Entwicklungsschmiede und Produzent

Porträt

PM DM – Der Antriebshersteller PM DM tritt sukzessive in die Öffentlichkeit, damit auch die japanische Mutter in Europa bekannter wird. Schließlich ist das Portfolio riesig und höchst innovativ.

10. November 2015

Erst ganz zuletzt bemerkt der Besucher das Firmengebäude von PM DM am Hang, wenn er in das Schwenninger Industriegebiet einfährt. Und er staunt nicht schlecht, denn so einen imposanten Komplex hätte er nicht erwartet. In der Tat zeigt sich, dass hinter dem in Deutschland noch nicht so bekannten Unternehmen einiges steckt und zwar der große japanische Konzern Minebea Co. Ltd. »Unsere Mutter hat hier bei uns schon kräftig investiert und wird das in den kommenden Jahren in Europa auch weiter tun«, betont Jörg Hoffmann, Geschäftsführer der PM DM GmbH in Villingen-Schwenningen und stellvertretender Europa-Chef des Konzerns. Immerhin ist die Precision Motors Deutsche Minebea GmbH, kurz PM DM, schon seit fast 25 Jahren in Deutschland ansässig und heute das größte Zentrum für Motorenentwicklung im internationalen Minebea-Verbund.

Entwicklung als Keimzelle

»Seit Beginn der 90er Jahre entwickeln wir im Auftrag von Minebea Produkte, die vor allem in Asien für den weltweiten Markt produziert werden. Unser Schwerpunkt lag dabei für lange Zeit ausschließlich auf der Entwicklung von Spindelmotoren für Festplatten, ein Markt auf dem es weltweit mittlerweile nur noch zwei Produzenten gibt«, erzählt Hoffmann weiter. Die Japaner sind sehr früh in diesen Markt eingestiegen und haben sich für PM DM als weltweit einzigen Entwicklungsstandort für diese Produktgruppe entschieden.

Im Laufe der Zeit wurde das Unternehmen aber unabhängiger. Das lag auch an der Entwicklung von Motoren für andere Märkte wie die Sektoren Automobil und Industrie, die es seit dem Jahr 2009 in eigener Regie in Osteuropa und Asien produziert. »Heute ist die Zeit gekommen, die Synergien der insgesamt mehr als ein Dutzend europäischen Unternehmen, die dem Konzern angehören, zu bündeln. Dabei werden wir eine wichtige Funktion übernehmen«, sagt Hoffmann, der die Zusammenarbeit der Niederlassungen in Europa vorantreibt.

Nicht leicht, denn der Konzern ist breit aufgestellt und auf der ganzen Welt vertreten. Er ist größter Hersteller von Miniaturkugellagern, was sich im Namen zeigt, denn Minebea ist der englischen Bezeichnung »Miniature Bearing« entliehen. Aber das Unternehmen ist wenig bekannt in Europa, obwohl sich die Technologien in vielen Produkten des industriellen und alltäglichen Lebens wiederfinden. Viele Innovationen kommen dabei auch aus Europa und ganz speziell aus Villingen-Schwenningen. 

»Wir sind ein schlagkräftiges Team, vorwiegend aus Ingenieuren, Technikern und Wissenschaftlern«, sagt Roman Klein, Leiter der Presseabteilung bei PM DM. »Unsere Antriebstechnologien werden dort eingesetzt, wo Leistung und vor allem höchste Lebensdauer und Zuverlässigkeit gefragt sind.« Als Alleinstellungsmerkmal der Villinger Entwicklungsschmiede zählen die Antriebe für Computerfestplatten. »Außerhalb Japans gibt es nur noch uns, die Festplattenmotoren entwickeln, denn diese sind in Entwicklung und Fertigung sehr speziell. Da reden wir von Produktion in Reinräumen im Nanometerbereich«, ergänzt Klein.

