Erfolgskonzept »Familie« zählt

Dr. Robert Bauer – Ein Innovationsmarathon über 52 Wochen sowie mehrfache Auszeichnungen als bester Arbeitgeber. Der Vorstandsvorsitzende der Sick AG erläutert, wie Sick es schafft, dem Fachkräftemangel Paroli zu bieten und jede Woche eine Innovation auf den Markt zu bringen.

26. Juni 2009

Im Zuge des Innovationsmarathons 2009 stellt Sick jede Woche ein neues Produkt in den Bereichen Fabrik-, Logistik- und Fabrikautomation vor. Erzählen Sie uns von dieser einmaligen Aktion!

Seit Jahren investiert Sick für Forschung und Entwicklung rund neun Prozent des Jahresumsatzes. Mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter arbeiten in diesem Bereich. Die Innovationsrate, der Anteil der Produkte, die jünger als drei Jahre sind, lag 2007 insgesamt bei 34 Prozent. Insofern liegt die Zahl der Markteinführungen traditionell in diesem Bereich. Wenn Sick bislang diese Stärken mit sehr viel Understatement zu Markte getragen hat, so soll mit dem Sick- Innovationsmarathon 2009 bewusst sehr deutlich gemacht werden, wie Sick gemeinsam mit den Kunden die Chancen bei notwendigen Veränderungen nutzen kann. Alle Innovationen von No. 1 bis No. 52 sind mehr als nur Produkte: Sie lösen Aufgaben intelligent, effizient und präzise. Und schaffen überlegenen Kundennutzen.

1952 erlebte die Firma Sick den wirtschaftlichen Durchbruch mit dem ersten Unfallschutz- Lichtvorhang. Jetzt präsentieren Sie die Weltneuheit »Mini Twin«. Welche Verbesserungen zeichnet diese aus und was werden Sie zukünftig noch optimieren?

Schon die ersten Erfindungen des Unternehmensgründers Dr. Erwin Sick waren technologisch revolutionär, dennoch waren sie keine technischen Spielereien. Sie bezogen sich auf bisher ungelöste Problemstellungen in der Industrie. So war bis in die Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts Unfallschutz an Maschinen wie Pressen und Stanzautomaten ein Fremdwort. Die Verhinderung gefährlicher Verletzungen an solchen Einrichtungen durch Lichtvorhänge von Sick war eine der ersten erfolgreich im Markt platzierten Lösungen des Unternehmens. Das Denken in Kundenbedürfnissen und neuen Lösungsansätzen ist somit seit Beginn eine Konstante der Unternehmensphilosophie von Sick. So führt eine direkte Linie vom Lichtvorhang Erwin Sicks zu den aktuellen Sicherheitskonzepten und damit zum Mini Twin. Die Kundenanforderungen wie optimale Maschinenintegration durch Miniaturisierung, reduzierter Logistikaufwand durch Standardisierung der Komponenten und schnelle Inbetriebnahme durch intuitive Handhabung spiegeln drei Trends wider, die in der Konsumerelektronik bereits umgesetzt wurden: flexibel, intelligent und easy. Ein weiterer Trend der nächsten Jahre, dem wir durch unsere Innovation Rechnung tragen, ist die komplexere Interaktion von Mensch und Maschine.

Stichwort Mitarbeiter: 1960 hat Erwin Sick das Institut für Automation in München gegründet, weil es in Waldkirch kaum qualifizierte Ingenieure gab. Ist der Fachkräftemangel heute kein Thema mehr für Sie?

Fachkräftemangel in den technischen Berufen ist ein Dauerthema, auch für Sick. Aber durch zahlreiche Maßnahmen von der eigenen Ausbildung junger Techniker und deren Weiterqualifizierung über zahlreiche Aktivitäten, die uns als Arbeitgeber attraktiv machen bis hin zur Faszination Sensorik selbst, konnten wir auch in den letzten Jahren hervorragende Mitarbeiter rekrutieren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Bewerberinnen und Bewerber der Sick AG meldeten Bedarf an familienorientierten Leistungen. Darauf hat das Unternehmen mit einem umfassenden Konzept »Familie zählt« reagiert. Eine familienorientierte Personalpolitik wird vor dem Hintergrund der gesellschaftspolitischen Veränderungen der Rolle von Mann und Frau und auch angesichts des demografischen Wandels ein immer bedeutsameres Thema für alle Unternehmen, gleich welcher Größe. Konkretes Ziel der Maßnahmen ist es, die Motivation und Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten durch eine möglichst optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel: Hausaufgabenbetreuung für Mitarbeiterkinder, verbilligtes Mittagessen für Mitarbeiterkinder im Betriebsrestaurant. PC-Kurse für Mitarbeiterkinder, Ferienaktion, zum Beispiel Skifahrten für die Kinder, flexible Arbeitszeitmodelle für Eltern, Sabbaticals, Unterstützung der örtlichen Kindertagesstätte.

