Energieeffizienz? – Pragmatismus statt Dogma!

Meinung

Die ewige Diskussion über Energieeffizienz ist müßig. Langfristig wird der steigende Energiepreis von sich aus zu einem verstärkten Einsatz verbrauchsarmer Technologie führen.

21. März 2011

Was ich Ihnen über Energieeffizienz zu sagen habe? Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Ich kann das Wort nicht mehr hören. Denn viele der aktuell diskutierten Effizienzvorschriften führen zu einem starren Korsett, dem sich die Betroffenen irgendwann durch gesteigerte Kreativität zu entziehen versuchen.

Instinktiv ahnen sie, dass viele Vorschriften nur einen Berg an Papier und Aufwand generieren und unter dem Strich am Ziel vorbeischießen. Das ist bei dem Glühbirnen-Irrwitz, über den ich mich an dieser Stelle schon einmal geärgert habe, ähnlich wie bei den Verordnungen für Elektromotoren: Ständig werde ich von irgendjemandem dazu aufgerufen, funktionierende Technik zu verschrotten, um mir ganz ökologische neue Geräte anzuschaffen.

Da es mit Sicherheit in wenigen Jahren noch effizientere Technik gibt, fürchte ich, dass ich auch die wunderbar sparsamen Neuanschaffungen schon in kurzer Zeit nicht mehr mit gutem Gewissen verwenden darf. Trotzdem heißt es erst einmal: Weg mit dem Röhrenmonitor, weg mit den Glühbirnen, weg mit dem alten Auto, weg mit dem Kühlschrank (sowieso) und – an die Industrie gerichtet – weg mit der alten Antriebstechnik.

Mit dem Neukauf meines gesamten elektrischen und elektronischen Besitzstandes finanziere ich der Fertigungsindustrie dann die neuen Elektromotoren, die viel effizienter sind. Jetzt mal im Ernst: Es gilt doch auch, den Energieaufwand zu betrachten, den das Aussortieren und vorzeitige Verschrotten noch funktionierender technischer Einheiten mit sich bringt. Lasst mich zunächst die alten Geräte verbrauchen; wenn ich mir dann neue anschaffe, nehme ich natürlich gern die sparsamen Varianten, weil sie günstiger zu betreiben sind.

Und hier sind wir beim Punkt: Die Selbstregulierung durch Angebot und Nachfrage. Der Energiepreis wird weiter steigen, weil trotz sparsamerer Geräte der Verbrauch zunimmt und die Ressourcen ohnehin verknappen. Früher oder später werden Energieverbraucher ganz von alleine die effizienteren Geräte wählen. Wer über unnötigen Stromverbrauch zu hohe Produktionskosten generiert, ist nicht mehr lange wettbewerbsfähig.

Wer meint, das bezahlen zu können, soll es tun. Aber bitte, bitte, verschont uns damit, ständig neue Vorschriften mit dem Brecheisen durchzusetzen. Der Markt, das wissen wir heute, reguliert nicht alles. Aber durch die Entwicklung des Energiepreises werden die Abnehmer ganz von alleine zur Sparsamkeit erzogen – jede Wette.

Ihr Rüdiger Eikmeier.

PS: Mich interessiert Ihre Meinung dazu, schreiben Sie mir: r_eikmeier@gii.de

Erschienen in Ausgabe: 02/2011