»Darauf haben wir aufgebaut und uns weiter entwickelt«, fügt Jörg Hoffmann hinzu. Dabei waren seine Anfangsjahre geprägt durch die weltweite Wirtschaftskrise. Der Geschäftsführer entwarf in diesen Zeiten die Vision, der Standort Villingen-Schwenningen sollte weiterhin Entwicklungsschmiede bleiben, aber auch aktiv in Entwicklung, Produktion und Vertrieb eigener Produkte einsteigen.

So geschah es 2008 und ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte wurde mit den eigenen Produkten aufgeschlagen, was auch die Personalentwicklung prägte. Zu Beginn hatte Jörg Hoffmann gut 200 Mitarbeiter, heute sind es 294 und sehr bald wird die 300er-Marke fallen. Ganz aktuell hat es Hoffmann als einziger Europäer ins japanische Top-Management des Konzerns geschafft. Auftrieb gab dabei auch der große Erfolg im Bereich Automotive, der sich neben den anderen industriellen Anwendungen wie Motoren für Akkuschrauber oder Roboter stark entwickelt hat: Mittlerweile stehen alle namhaften Autohersteller der Welt auf der Kundenliste von PM DM.

Erfolg mit Stellantrieben

Preisgekrönt sind die Produkte in der Sparte Energy Harvesting und Automotive. Gefertigt wird unter anderem in Bratislava und jetzt auch in Thailand. »2013 schrieben wir die ersten schwarzen Zahlen«, berichtet Hoffmann. Seit dem Vorjahr verbuche man solide Gewinne, zu denen das Stellantriebssystem für den Kühlergrill in PKWs maßgeblich beigetragen hat. Gemeinsam mit Röchling Automotive entwickelten die Villinger Ingenieure den hocheffizienten Antrieb.

Die Lufteinlässe des Motorraums werden dabei während der Kaltstartphase geschlossen und sorgen dafür, dass Motoren schneller auf Betriebstemperaturen kommen. Bereits durch diesen Effekt sinken die Emissionen erheblich. Im Fahrbetrieb selbst verhindern geschlossene Klappen, dass Luft in den Motorraum gelangt. Durch den auf diese Weise reduzierten Luftwiderstand verbrauchen Fahrzeuge weniger Kraftstoff, was den CO2 – Ausstoß reduziert. Der Aktuator öffnet und schließt die Lamellen. Nicht nur im Bereich Verbrennungsmotoren sondern auch in Elektrofahrzeugen kommen steuerbare Luftführungen zum Einsatz.

Eine völlig andere Entwicklung ist das elektronische Heizkörperventil Smart Valve. Es funktioniert ohne Batterie und Stromanbindung. Die dafür benötigte elektrische Energie produziert ein kleiner thermoelektrischer Generator. Das Heizungsventil arbeitet präzise und komplett autark. So entfallen Batteriewechsel oder das aufwändige Installieren von Kabeln und der Kunde spart. »Wir stecken mitten in der Produktion und werden auch im Energy Harvesting weiter investieren in den nächsten Jahren. Gemeinsam mit dem Konzern möchten wir weitere Märkte erschließen und uns somit breit in Europa aufstellen«, versichert Jörg Hoffmann. Minebea ist ein Globalplayer und Massenhersteller. Die Serienproduktion fängt oft erst bei über 100.000 Stück im Monat an. Die etwa 70.000 Mitarbeiter verteilen sich auf der ganze Welt, hauptsächlich im südostasiatischen Raum.

»Unsere Chance in Europa liegt insbesondere im High-Tech-Markt für Motoren, Antriebssysteme sowie Technologieprodukten in kleineren und mittleren Stückzahlen«, bekräftigt Hoffmann und verweist auf die Vielzahl interessanter Entwicklungen, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen.

Auf einen Blick

PM DM

- Tochter des japanischen Konzerns Minebea.

- Gegründet 1991, Sitz in Villingen-Schwenningen.

- 294 Mitarbeiter, Tendenz steigend.

- Entwicklungsschmiede für leistungsfähige Antriebslösungen im internationalen Verbund von Minebea.

Erschienen in Ausgabe: 08/2015