Elektroautos – ein politischer Hype

Meinung

E-Mobility – Aus überschüssigem Strom Methan zu erzeugen und zu nutzen wäre besser, als Strom zu Elektroautos zu transportieren. Allerdings ist dies wenig spektakulär.

31. August 2011

Wenn ich unsere Politiker höre, dann kommt es mir vor, als sollten Elektroautos unsere Gesellschaft retten. Zudem seien Kohlekraftwerke CO2-Schleudern, das CO2 müsse unter der Erde gespeichert werden – und dann bräuchten wir noch Stromtrassen, um den mit Windenergie gewonnenen Nordseestrom durch unser Land zu transportieren.

Sind das realistische Lösungsansätze? Als Ingenieur frage ich mich, wie schwer die Batterien eines Elektroautos sein müssten, um damit 600 Kilometer weit zu fahren. Und muss CO2 wirklich in die Erde? Gibt es keine andere Möglichkeit? Wir haben doch in der Schule gelernt, dass man aus Wasser per Elektrolyse Wasserstoff und Sauerstoff machen kann – man könnte ja den Wasserstoff als Treibstoff nutzen. Allerdings gibt es Bedenken: zu gefährlich, keine Tankstellen und so weiter. Für Methan allerdings haben wir die Tankstellen bereits. Fragt sich nur noch: Wie kommen wir von Wasserstoff zu Methan? Hier gibt es einen chemischen Prozess, nämlich die Sabatier-Reaktion mit Wasserstoff und CO2 als Ausgangsstoffen. Diese reagieren dann zusammen zu Kohlenstoffmonoxid und Wasser. Das Kohlenstoffmonoxid reagiert mit Wasserstoff weiter zu Methan, also zu CH4, und dabei entsteht auch wieder Wasser. Das ist der gleiche Prozess, mit dem die Natur für lange Zeit Energie speichert: Jede Pflanze nutzt die Sonnenenergie, um mit Hilfe der Fotosynthese Kohlendioxid aus der Luft in grüne Blätter, also Biomasse, zu verwandeln. Diese Prozessschritte kosten natürlich wie jede Energieumwandlung Energie. Experten meinen, dass 60 Prozent des dafür eingesetzten Stroms danach in Form von Methan als Energie zur Verfügung stünden. Das CO2 würde dabei gleich mitverbraucht und müsste nicht unterirdisch deponiert werden.

Wieso ist dies eigentlich aktuell kein Thema? Das dabei entstehende Methan (Erdgas) könnten wir auch in unseren großen Erdgaskavernen speichern, denn heute hat Deutschland Speicherkapazitäten von rund 15 Prozent des Jahresbedarfs an Erdgas. Zudem hätten wir so sogar das Speicherproblem für Nordseestrom bei Starkwind gelöst. Jetzt frage ich mich weiter: Warum fördern wir Elektroautos, überlegen uns, wo E-Tankstellen errichtet werden sollen, und diskutieren darüber, woher wir die nötigen Rohstoffe (seltene Erden) für die Akkus und Motoren bekommen? Kann bitte jemand unsere Forschungsministerin darauf hinweisen, dass wir bei konsequentem Einsatz unseres Ingenieurgeistes aus Wind und Sonne quasi unser eigenes Erdgas herstellen und einfach speichern könnten? Das würde uns gleichzeitig unabhängiger von Energieeinfuhren machen. Doch dann kann man ja nicht publikumswirksam mit einem Elektro-Smart fahren und neue E-Tankstellen eröffnen, sondern muss die Universitäten, die an dieser Technologie forschen, unterstützen und ein Gesamtkonzept für die Nutzung und Wandlung von Energie in Deutschland entwickeln.

Aber genug geärgert – hier ein paar Hinweise für die Leser, denen dieses Thema neu ist. Starten Sie Ihre Internet-Suchmaschine und suchen Sie nach »Methan Wasserstoff Kohlendioxid«, dann werden Sie eine Menge Informationen zu diesem Thema finden. Und wenn Ihnen der Gedanke einleuchtet, dann tragen Sie ihn doch weiter. Vielleicht kommt er ja dann auch mal in der Politik an. Mein persönlicher Traum ist übrigens, mit meiner Solaranlage auf dem Dach, einem Radialwindrad im Garten und einer kleinen Anlage im Gartenhaus Methan zu erzeugen und in einem Gasspeicher zu speichern. Damit würde ich im Winter mein Haus zu heizen und mein Auto mit meinem selbst erzeugten Methangas betanken. Sie denken: »Träumer!«. Ich antworte: »Stimmt, aber wer weiß schon, was in 20 Jahren wird.«

Manchmal werden Träume wahr.

Ihr Rüdiger Eikmeier.

PS: Mich interessiert Ihre Meinung dazu, schreiben Sie sie mir doch einfach an: r_eikmeier@gii.de

Erschienen in Ausgabe: 06/2011