Einer für alles

Energieführung - Moderne Maschinen und Anlagen ermöglichen immer höhere Verfahrgeschwindigkeiten, zugleich steigt die Komplexität der Einsatzfälle. Hersteller von Energieführungssystemen sind deshalb heute viel mehr als reine Komponentenlieferanten.

09. August 2007

Manche Bereiche des Maschinenbaus unterliegen scheinbar nur wenig dem allgemeinen Trend zu permanenten Innovationen. Im Bereich der Energieführung zum Beispiel berichteten die Fachzeitschriften schon vor 20 Jahren über Energieketten, die »wie ein Reißverschluss aufziehbar« seien ? und derartige Systeme sind nach wie vor aktuell und werden zahlreich vertrieben. Dennoch ist die Entwicklung auch auf dem Gebiet der dynamisch bewegten Führung von Energie, Daten und Medien zu beweglichen Verbrauchern seither massiv vorangegangen, und jedes Jahr bringt weitere Innovationen. So werden die Systeme heute immer schneller, leiser und verschleißärmer und umfassen immer mehr kompakte Bau­gruppen, die sich einfach montieren und befüllen lassen.

Die Herausforderung für Hersteller von Energieführungssystemen besteht deshalb heute darin, maßgeschneiderte Lösungen für die verschiedensten Einsatzfälle zu entwickeln, bei denen der Anwender sagen kann: installiert und vergessen, läuft 100 Prozent störungsfrei. So entwickeln Energieführungsspezialisten wie die Kölner Igus GmbH heute auch Systeme zur drahtlosen Übertragung von Energie und Daten mit Hilfe von Induktions- oder Funktechnologie, und im Bereich der kabelgebundenen Systeme liefert Igus zunehmend komplett konfektionierte Lösungen als sogenannte Ready-Chain-Systeme anschluss­fer­tig an die Maschine. Ein ständiges Thema ist auch die Anpassung an immer höhere Geschwindigkeiten und Beschleunigungen: Hier geht der Trend hin zu leichten Energieführungen für kurze Hübe, die extrem ruhig und vibrationsarm sowie nahezu geräuschlos laufen. Viele dieser Komponenten eignen sich heute für den Einsatz im Reinraum, weil sie nahezu abriebfrei arbeiten. Für den Einsatz in der Elektronik­industrie, für schnelle Handlings und ähnliche Anwendungen gibt es heute auch eine »schwebende« Magnet-Energiekette, die vom Fraunhofer IPA Institut als reinraumtauglich zertifiziert wurde.

Permanente Fortschritte gibt es auch im Bereich der Robotik, vom schweren Produktions- bis hin zum kleinen Palettierroboter: Zum Schutz der hoch beanspruchten Leitungen dienen dort heute bevorzugt mehrdimensionale Energieketten mit definierten Anschlägen für Radius und Torsion. Unabdingbar ist dabei, die für die jeweilige Anwendung funktionssicherste Leitung zu wählen. Für solche Roboteranwendungen bietet Igus zum Beispiel seit einigen Monaten eine spezielle geschirmte Einzeladerleitung, die bereits mit über drei Millionen Torsionsbewegungen über± 270 Grad getestet wurde.

Eine sehr gefragte Lösung sind Energieketten aus Vollkunststoff inzwischen auch auf sehr langen Verfahrwegen und mit extremen Umgebungsverhältnissen, etwa über 150 Meter bei Schmutz im Braunkohle-Tagebau oder im Zementwerk, oder über 500 Meter bei Wind und Salzwasser bei Entladekränen im Seehafen.

Daneben fordern auch diese Anwendungsgebiete immer mehr Sicherheit und weitere Vereinfachungen auch unter rauesten Umgebungsbedingungen. Zunehmend ein Bestandteil von Energieketten-Großanlagen ist deshalb heute auch eine Zustandsüberwachung zum vorbeugenden Schutz vor mechanischen Schäden, beispielsweise als preisgünstige Lösung mit einer automatischen Notabschaltung bei Überlast. Energiekettenhersteller wie Igus haben deshalb heute rund 70.000 Komponenten auf Lager, um für jede kundenspezifische Applikation die jeweils optimale Energiekettenlösung anzubieten.

Michael Blaß, Igus/bt

Fakten:

Heutige Anforderungen an Energieketten:

- Hohe Geschwindigkeiten und ­Beschleunigungen

- Beweglichkeit in mehreren ­Dimensionen

- Lange Verfahrwege

- Raue Umgebungsverhältnisse

- Führung komplexer Leitungspakete für Medien, Daten und Energie

Erschienen in Ausgabe: 05/2007