Erfolg durch Konsequenz

Bernd Buck - Produktion und Entwicklung arbeiten Tür an Tür bei IFM. Am Standort in Tettnang entstehen Sensoren für weltweite Anwendungen. Bernd Buck ist als Geschäftsführer für Technik, Produktion und Entwicklung verantwortlich. Er erklärt die Philosophie der Sensorschmiede mit der Essener Adresse und der Zentrale für Produktion und Entwicklung in Schwaben.

15. November 2005

Fast alle klagen über den teuren Standort Deutschland, machen auf global und produzieren dort, wo die Arbeit einen Bruchteil von hiesigen Tarifen kostet. Was machen Sie?Buck: Eigentlich ist es traurig, dass es heute etwas bereits als etwas Besonderes gilt, wenn man sich zum Produktionsstandort Deutschland bekennt. Hier zu produzieren ist unser erklärter Wille, entspricht unserer Unternehmenskultur und der Wertschätzung unserer Mitarbeiter. Ich verstehe auf der anderen Seite jeden, der sich aufgrund der Kosten fürs Ausland entscheidet. Wir sind überzeugt, dass unsere konsequente Haltung keine Wettbewerbsnachteile zur Folge hat. Was hat der Kunde davon? Merkt er, dass hinter IFM-Produkten eine eigene Philosophie steht?

In erster Linie entscheidet die richtige Wertschöpfung über unsere Wettbewerbsfähigkeit. Wir können nur den Aufwand bestimmen. Den Wert legen die Kunden fest. Wir müssen also ein Gefühl entwickeln, über den notwendigen Aufwand. Dazu orientieren wir uns an den Bedürfnissen unserer Kunden und suchen passende Lösungen. Die Kunden spüren sehr wohl, dass unsere Produkte zu ihnen passen. Das liegt nicht zuletzt an der Nähe der Entwicklung zur Produktion.

Räumliche Nähe zwischen Entwicklung und Produktion am Standort klingt zumindest nach finanziellem Aufwand. Ist dieser Aufwand gerechtfertigt?

Es ist keine Frage, ob der Aufwand gerechtfertigt ist, sondern ob man an den Erfolg glaubt. Die Rechnungen lassen sich beliebig aufmachen: Man kann so rechnen, dass der Aufwand geringer ist, wenn in einem Niedriglohnland produziert wird. Wir stellen diese Rechnung nicht an, sondern gehen konsequent den Weg hier zu produzieren. Viele Werte lassen sich nicht bis auf den letzten Euro berechnen: Dazu zählen die Kultur und eingespielte Abläufe im Unternehmen. Die Zusammenarbeit von Entwicklung und Produktion ist aus unserem organisatorischen Verständnis wichtig. Deshalb haben wir hier in der Region um Tettnang alle Bereiche ›sortiert‹. Obwohl nur ein paar Kilometer zwischen den Standorten liegen, sind Entwicklung und Produktion immer am gleichen Ort.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Bereiche im Unternehmen sortiert?

Wir haben die Standorte nach Produktbereichen geordnet und haben vor Ort alles für die Entwicklung und die Produktion notwendige angesiedelt wie Dokumentation, Prototypenplanung sowie ein kleines Einzelteilelager. Supportbereiche wie Patentwesen, Normung, Zulassung und Betriebsmittelbau stehen am Zentralstandort in Tettnang als Dienstleistung für die ›Satelliten‹ in und um Tettnang zur Verfügung. Unsere größte Säule, die Positionssensorik mit induktiver, kapazitiver und optischer Sensorik, ist in Tettnang und Meckenbeuren angesiedelt. Unsere zweite Säule ist die Fluidsensorik. In Kressbronn produziert ifm Prover Sensoren für die Prozess- und Verfahrenstechnik, also Druck- und Temperatursensoren. Dann gibt es in Kreßbronn noch ifm Ecomatic. Dort entstehen Steuerungen für den mobilen Bereich. ›Network and Con­trol‹ ist unsere dritte Säule.

Wie funktioniert die Achse zwischen Tettnang und der Firmenzentrale in Essen?

IFM wurde im Jahr 1969 von zwei Männern gegründet. Einer kam vom Bodensee, der andere aus dem Ruhrgebiet. Keiner wollte umziehen, und beide waren sich einig, dass ein Umzug nicht notwendig sei. Der eine, der schwäbische Tüftler, hat hier in Tettnang seine Kollegen zur Produktentwicklung rekrutiert. Der andere hat sich auf Marketing und Vertrieb konzentriert. Er war mit dem Standort im Ruhrgebiet mehr als zufrieden. Der Hauptsitz entstand damals in Essen, am Ort der Administration des Unternehmens. Von der technischen Seite, also der Entwicklung und Produktion aus betrachtet, ist Tettnang plus Umgebung der größere Standort von IFM. Der Charme des Unternehmens liegt nicht zuletzt an der Mischung aus technikverbundenen Mitarbeitern hier in Tettnang und denen aus Essen, die für Marketing, Vertrieb und Finanzen verantwortlich sind. Angesichts von Internet und günstigen Flugverbindungen stellt die Distanz kein Kommunikationsproblem dar.