In diesem Jahr erhielt Sick einen Sonderpreis für Gesundheitsförderung. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter gezielt zu fördern?

Das Thema Gesundheit hat in der älter werdenden Gesellschaft einen ganz neuen Stellenwert bekommen. Viele unserer Mitarbeiter kümmern sich sehr verantwortungsbewusst um ihre Gesundheit und stellen hier auch hohe Ansprüche an den Arbeitsplatz. Das kommt uns natürlich entgegen. Nur wer sich wohl fühlt, kann seine Arbeit sehr gut erledigen. Wir unterstützen dies unter anderem durch ein ausgewogenes Essensangebot im Betriebsrestaurant oder Gesundheitstrainings während der Arbeitszeit beziehungsweise die Unterstützung der sportlichen Aktivitäten unserer Mitarbeiter. Wer Sicherheitsprodukte zum Schutz von Leib und Leben vermarktet, entwickelt vermutlich eine besondere Fürsorge bezüglich der Gesundheit aller Mitarbeiter.

Im Februar haben Sie ein Application-Center in Asien eröffnet. Wie sehen Sie die Zukunft auf dem asiatischen Markt – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise?

Aufgrund der Wachstumsprognosen in Asien hat sich die Sick AG entschieden, zusätzlich zu den Aktivitäten der Vertriebstochtergesellschaften zeitzonenangepasst vor Ort in Asien für technische Detailfragen und besondere Applikationsanforderungen für die Kunden zur Verfügung zu stehen. Der Sick-Konzern gründete bereits vor mehr als zwanzig Jahren seine erste asiatische Tochtergesellschaft in Japan. Inzwischen ist das Unternehmen in Asien in allen wichtigen Märkten mit eigenen Tochtergesellschaften vertreten. Im Geschäftsjahr 2007 erzielte Sick im asiatisch-pazifischen Raum den höchsten relativen Umsatzzuwachs. Allerdings ist Asien wie alle Weltregionen nicht von der Wirtschaftskrise verschont geblieben. Dort gilt das gleiche wie überall: jenseits der Krise ist das Geschäft mit intelligenten Sensoren ein noch junger Markt mit vielversprechenden Wachstumsaussichten.

In welchem der drei Bereiche Fabrik-, Logistik- und Prozessautomation sieht Sick in den kommenden Jahren das größte Potenzial?

Die Wachstumspotenziale sind technologiebedingt in allen drei Segmenten gegeben. Derzeit ist die Fabrikautomation, speziell durch Automobil-, Werkzeugmaschinen- und Druckindustrie kundenseitig stark unter Druck. Hier werden wir helfen, deren Zukunft mit intelligenter Automatisierung rationeller zu gestalten. In Krisenzeiten ist aber gerade auch die Logistikautomation mehr denn je auf entsprechende Rationalisierung angewiesen. Ähnliches gilt für die Prozessautomation, wo beispielsweise die Umwelttechnik aktuell durch staatliche Förderprogramme, so auch in China, vorangetrieben wird. Für Sick wird die Mischung zwischen all diesen Herausforderungen wichtig sein.

Wenn Sie jemandem erklären sollten, warum Sick über die Jahre so erfolgreich gewachsen ist: Was würden Sie sagen, sind die wichtigsten Faktoren des Unternehmenserfolgs?

Der Erfolg von Sick beruht auf der breiten Branchenaufstellung in allen Regionen dieser Welt gepaart mit der konsequenten Konzentration auf unser Kerngeschäft: Dieintelligente Sensorik.

Die Fragen stellte Angela Unger

ZUR PERSON

Dr. Robert Bauer begann bei Sick im Jahr 1994 als Geschäftsbereichsleiter Forschung & Entwicklung Automatisierungstechnik und übernahm 1998 in der Geschäftsleitung die Gesamtverantwortung für Forschung und Entwicklung. Seit Januar 2000 ist er Vorstandsmitglied, im Oktober 2006 wurde er zum Sprecher des Vorstands ernannt. Seit dem 1. April 2009 ist Dr. Bauer Vorstandsvorsitzender.

Erschienen in Ausgabe: 04/2009