benötigen, haben die Wahl: Entweder machen sie sich selbst an die Entwicklung und haben damit auch die Möglichkeit, die Lösung optimal auf die eigenen Anforderungen zuzuschneiden. Das bringt allerdings die Herausforderung mit sich, die benötigten Komponenten aus einem oft großen und damit unübersichtlichen Angebot zusammenzustellen. Oder aber sie entscheiden sich für ein fertig konfektioniertes Produkt, das ihnen dann allerdings häufig Kompromisse abverlangt.

Selbstverständlich bekommen diejenigen Lösungsanbieter den Zuschlag, die den Kunden näherungsweise am ehesten bieten, was diese wünschen und benötigen. Doch angesichts eines riesigen Markts ergeben sich auch für die Hersteller, die ihre Produkte aus zahlreichen Komponenten unterschiedlicher Fabrikate konfektionieren, ähnliche Fragen: Welche Anforderungen lassen sich mit welcher Technik am besten abdecken? Wo bekomme ich die benötigten Komponenten in optimaler Qualität? Welche wichtigen Innovationen bietet der Markt? Und nicht zuletzt: Welche Normen gilt es zu berücksichtigen?

Zwar bieten Messen und Fachzeitschriften wichtige und unverzichtbare Informationsquellen, doch ihre Sondierung auf spezifische Informationen zu speziellen Problemstellungen erfordert Aufwand und kann selbstverständlich nicht vollumfänglich alle offenen Fragen in Spezialgebieten beantworten. Außerdem betreiben bei weitem nicht alle relevanten Zulieferer Pressearbeit und bleiben damit unter dem Radar des Lösungssuchenden.

Was lässt sich also tun, um den Informationsfluss innerhalb der Branchen zu optimieren? Diese Frage stellten sich nun auch deutsche Hersteller und Lieferanten von Schaltanlagen, deren Produkte gleichsam das zentrale Nervensystem des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Automatisierungstechnik bilden. Als Antwort haben sie in Berlin den Bundesverband deutscher Schaltanlagenhersteller e.V. (BDSAH) gegründet, mit dem Ziel, Schaltschrankbauern, Komponentenlieferanten, Lösungsanbietern, Dienstleistern und Softwareentwicklern ein gemeinsames Forum zur gezielten Vernetzung und zum fachspezifischen Erfahrungsaustausch zu bieten.

Im Mittelpunkt – gleichsam als Marktplatz – steht dabei das Online-Portal schalt.net, das grundlegendes Wissen über Werksnormen und Konstruktionsdaten zur Verfügung stellt und den Mitgliedern die Möglichkeit gibt, sich über brachenspezifische Innovationen und Termine zu informieren und sich in moderierten Foren zu Themen wie Ex-Schutz, CAD-Verfahren, Klimatisierung oder Verdrahtungssysteme auszutauschen. Darüber hinaus bietet der BDSAH seinen Mitgliedern eine Plattform für gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und die Bildung von Arbeitskreisen zu relevanten Themen.

Der Einrichtung dieses zentralen Wissenspools liegt eine Idee zugrunde, die sich am Konzept von Open-Source-Wissensdatenbanken orientiert: Wo jeder ein wenig beisteuert, können alle viel entnehmen. Dem Wettbewerb schadet dies nicht – im Gegenteil: Der Zugang zu einem gemeinsamen Netzwerk schafft eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Der brancheninterne Erfahrungsaustausch schafft verbesserte Standards, beschleunigt neue Entwicklungen und gestattet allen Herstellern, ihre Produkte noch besser an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Das stärkt den Standort Deutschland und kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Abwanderung von Fertigungen in Billiglohnländer zu verhindern. Ich meine, dass dieser Ansatz auch als gutes Vorbild für viele andere Sparten der deutschen Industrie taugt. Mein Appell am Schluss: Informieren Sie sich, nutzen Sie die Plattform schalt.net und unterstützen Sie das zukunftsträchtige Projekt mit Ihrem Wissen – zum Wohle des deutschen Schaltanlagenbaus.

Ihr Rüdiger Eikmeier.

PS: Schreiben Sie sie mir doch einfach an: r_eikmeier@gii.de

Erschienen in Ausgabe: 08/2014