Sie machen klassische Sensorik. Wie stehts mit SPS?

Wir weiten unser Programm in der Sensorik aus. Mit induktiven Sensoren haben wir begonnen, dann kamen kapazitive und optische hinzu - sowie die gesamte Sensorikpalette.

Die elektrischen Signale, die wir an die Steuerung weitergeben, sind in der Regel binäre Schaltsignale. Wir kümmern uns um diese Signale bis zur SPS. Ausnahmen sind der mobile und der ASi-Bereich. Dort liefern wir auch die Steuerung. Unser Zugpferd ist jedoch die Sensorik.

Geht der Trend von den Induktiven hin zur Optosensorik?

Die induktiven Klassiker sind nicht wegzudenken, doch der stärkste Leistungszuwachs findet in der Optosensorik statt. Das liegt auch daran, dass man in der Optosensorik viel auf Halbleiterbasis entwickelt.

Warum konzentriert sich der Kunde dann nicht gleich auf die Optosensorik?

Reicht ein induktiver Sensor von seinen sensorischen Eigenschaften aus, sollte er bevorzugt werden. Denn keine andere Lösung ist so robust und preislich so interessant. Optosensorik wird dort eingesetzt, wo kleinere Objekte abgefragt werden und wo exaktere Positionierungen

oder große Reichweiten gewünscht sind.

Die Sensorik wächst schneller als der Maschinenbau. Was folgern Sie daraus?

Das begründet meine Zuversicht, dass die Geschwindigkeit der Automatisierung weiter zunimmt. Vor allem Schwellenländer werden interessant, auch wenn heute dort die Arbeitskosten niedrig sind. Durch ihre Prozessstabilität gibt es zur Automatisierung keine Alternative.

Stehen Sie sich selbst im Wege, wenn Sie am Bodensee bleiben, während andere dort produzieren, wo das Wachstum stattfindet?

Nein, wenn wir in Südostasien mit unserer Firma begonnen hätten, würden wir auch konsequent dort bleiben. Es geht weniger darum, wo weltweit der beste Standort liegt. Entscheidend sind die Menschen, die jetzt bei uns arbeiten und die das Unternehmen prägen. Wird ein anderer Standort gewählt, um Montagekosten zu reduzieren, bleibt die Frage, wo man die Grenze zieht. Denn aus unserer Sicht gehört die Entwicklung unmittelbar zur Produktion, ebenso wie der Einkauf und das Lager und nicht zu vergessen - die Geschäftsleitung.

Nährungsschalter sind Stan­dardprodukte. Was leisten Sie für kundenspezifische Lösungen?

Wir bieten so viel Standardprodukte wie möglich, stellen aber auch Kunden spezifische Lösungen zusammen. Solche Kundenprojekte sind isoliert betrachtet wirtschaftlich aufwändig. Eine Ausnahme ist, wenn dabei eine Technologie entwickelt wird, die in neue Standards mündet. Interessant ist auch, wenn mit Kundenlösungen ein neuer Markt erschlossen wird. Hier in Deutschland haben wir für jeden unserer großen Kunden eine spezifische Lösung entwickelt. Unser Fokus liegt dennoch eindeutig auf Standards.

Sie entwickeln 3D-Sensorik. Wo kann diese im Maschinenbau eingesetzt werden?

3D-Sensorik erkennt, ob ein Gegenstand vorhanden ist und ob ein Montageschritt ausgeführt wurde. Diese Sensoren eignen sich, um die Größe von Objekten zu erfassen. Sie bieten Möglichkeiten, die sich heute noch nicht abschätzen lassen. Wir werden die Entwicklung dieser Tech­nologie nach Kräften vorantreiben.

Peter Schäfer

Zur Person

Bernd Buck studierte Physik an der Universität Konstanz. Seine berufliche Laufbahn begann er 1996 in der ifm Electronic GmbH. Er arbeitete in verschiedenen Entwicklungsbereichen und übernahm sukzessive die Leitung der Entwicklung. Seit Januar 2001 ist er technischer

Geschäftsführer des Unternehmens. In seiner Zuständigkeit liegt der gesamte induktive und kapazitive Produktbereich sowie die Verantwortung für die technischen Dienstleistungsbereiche (Qualitätswesen, Betriebsmittel, Normen etc.).

Erschienen in Ausgabe: 08/2005