Elektromobilität kommt unaufhaltsam

Branchentreff

E-Mobility – Warum Robert Metzger, Ausrichter der Ecartec, meint, dass im Jahr 2020 mehr als eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein werden.

22. September 2012

Herr Metzger, Elektrofahrzeuge spielen bei Fuhrparkbetreibern, Deutschlands Kerntruppe für Mobilität, kaum eine Rolle. Betrübt Sie das?

Nein. Sie sprechen eine im Auftrag des TÜV Süd erstellte und soeben im August publizierte Umfrage an. Gemäß dieser Studie wird das Potenzial für Kosten- und Kraftstoffeinsparung primär in der Dieseltechnologie und - sofern von Antriebsalternativen die Rede ist - bei Autogas und Erdgas gesehen. Trotzdem bleibe ich bei meiner festen Meinung: Es gibt keine Alternative zur Elektromobilität. Die naturgegebene Begrenzung der fossilen Brennstoffe lässt das nicht zu. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Elektromobilität breit durchsetzen wird. Die Elektrifizierung der Fahrzeuge ist zwingend und unumkehrber.

Meinen Sie, wir werden hierzulande, wie von der Nationalen Plattform Elektromobilität NPE der Bundesregierung geplant, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen fahren sehen?

Sogar mehr. Wenn Sie vom E-Bike über Plug-in-Elektromobile bis hin zum rein elektrisch oder hybrid betriebenen Bus und Track alle Straßenfahrzeuge betrachten, dann werden wir in der Summe die geplante Zahl von einer Million Elektrofahrzeugen auf Deutschlands Straßen meiner Meinung nach klar überspringen. Auch wenn der Absatz bei den E-Mobilen in der Vergangenheit nur sehr schleppend verlief – ich bin überzeugt, je näher das Zieljahr 2020 rückt, desto steiler werden die Verkaufszahlen in die Höhe schießen.

Was veranlasst Sie zu dieser optimistischen Annahme?

In Sachen Elektromobilität geschieht gerade Großes. Ich sehe jetzt die Elektromobiltät auf die Straße kommen. Das ist die Realität. Nehmen Sie Namen wie Mitsubishi, Citroen oder Peugeot, sie alle haben Elektroautos, die der Kunde kaufen kann, jetzt serienmäßig im Programm. Andere Hersteller steigen soeben in die Serie ein. Beispiele sind der neuen Volvo V60 Plug-in Hybrid oder die neuen Modelle, die aktuell von BMW kommen wie etwa BMWi3 oder BMW X5 mit Active-Hybrid-Technik. Dies alles wird den Markterfolg der Elektroautos mit Riesenschritten beschleunigen.

Wäre es nicht effizienter, die Politik würde - wie bei der Abwrackprämie - den Kauf von Elektroautos direkt fördern?

Die Bundesregierung setzt bei E-Fahrzeugen auf Forschungs- und Entwicklungs-Förderung, nicht auf direkte Absatzförderung. Dazu gibt es klare Aussagen von Dr. Peter Ramsauer, Dr. Philipp Rösler, Peter Altmaier und Prof. Dr. Annette Schavan, Bundesminister, die bei der Branchenmesse Ecartec Schirmherren sind. Ob diese Politik Bestand hat, weiß ich nicht. Ich gehe davon aus: Sobald Audi, BMW, VW und weitere Tophersteller Elektroautos kaufbar im Laden stehen haben, wird sich ein drastischer Umbruch vollziehen. Wie gesagt, die Lage ändert sich gerade von Grund auf.

Ihr Glaube an Elektromobilität bleibt unbeirrbar - Ihre visionäre Sicht hat Sie zum Veranstalter der Fachmesse Ecartec werden lassen.

Für mich gilt: Wiewohl die Technologien für elektrische Antriebe, Energiespeicher und Netzinfrastruktur in ihren Grundlagen entwickelt sind, besteht an zahlreichen Stellen der Wertschöpfungskette noch Forschungs-, Optimierungs- und vor allem Vernetzungsbedarf. Hier bietet die Ecartec mit ihren Veranstaltungen in den beiden Leitmärkten Deutschland und Frankreich eine starke und breite Basis zum internationalen Austausch an. Ausgerichtet wird die Fachmesse in München und Paris von der MunichExpo.

Welches Kernziel verfolgt die Ecartec?

Die Ecartec ist die internationale Leitmesse für Elektromobilität und liefert den umfassenden Überblick zum Stand der Technik. Betrachtung findet die gesamte Wertschöpfungskette – von den Materialien, Komponenten, Zellen, Batterien bis hin zum Gesamtsystem und seiner Anwendung. Besucherzielgruppen sind Ingenieure, Konstrukteure, Designer, Einkäufer, Händler, Flottenmanager sowie Entscheider aus Kommunen und Politik ebenso wie das Management der OEMs und Zulieferer aus wichtigen Applikationsindustrien.

Sprechen Sie auch Privatpublikum an?

Die Ecartec ist auch für Privatleute hochinteressant. Im Besonderen haben alle Besucher die Chance, auf der über einen Kilometer langen, kurvigen Teststrecke die Elektromobilität am Steuer von diversen Elektrofahrzeugen selbst auszuprobieren. Darunter sind Sportwagen wie der Tesla Roadster und Limousinen wie der Opel Ampera aber auch Roller und E-Bikes. Wer will darf E-Mobil fahren. Das macht echt Spaß.

Die Premiere der Ecartec Paris 2012 lockte 2.418 Fachbesucher an. Mit wie vielen rechnen Sie für München?

Ich meine, die als 4. Internationale Leitmesse für Elektro- und Hybrid-Mobilität vom 23. bis zum 25. Oktober veranstaltete Ecartec Munich 2012 wird das Vorjahresergebnis um Einiges übertreffen. Nachdem wir im letzten Jahr 503 Aussteller und genau 11.695 Besucher zählen durften, erwarten wir für 2012 etwa 650 Aussteller und rechnen mit rund 15.000 Besuchern, davon etwa 35 Prozent aus dem Ausland.

Ihr Optimismus in allen Ehren: Bis dato ist das E-Auto in der öffentlichen Wahrnehmung eher Ökomobil und kein Besuchermagnet.

Wir möchten mit der Messe gezielt weg vom reinen Ökomobil-Image. Mit den Exponaten, worunter sich mehr als 100 Elektrofahrzeuge befinden, wollen wir speziell auch Fahrspaß vermitteln, Emotionen freisetzen und die Kaufentscheidungen der Zukunft beeinflussen.

Aber nicht allein die Exponate sind Ecartec-Zugpferde. Dasselbe gilt für die zeitgleich laufenden Veranstaltungen wie die Parallelmesse Materialica, die verschiedenen Begleitkongresse oder die eCarLiveDrive, die Teststrecke für Elektrofahrzeuge, mit denen wir die Besucher ansprechen wollen.

Auf einen Blick

Ecartec München

-4. Internationale Leitmesse für Elektro- und Hybridmobilität.

-23.–25.10.2012, Messe München, B1, B2, B3.

-Schwerpunkte: Elektrofahrzeuge, Reparatur, Ersatzteile, Antriebs- und Motorentechnik, Speicher, Engineering, Zulieferung, Energie, Infrastruktur, Connected Car – sMove 360 Grad, Leichtbau, Finanzen, Teststrecke.

Erschienen in Ausgabe: 07/2012